Sport : Auf dem richtigen Dampfer

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Am 25. Juli 1892, einem schönen Sommertag, saßen vier junge Männer auf einer Bank im Norden Berlins, in der Stralsunder Straße. Tagsüber hatten sie immer auf den Weddinger Hinterhöfen gegen den Ball getreten. Nur halt ohne Klub. Klar, dass die Jungs etwas tun mussten. Ein neuer Verein musste her. Paragraphen? Statuten? Das interessierte nicht. Wichtiger war doch, wie sie den neuen Klub nennen sollten.

Nach langem Überlegen hatte Fritz Lindner die Idee: Hertha sollte der Klub heißen. Weil Lindner ein Jahr zuvor mit seinem Vater auf einem Dampfer ns Hertha über die Havel geschippert war. Das hatte mächtig Eindruck hinterlassen. „Berliner FC Hertha 92“ also. Nun waren die Vier noch zu jung, um einen Klub offiziell gründen zu können. Sie waren erst 16, 17 Jahre alt. Sie fragten Ernst Wisch, einen älteren Freund, ob sie den Klub auf dem Polizeipräsidium am Molkenmarkt eintragen lassen dürfen. Die Vereinsfarben sollten blau und weiß sein. Wie die Farben der Reederei.

Der Klub war in der Stadt schnell ein Begriff. Von dem Dampfer aber sprach kaum noch jemand. Der fuhr über Spree und Havel, über den Wannsee und zu DDR-Zeiten dann über den Müggelsee. Da allerdings unter dem Namen „Seid bereit“. 1969 sollte das Fahrgastschiff im Alter von 83 Jahren verschrottet werden. Doch Peter Dentler, ein Geschäftsmann aus Wusterhausen an der Dosse, meinte, dafür sei es zu früh. Dentler kannte die VergangEnheit des Schiffes nicht, investierte aber eine Stange Geld. Unter dem Namen „Seebär“ durfte der 22 Meter lange Dampfer fortan wieder die Gewässer kreuzen.

Jahre später entdeckte ein Schiffshistoriker die Vergangenheit des Bootes wieder – rechtzeitig zum 100. Geburtstag des Vereins, 1992 war das. An Herthas Geburtstag durften die Fans mit dem „Seebären“ über die Kyritzer Seenplatte schippern. Doch danach wurde es wieder ruhig um den Kahn.

Im Vorjahr verkündete dann Herthas Präsident Bernd Schiphorst, man habe mit jenem Dampfer etwas vor. Und zwar zum 110. Geburtstag des Klubs. Inzwischen ist das Geheimnis gelüftet. Am Mittwoch, einen Tag vor dem Jubiläum, wird der Dampfer seinen alten Namen erhalten: „Hertha“. An den Kauf des Schiffes aber „ist nicht gedacht“, sagt Herthas Geschäftsführer Ingo Schiller. So weit geht die Nostalgie dann doch nicht. Klaus Rocca

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