Sport : Auf den Berg geflogen

Roberto Heras gewinnt auf den letzten Etappen die Vuelta

Mathias Klappenbach

Berlin. Als Isidro Nozal sich am Samstag beim Bergzeitfahren entkräftet ins Ziel gequält hatte, brach Roberto Heras in Freudentränen aus. Heras saß schon in seinem Teamfahrzeug vor dem Fernseher, er war die nur 11,2 Kilometer lange Strecke ein paar Minuten vorher hinaufgestürmt und dabei fast zweieinhalb Minuten schneller als Nozal. Eine sensationelle Aufholjagd, mit der Heras den bis dahin ebenso sensationell bei der Spanien-Rundfahrt führenden Nozal noch abfing und im Gesamtklassement mit 28 Sekunden vorn lag. Am Sonntag fuhr er auf der Schlussetappe als strahlender Sieger ins Ziel nach Madrid.

Bei der Tour de France ist Roberto Heras in jedem Jahr der wichtigste Helfer von Lance Armstrong im Team US Postal, er ist auch international bekannt. In Abwesenheit von Armstrong und anderen Stars war es den Veranstaltern wichtig, dass der Stellenwert der dreiwöchigen Rundfahrt nicht durch einen namenlosen Sieger wie Nozal geschmälert wird – auch wenn der Spanier ist und als neuer Star gefeiert wurde. Seit der vierten Etappe fuhr Nozal, der im Team Once eigentlich als Wasserträger vorgesehen war, auch für sich selbst unerwartet im Goldtrikot des Führenden. Nach einem Einbruch bei der Tour de France hatte der 25-Jährige noch vor wenigen Wochen ans Karriereende gedacht.

Eine tolle Geschichte, doch fürs Renommee der Rundfahrt wäre ein ausländischer Star wie Jan Ullrich als Sieger besser gewesen. Aber die Vuelta hat einen ungünstigen Termin, nach einer langen Saison und zwei Wochen vor der Weltmeisterschaft im kanadischen Hamilton schonen sich einige Topfahrer. Und wer wie Ullrich und Armstrong den Schwerpunkt nur auf die Tour de France legt, regeneriert derzeit und beginnt Anfang November mit dem Training für das nächste Jahr. Trotz des Duells zwischen den Sprintern Alessandro Petacchi, der fünf Etappen gewann, und Erik Zabel, der zweimal erfolgreich war und sich am letzten Tag das Trikot des punktbesten Sprinters sicherte, fand die Vuelta in diesem Jahr so wenig Aufmerksamkeit wie selten zuvor.

Der spanische Radsport steckt in der Krise, zumindest wirtschaftlich. Zum Saisonende stellen die Sponsoren der beiden größten Teams Once und Ibanesto ihr langjähriges Engagement ein. Am ersten Ruhetag posierten Stars wie Oscar Sevilla und Vorjahressieger Aitor Gonzales sogar nackt für das Magazin „Interviu“, um auf die Krise aufmerksam zu machen. Die Fahrer fühlen sich von der Wirtschaft im Stich gelassen. Schließlich stimmt die Leistung auf der Straße nicht nur bei der Vuelta, bei der 16 der ersten 20 Fahrer in der Gesamtwertung aus Spanien kommen. An der Tour de France nahmen mehr Spanier als Franzosen teil, und noch nie gab es so viele spanische Radprofis.

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