Sport : Auf den Jubel folgt der Druck

Handball-Füchse wecken große Erwartungen

Hartmut Moheit

Berlin - Plötzlich muss Bob Hanning so richtig bewusst geworden sein, welche Erwartungen er geweckt hat. Angesichts der 3577 Zuschauer, die das Freundschaftsspiel zwischen den Füchsen Berlin und der SG Flensburg-Handewitt (23:38) mit viel Emotionen verfolgt hatten, appellierte der Manager des Zweitligisten: „Bitte, jetzt nur keinen Druck auf die Spieler aufbauen.“ Er selbst, der neue Trainer Jörn-Uwe Lommel und auch der Füchse-Präsident Frank Steffel würden sich in die Pflicht nehmen lassen, aber die Spieler, das wäre zu diesem frühen Zeitpunkt unfair.

Bestärkt wurde Hanning in seiner Meinung von Kent Harry Anderson, dem Trainer des Champions-League-Teilnehmers Flensburg, der von einem Zeitraum von „zwei bis drei Jahren“ ausging, „bevor der Füchse-Aufstieg in die Erste Liga gelingen könnte“. Der Schritt, den die Berliner in den zurückliegenden Wochen gegangen sind, sei riesengroß gewesen. „Wir mussten erst einmal professionelle Strukturen schaffen“, sagte Bob Hanning, „jetzt sollen sich die Spieler daran gewöhnen.“

Die nächsten Schritte der Füchse bis zur ersten Stunde der Wahrheit, dem Spiel im DHB-Pokal am 3. September um 18 Uhr bem SV Anhalt Bernburg, sind bereits vorgezeichnet: Dem Septana-Cup in Bad Bramstedt, wo der TSV Altenholz und möglicherweise auch Erstliga-Absteiger Post Schwerin die Gegner sind, folgt ein Trainingslager auf Schloss Liebenberg bis zum 28. August. Nichts Großes also, trotz der großen Ansprüche für die Zukunft. Doch genau das verdeutlicht das Konzept für das erste Jahr der neuen Füchse. Zunächst einmal mit erfahrenen Leuten etwas bewirken zu wollen, die nicht erst die Hände aufhalten, bevor sie eventuell mit der Arbeit beginnen. „Wir geben nicht Geld aus, das wir nicht haben“, versprach Steffel, „wir alle tragen auch ein persönliches Risiko mit.“

Das dürfte seit Freitagabend, als sich die Berliner Fans selbst an einem lauen Sommerabend nicht vom Handball abhalten ließen, etwas geringer geworden sein. Nur, ihre Fachkenntnis und auch Ungeduld darf – trotz der jahrelangen Erstliga-Abstinenz – nicht unterschätzt werden. Wohl auch deshalb ließ Bob Hanning anklingen, dass „spätestens in der zweiten Saison“ unter seiner Regie als Manager weitere Topspieler verpflichtet werden sollen. Das wäre der zweite Schritt nach dem ersten, und nicht, wie so oft fahrlässig, praktiziert umgekehrt. „Mit auf Handball versessenen Berliner Jungs die Grundlagen aufzubauen“, wie es Lommel ausdrückte, ist demnach zunächst der sicherere Weg.

Wie wertvoll aber ein hochklassiger Spieler sein kann, demonstrierte der aus Essen zu den Füchsen gewechselte Nationalspieler Christian Rose. Obwohl er nach einer Knie-Operation nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war und sich im Torewerfen auffällig zurückhielt, fiel er mit guten Anspielen auf. „Auf mir lastet natürlich Druck“, sagte er, „aber ich bin ja auch nicht bloß als Mitspieler geholt worden.“ Rose soll das Team führen, selbst Akzente setzen und auch Vorbild im Training sein. Daran wird er auch von Lommel gemessen, der seine eigene Philosophie für den Erfolg in Berlin hat: „Ich komme ursprünglich aus Siegen, bin also Siegerländer. Was kann da passieren?“

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