Auf dem Weg zur WM 2014 : Ach, Island

Vor der Reise zur WM nach Brasilien stehen für die acht besten Gruppenzweiten der neun europäischen Qualifikationsgruppen noch zwei Play-off-Spiele an. Vor der Auslosung am heutigen Montag sehnt sich Portugal dabei nach einem Außenseiter als Gegner und zittert vor Frankreich.

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Zu viele Interessen im Spiel. Ronaldo gibt den Verschwörungstheoretiker.
Zu viele Interessen im Spiel. Ronaldo gibt den Verschwörungstheoretiker.Foto: Imago

„Island wäre schön“, hat Luis Figo gesagt, und da ist er sich einig mit den meisten seiner Landsleute, obwohl die Portugiesen gemeinhin nicht viel halten von Kälte und Stürmen und Einsamkeit. In den vergangenen Tagen aber haben sie zwischen Porto und der Algarve bemerkenswerte Sympathien entwickelt für die Vulkaninsel im Nordatlantik. Ach, Island! Zwischenstation auf dem Weg ins gelobte Fußballland! Einmal hin, ein paar Tore schießen und dann gleich weiter zu den Freunden nach Brasilien, wo die Temperaturen sehr viel kommoder sind und der ganz große Fußball gespielt wird. Im kommenden Sommer bei der Weltmeisterschaft, für die Portugal sich immer noch nicht qualifiziert hat.

Der Fußballprofi Luis Figo ist schon seit ein paar Jahren der ehemalige Fußballprofi Luis Figo, aber in der Heimat wird er verehrt wie zu seinen besten Zeiten in Barcelona, Madrid oder Mailand. Und nach dem ewigen Eusebio ist er der prominenteste Fan der Nationalmannschaft. Auf der Tribüne trägt Figo unter seinem Kamelhaarmantel immer noch das rot-weiß-grüne Trikot. Das könnte ein bisschen frisch werden im Falle einer Reise nach Reykjavik, wo sich die Temperatur gerade um den Nullpunkt einpendelt. Macht nichts, sagt Figo, sagen seine Landsleute. Allemal besser als Paris!

Fußball-WM 2014 - wer kommt aus welchem Topf?
Die gesetzten Teams bei der Auslosung am 6. Dezember:Gastgeber Brasilien ist natürlich gesetzt. Eine Qualifikation musste der fünffache Weltmeister nicht spielen.Weitere Bilder anzeigen
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03.12.2013 18:50Die gesetzten Teams bei der Auslosung am 6. Dezember:Gastgeber Brasilien ist natürlich gesetzt. Eine Qualifikation musste der...

Vor der Reise zur WM nach Brasilien hat der Fußball-Weltverband Fifa für den 15. und 19. November zwei Play-off-Spiele gesetzt. Am Montag finden sich zur Auslosung in der Züricher Fifa-Zentrale ein: die acht besten Gruppenzweiten der neun europäischen WM-Qualifikationsgruppen, also alle Gruppenzweiten außer Dänemark. Nichts Neues für Cristiano Ronaldo und seine Kollegen. Schon für die WM vor vier Jahren in Südafrika hatte Portugal den Umweg über die Play-offs gehen müssen, aber damals war die Welt noch klassisch geteilt in große und kleine Fußballländer. Portugal gehörte zu den gesetzten Ländern und bekam einen Außenseiter zugelost, es handelte sich um das damals noch im Aufbau befindliche Bosnien-Herzegowina, das auch ohne den verletzten Ronaldo zweimal 1:0 besiegt wurde.

Die Fifa richtet sich bei ihrer Setzliste streng nach der Weltrangliste

Diesmal ist Bosnien-Herzegowina als Gruppensieger direkt durchmarschiert. Das Los Portugal liegt zwar wieder in Topf A der Großen, aber in Topf B der Kleinen befinden sich neben den gelobten Isländern auch die gar nicht so kleinen Schweden und Rumänen. Und, als Überraschungsgast: Frankreich. Die Fifa richtet sich bei ihrer Setzliste streng nach der Weltrangliste, und da stehen die Franzosen nach ihrem blamablen Vorrunden-Aus bei der WM in Südafrika auf Platz 21, hinter den neben Portugal ebenfalls gesetzten Griechen, Kroaten und Ukrainern. Die lieben Freunde aus Island haben sich durch ihre jüngsten Erfolge in der WM-Qualifikation gerade auf Platz 46 vorgearbeitet.

Cristiano Ronaldo hat in dem von seinem ehemaligen Trainer José Mourinho tradierten Verschwörungsbewusstsein schon mal darauf hingewiesen, was denn auf Portugal zukäme im Falle eines möglichen Duells mit Franck Ribérys Franzosen. Es sprach also der Weltstar von Real Madrid: „Es sind zu viele Interessen im Spiel“, aber er dürfe da leider nicht ins Detail gehen, „sonst könnte ich bestraft werden“. So ungefähr hätte das Mourinho auch ausgedrückt und die Theorie noch ein wenig weiter gesponnen – über den großen Einfluss des großen Frankreichs, über den europäischen Verbandspräsidenten Michel Platini und so weiter. Liegt ja auf der Hand, dass Platini vor dem entscheidenden Spiel beim Schiedsrichter anruft und diesen anweist, die Franzosen mit Elfmetern und Abseitstoren zu begünstigen und all ihre Foul- und Handspiele zu übersehen. So wie bei den Play-offs vor vier Jahren, als der Schiedsrichter auf Platinis Anweisung mit voller Absicht wegguckte, als Thierry Henry sich den Ball mit der Hand vorlegte, was Frankreich das Siegtor gegen Irland ermöglichte und damit die Qualifikation für Südafrika.

So weit ist Ronaldo dann doch nicht gegangen. Wäre nicht besonders clever gewesen, die Fifa zu provozieren, denn es gibt da vor den Play-offs einen ganz handfesten Manipulationsverdacht. Er betrifft, genau!, Cristiano Ronaldo und das, was im vorletzten WM-Qualifikationsspiel gegen Israel passierte. In der Nachspielzeit holte sich der Sportsfreund Ronaldo noch eine Gelbe Karte ab, es war seine zweite im laufenden Wettbewerb. Die darauf folgende automatische Sperre saß er gegen Luxemburg ab und nicht etwa im ersten Play-off-Spiel gegen Frankreich, Schweden, Rumänien oder die neuen portugiesischen Lieblingsfreunde aus Island.

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