Auf den Punkt : Bayern - Hoffenheim: Lieber ruhmreich als neureich

Hoffenheim ist Chelsea auf deutsch-provinziell. Markus Hesselmann über das heutige Spitzenspiel der Bundesliga.

Markus Hesselmann

BerlinUmwertung aller Werte in der Bundesliga: Ich würde nie zu Bayern gehen, sangen die Toten Hosen, als unsere kleine Welt noch in Ordnung war und man sich auf den Papst, den US-Präsidenten, den DFB-Chef und den Bayern-Manager als Verantwortliche für alles Böse auf Erden einigen konnte. Uli Hoeneß war der Lieblingsfeind der aufrechten Underdogs aus Provinzstädten wie Gelsenkirchen, Düsseldorf, Dortmund, Bremen, Hamburg oder Berlin. Es muss doch langweilig sein, immer nur zu gewinnen, neenee, Bayern-Fan will ich nicht sein - so lautete unser Glaubensbekenntnis. Und jetzt: Totale Verunsicherung. Muss ich jetzt nicht eigentlich für Bayern sein? Das fragt sich der Fan am Tag vor dem Spitzenspiel zwischen dem ruhmreichen FC Bayern und der neureichen TSG 1899 Hoffenheim.

FC Bayern, forever number two? Werden die späten Nullerjahre dereinst als Beginn der 1899er-Ära gelten? Rekordmeister Hoffenheim? Da sei Uli Hoeneß vor. Er hatte jetzt genug von dem in letzter Zeit auf einmal so angesagten Gekuschel mit Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp. Zu Recht wies Hoeneß darauf hin, dass es am Ende doch die "paar Euro" des früheren SAP-Chefs sind, die das Projekt Hoffenheim nach vorn gebracht haben. Dass das bei den Bayern anders lief, dass dort zuerst der sportliche Erfolg kam und dann das große Geld, kann sich jeder selbst ergänzen, das muss Hoeneß gar nicht aussprechen.

Hoffenheim ist Chelsea auf deutsch-provinziell. Und im Vergleich mit Chelsea und anderen europäischen Klubs, wo inzwischen Tycoone, Scheichs und Oligarchen das Sagen haben, verkörpern Hoeneß und seine Münchner Kollegen den gewachsenen, gesunden Fußball-Mittelstand. Ich jedenfalls bin am Freitag für Bayern!

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