Sport : Auf dem neuen Planeten

Lukas Podolski darf durchspielen bei den Bayern und freut sich über ein 4:0 gegen Spartak Moskau

Daniel Pontzen[München]

Wenn man beim 1. FC Köln Fußball spielt, ist die Glitzerwelt Champions League ein weit entfernter Planet. Lukas Podolski musste in den vergangenen Jahren also schon zur Nationalmannschaft reisen, um Erfahrungen auf internationaler Ebene zu sammeln – das Spektakel der besten Klubmannschaften des Kontinents kannte er nur aus dem Fernsehen, teilnehmen konnte er nur virtuell, via Playstation. Beim gestrigen Auftakt von Bayern München ins europäische Programm 2006/07 gegen Spartak Moskau war der Stürmer nun endlich erstmals leibhaftig dabei, es war zugleich seine Premiere in der Anfangself des neuen Arbeitgebers. Den Ausgang jenes Debüts wird er sich wohl in etwa so vorgestellt haben: Zwar reichte es nicht zu einem eigenen Treffer, doch seine Mannschaft setzte sich verdient mit 4:0 (0:0) durch – drei wichtige Punkte angesichts der anstehenden Reisen zu Inter Mailand und Sporting Lissabon in den nächsten Wochen.

Neben Podolski stürmte der ebenfalls erstmals von Beginn an eingesetzte Claudio Pizarro, und überraschenderweise bot Trainer Felix Magath zudem Roque Santa Cruz auf, der phasenweise etwas zurückgezogen als eine Art stürmender Spielmacher agierte. Roy Makaay musste angesichts der zuletzt ungewohnt deutlichen Kritik wie erwartet auf der Bank Platz nehmen, während Neuzugang van Bommel seinen Dienst im rechten Mittelfeld begann, aber schon bald regelmäßig in die Zentrale rochierte.

Was nominell einer rekordverdächtig offensiven Formation nahe kam, entlud sich indes keineswegs auf Anhieb in enthemmten Angriffswellen des Gastgebers. Hohes Engagement war bei den Münchnern zwar von Anpfiff an zu erkennen, kreative Einfälle jedoch kaum. Ein Schüsschen von Pizarro, Versuche aus der Distanz von Santa Cruz und Bastian Schweinsteiger sowie ein unplatzierter Kopfball Daniel van Buytens reichten nicht aus, um das massive russische Defensivbündnis ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. Es zeichnete sich bald jenes Geduldsspiel ab, das Magath im Vorfeld befürchtet hatte.

Größere Durchschlagskraft als die Bayern deuteten dabei die Gäste an: Die einzigen beiden echten Torchancen der ersten Hälfte vergaben Spartaks Offensivkräfte Roman Pawlyuschenko und Clemente Rodriguez jeweils aus kurzer Distanz. Die drei Münchner Angreifer raubten sich derweil mehrfach selbst den Platz, das Offensiv-Experiment, so waren die Pfiffe zur Pause zu deuten, drohte zu scheitern.

Wie ein inszenierter Gegenbeweis wirkte das, was nach dem Wechsel folgte. Zunächst spielte Pizarro nach Pass von Willy Sagnol im Strafraum den ehemaligen Bundesliga-Profi Martin Stranzl aus und vollendete mit einem flachen Linksschuss zur Führung. Kaum hatte sich der Jubel gelegt, setzte van Bommel die Moskauer Abwehrkette mit einem gestochen scharfen Anspiel auf Santa Cruz erneut außer Kraft, der Adressat veredelte den schönen Pass mit Übersicht zum 2:0.

Eine ernstzunehmende Reaktion der Russen blieb aus, lediglich ein Gewaltschuss von Nikita Baschenow aus 15 Metern, den Oliver Kahn aufmerksam parierte, sorgte für Gefahr. Einen gelungenen Einstand feierte kurz darauf Hasan Salihamidzic. Nur wenige Sekunden nach seiner Einwechslung schlug der Bosnier eine Flanke auf Schweinsteiger, die der Nationalspieler per Volleyschuss zur frühzeitigen Entscheidung ins Tor drosch.

Danach schalteten die Münchner ihre Bemühungen auf Energiesparmodus zurück und betrieben aktive Erholung für die kommenden Aufgaben in der Bundesliga. Zum 4:0 reichte es trotzdem noch: Nach Vorarbeit Schweinsteigers drückte Salihamdzic den Ball diesmal aus kurzer Distanz selbst über die Linie. Einer der ersten Gratulanten war Lukas Podolski. Auch ohne eigenen Torerfolg schien der Nationalspieler Gefallen gefunden zu haben an dem für ihn neuen Projekt namens Champions League.

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