Sport : Auf dem Weg zurück nach vorn

Die Leistungen der deutschen Ruderer bei der WM in Bled machen Hoffnung für Olympia 2012

von

Die letzte der 27 Goldmedaillen wurde am Sonntag bei bestem Wetter und 30 Grad im Schatten vergeben. Für die Deutschen reichte es im Frauen-Einer nicht zu einer Medaille, aber Annekatrin Thiele aus Leipzig ruderte immerhin auf Rang sechs. Für Bled waren es die vierten Weltmeisterschaften nach 1966, 1979 und 1989. Betrachtet man die bloßen Zahlen, dann war es aus Sicht der Deutschen die schlechteste. Bei den drei Weltmeisterschaften zuvor in der slowenischen Stadt hatte es bei weniger Wettbewerben jeweils mehr Siege der beiden da noch getrennt antretenden Verbänden aus Ost und West gegeben. Aber die Ruder-Welt ist längst eine andere geworden. Sieben oder neun Goldmedaillen, wie sie die DDR 1989 und 1979 aus dem malerischen Bleder See fischte, sind Erinnerungen aus einer verlorenen Zeit.

Ein Jahr vor der olympischen Regatta in Eton standen diesmal die 14 olympischen Konkurrenzen noch mehr als ohnehin schon im Fokus des Interesses. Betrachtet man nur diese, ist der Deutsche Ruderverband (DRV) im Nationenranking mit zwei Gold- und zwei Silbermedaillen hinter Neuseeland (vier Titel), den Briten und Australien Vierter.

Die Führungsriege des Verbandes bewertet die WM-Bilanz optimistisch. Immerhin konnten sich die deutschen Ruderer elf von 14 möglichen Quoten-Startplätze für Olympia sichern. Nur in drei Frauen-Wettbewerben müssen sie sich im Frühjahr 2012 in einer Qualifikation gegen den Rest der Welt durchsetzen, um sich doch noch den olympischen Auftritt zu erkämpfen. Das betrifft den Achter, der seinem Namen leider zweifelhafte Ehre machte und als Letzter des teilnehmenden Feldes eben diesen Platz belegte. Aber auch den Zweier ohne und den leichten Doppelzweier.

Die Regatta in Bled wurde als Probelauf für Olympia im gewöhnungsbedürftigen Modus mit Finals an vier Tagen ausgerichtet. Der Männer-Achter und der Doppelvierer der Frauen, wo die DRV-Boote Lehrvorführungen in Ruderdominanz gaben, waren schon am Donnerstag dran. Damit waren aus deutscher Sicht die Höhepunkte durch.

Am Freitag hatte der junge Doppelzweier mit Hans Gruhne und Stephan Krüger aus Potsdam und Rostock in einem Wimpernschlagfinale den Neuseeländern um sechs Hundertstel den Vortritt lassen müssen. Am Samstag gab es ein Dacapo, als der deutsche Doppelvierer mit ebenso knappem Rückstand auf Australien einlief. Und das, obwohl das deutsche Boot Gold fast schon sicher hatte, bis kurz vor Schluss der Rhythmus verloren ging. „Das war tragisch, aber wird mit Blick auf 2012 nur zusätzlich anstacheln“, sagte DRV-Cheftrainer Hartmut Buschbacher.

Er ist seit September 2008 im Amt und hat die längerfristige Aufgabe übernommen, das schwache Abschneiden in Peking zu revidieren und Deutschland wieder zu einer führenden Rudernation in der Welt zu machen. Zwei große Baustellen gibt es nach seiner Ansicht. „Ich bin nicht zufrieden mit den Leichtgewichten und im Frauen-Riemenbereich haben wir seit Jahren Defizite“, sagte Buschbacher. Und auch bei den Nachrückern in der U-23- und Juniorinnen-Altersklasse ist wenig Besserung in Sicht. Die Skuller gehören dagegen weiterhin zur Weltspitze, wie etwa beim Doppelvierer oder dem Doppelzweier der Männer zu sehen war – und auch wieder bei Marcel Hacker, der im Einer auf Platz vier ruderte. Zudem spricht die Altersstruktur für die Deutschen. „Insgesamt haben wir sehr junge Besatzungen auf dem Wasser“, sagte Buschbacher, „die Konkurrenz ist teilweise über ein Jahrzehnt älter.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben