Sport : Auf dem Tiefpunkt

Deutschlands Eiskunstläufer schneiden bei der WM schwach ab

Benedikt Voigt

Berlin. Gestern Vormittag schaltete René Lohse in Oberstdorf den Fernseher ein und das, was er dort sah, beruhigte und beunruhigte ihn gleichermaßen. „Gott sei Dank sind die Richtigen Weltmeister geworden“, sagte der deutsche Eistänzer. Die Chinesen Xue Shen und Hongbo Zhao hatten nach ihrer Paarlauf-Kür von den 10 000 Zuschauern Ovationen und von den Preisrichtern viermal die Höchstnote 6,0 erhalten. Was René Lohse aber sonst von der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft in Washington mitbekam, bereitet ihm Sorgen.

„Das deutsche Eiskunstlaufen ist auf einem Tiefpunkt“, sagte Lohse. Der 15. Platz von Eva-Maria Fitze und Rico Rex im Paarlaufen wird als beste Platzierung für die Deutsche Eislauf-Union (DEU) in die WM-Bilanz eingehen. Für das neu formierte Paar ist das zwar ein Erfolg. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir in unserer ersten Saison so weit kommen“, sagte Rico Rex. Für den Verband aber ist das eine traurige Bilanz. Silvio Smalun und Andrejs Vlascenko werden irgendwo hinter Platz 20 landen (bei Redaktionsschluss nicht beendet). Ansonsten gab es keine deutschen Starter. „So klein war unser Team noch nie“, klagt René Lohse. Wegen einer Verletzung hatte der Eistänzer mit seiner Partnerin Kati Winkler für die WM absagen müssen. „Jetzt sieht man erst, wie groß der Verlust ist“, sagt Lohse, „wir hätten bestimmt einen Platz unter den ersten zehn geholt.“

Winkler und Lohse sind gegenwärtig die einzigen Vertreter der DEU, die internationales Format haben. „Wir haben beim Nachwuchs nicht die Breite“, beklagt Lohse, „aber das ist seit Jahren so.“ Er möchte mit seiner Partnerin im nächsten Jahr noch einmal antreten. „So können wir nicht aufhören.“

Die Gründung des neuen Eiskunstlauf-Weltverbandes WSF begrüßt er. Der Berliner erhofft sich davon Profipreisrichter, die gegen Mauscheleien und Bestechungsversuche besser gefeit sind. Lohse kann sich sogar vorstellen, für den neuen Verband zu laufen. „Wenn Mitte Sommer alles funktioniert, der neue Verband eine eigene Veranstaltungsserie mit Europameisterschaft und Weltmeisterschaft auf die Beine stellt, dann können wir auch wechseln.“

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