Sport : Auf dem Weg nach unten

1:2 gegen den Hamburger SV – Hertha verliert auch das zweite Spiel unter Skibbe und fällt auf Platz 14.

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Im freien Fall, den Fuß am Ball. Roman Hubnik (Mitte, im Zweikampf gegen Hamburgs Tomas Rincon) nützte am Sonnabend auch eine gute Technik nichts. Die Berliner müssen sich nun mit dem Abstiegskampf auseinandersetzen. Foto: dpa Foto: dpa
Im freien Fall, den Fuß am Ball. Roman Hubnik (Mitte, im Zweikampf gegen Hamburgs Tomas Rincon) nützte am Sonnabend auch eine gute...Foto: dpa

Berlin - Wie weit liegt Belek eigentlich von Berlin entfernt? Wie lang sind zwei Wochen? Vor zwei Wochen sind die Fußballer von Hertha BSC aus ihrem Trainingslager in Belek nach Berlin zurückgekehrt, die Stimmung war prächtig, die Mannschaft und ihr neuer Trainer Michael Skibbe blickten voller Zuversicht der Rückrunde entgegen. Zwei Wochen, zwei Spiele und zwei Niederlagen später ist davon wenig übrig geblieben. 1:2 (0:2) verlor Hertha gestern gegen den Hamburger SV. Die Berliner, eben noch im gesicherten Mittelfeld, rauschen in hohem Tempo der Abstiegszone entgegen. Gerade zwei Punkte trennen sie noch vom Relegationsplatz. „Wir sind in der Realität angekommen“, sagte Herthas Rechtsverteidiger Christian Lell. Und diese Realität schmerzt immer mehr: Seit acht Spielen warten die Berliner schon auf einen Sieg.

Gegen den HSV bekamen die 49 168 Zuschauer im Olympiastadion vor allem in der ersten Halbzeit eine ernüchternde Darbietung zu sehen. Zu den Beobachtern zählte auch Herthas jüngste Neuverpflichtung Felix Bastians, der noch nicht im Kader stand. Kapitän Andre Mijatovic saß nach seiner Verletzung immerhin wieder auf der Ersatzbank, genauso wie Peter Niemeyer und der Brasilianer Ronny, der sich eine Woche zuvor, beim 0:2 in Nürnberg, erfolglos als Spielgestalter versucht hatte. Die Vertretung des gesperrten Raffael teilten sich diesmal gleich drei Spieler: Patrick Ebert, Tunay Torun und Adrian Ramos tauschten immer wieder ihre Positionen. Die Verwirrung beim HSV hielt sich jedoch in Grenzen.

Ohne Raffael fehlte Hertha wieder einmal das kreative Element. Und nicht nur das. „Wille, Optimismus, Selbstvertrauen, Zweikämpfe“ – all das vermisste Lell bei seinem Team vor der Pause. In der gesamten ersten Halbzeit erspielte sich die Heimmannschaft keine einzige Chance, bis zum ersten Torschuss, durch Torun, dauerte es 36 Minuten. „So wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, wird es sehr schwer, die Klasse zu halten“, sagte Mijatovic, Trainer Skibbe verortete Herthas Leistung vor der Pause „weit unter Bundesligaschnitt“.

Für die Berliner war es ein gebrauchter Tag. Schon nach 20 Minuten musste Christoph Janker mit Jochbeinbruch vom Feld, sein Vertreter Mijatovic war kaum auf dem Platz, da gab er schon eine höchst bemitleidenswerte Figur ab. Nachdem Dennis Diekmeier Lewan Kobiaschwili abgehängt hatte, ließ sich auch Mijatovic von Hamburgs Außenverteidiger verladen. Herthas Kapitän ging fast ehrfürchtig zu Boden, Diekmeier hatte freie Bahn, fand Marcell Jansen in der Mitte – und der vollendete zum 1:0.

Bei Hertha kam gestern einiges zusammen. Mijatovic und Lell sahen ihre fünfte Gelbe Karte, fehlen damit beide am Samstag im Heimspiel gegen Hannover. Janker wird ebenfalls nicht spielen können. „Es wird schwierig, einen Defensivverband aufzustellen“, sagte Skibbe. Es passte auch ins Bild, dass Hertha gegen den HSV in der Nachspielzeit der ersten Hälfte das 0:2 kassierte. Wieder tat sich Diekmeier mit einer präzisen Flanke hervor, Mladen Petric sprintete in die Lücke, die Christian Lell und Fabian Lustenberger im Strafraum ließen, und wuchtete den Ball per Kopf ins Tor.

Skibbe wirbelte zur Pause seine komplette Aufstellung durcheinander. Torun musste vom Feld, Niemeyer rückte neben Andreas Ottl auf die Doppelsechs, und Lustenberger übernahm die zentrale offensive Position. Erkennbare Besserung brachten diese Maßnahmen zunächst nicht. Gefährlicher war auch weiterhin der HSV. Paolo Guerrero hatte zwei gute Gelegenheiten, die Führung auszubauen, ehe die Berliner nach einer knappen Stunde zu ihrer ersten Chance überhaupt kamen. David Jarolim konnte Lustenberger den Ball am Fünfmeterraum gerade noch vom Fuß spitzeln.

Immerhin spielte Hertha in der Folge druckvoller und stürmte mit dem Mute der Verzweiflung. „Wir haben zumindest versucht, beherzt nach vorne zu spielen“, sagte Christian Lell. Im entscheidenden Moment aber machten es die Berliner oft zu kompliziert. Oder hatten Pech wie bei Ramos’ abgefälschtem Schuss, der knapp am Pfosten vorbeiging. Zehn Minuten vor dem Ende gelang Hertha dann einmal ein Spielzug von betörender Einfachheit: Kobiaschwili flankte von links, und Pierre-Michel Lasogga lenkte den Ball per Kopf zum Anschlusstreffer ins Tor. Nur drei Minuten später hatte der U-21-Nationalstürmer sogar die große Chance zum Ausgleich, scheiterte aber freistehend an Hamburgs Torhüter Jaroslav Drobny. Ein Unentschieden wäre nach Herthas erster Hälfte auch nicht verdient gewesen, aber das hätte die Berliner vermutlich nicht besonders gestört.

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