Sport : Auf den Punkt gebracht

Hertha BSC erkämpft nach schwachem Start und 0:2-Rückstand ein 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach

Stefan Hermanns

Berlin - Carlos Eduardo de Souza Floresta hat in der vergangenen Woche einige neue Erfahrungen gemacht. Am Freitag hat der Brasilianer mit dem Künstlernamen Kahe zum ersten Mal in seinem Leben Schnee gesehen, und gestern Abend im Berliner Olympiastadion erzielte der Stürmer von Borussia Mönchengladbach in seinem elften Pflichtspiel und nach 891 erfolglosen Minuten sein erstes Tor. Als nur fünf Minuten darauf Arne Friedrich, der Kapitän von Hertha BSC, den Ball zum 0:2 ins eigene Netz lenkte, sah es so aus, als würde die Krise der Berliner an Dramatik gewinnen. Doch die Tore von Yildiray Bastürk und Niko Kovac in der zweiten Halbzeit beruhigten die Gemüter wieder. Das 2:2 ist zwar weniger, als Hertha sich gegen den vermeintlichen Lieblingsgegner erwartet hatte; mehr aber, als nach dem frühen Rückstand möglich schien. „Wir haben 0:2 zurückgelegen. Das ist negativ“, sagte Verteidiger Josip Simunic. „Wir sind zurückgekommen. Das ist positiv.“

Herthas Trainer Falko Götz hatte in der Abwehr von der Vierer- auf eine Dreierkette umgestellt, mit Marko Pantelic einen zweiten Angreifer aufgeboten und den erst 18 Jahre alten Kevin Boateng anstelle von Pal Dardai ins defensive Mittelfeld geschickt. Boateng machte ein gutes Spiel, hatte von allen Beteiligten die meisten Ballkontakte. Doch nicht nur deshalb sahen die 38 438 Zuschauer eine andere Berliner Mannschaft als drei Tage zuvor beim drögen 0:0 gegen Lens. „Das war eine tolle Leistung“, sagte Manager Dieter Hoeneß. „Nur leider erst ab der 13. Minute.“ Von da an spielte Hertha entschlossener nach vorne als gegen die Franzosen; allerdings blieb den Berlinern auch nichts anderes übrig, weil Gladbach zu diesem Zeitpunkt mit zwei Angriffen bereits zwei Tore erzielt hatte. Die Berliner gingen dieses Problem jedoch sehr offensiv an und erarbeiteten sich viele Chancen. Doch vor allem Marko Pantelic ließ erneut einige Gelegenheiten ungenutzt. Zuerst streifte sein Fernschuss die Latte, dann schoss er den Ball völlig frei stehend über das Tor, und gleich nach Beginn der zweiten Halbzeit scheiterte er an Torhüter Kasey Keller.

Falko Götz bezeichnete die mangelhafte Chancenverwertung hinterher als „das größte Manko“. Bei etwas mehr Konzentration „hätten wir das Spiel sogar noch drehen können“. In der zweiten Hälfte zogen sich die Gladbacher in voller Mannschaftsstärke vor den eigenen Strafraum zurück. Hertha hatte es dadurch zwar schwer, den Ball in die Tiefe zu passen, und stellte sich oft auch zu ungeschickt an; allerdings befand sich der Gladbacher Strafraum in permanenter Belagerung. Nur einmal musste Herthas Torhüter Christian Fiedler eingreifen. Nach einer Stunde ohne aktive Teilnahme am Geschehen parierte er beim Stand von 1:2 einen Schuss von Eugen Polanski. „Weltklasse“ fand sogar Gladbachs Trainer Horst Köppel die Rettungstat. Köppel kritisierte, dass seine Mannschaft nicht entschiedener die Entscheidung suchte: „Wir haben zu schnell und zu einfach die Bälle verloren.“ In der 68. Minute unterband Kahe eine gute Kontermöglichkeit seiner Mannschaft, als er den Ball mit der Hacke weiterleiten wollte. Aus dem Gegenangriff resultierte Herthas Anschlusstreffer. El Fakiri und Ze Antonio begleiteten Yildiray Bastürk mit höflichem Abstand, sein Schuss aus 18 Metern landete präzise neben dem Pfosten. Für den Türken war es der erste Saisontreffer.

Bastürk, der in der ersten Halbzeit eine gute Chance vergab, spielte deutlich stärker als noch am Donnerstag und deutlich auffälliger als Marcelinho. Der Brasilianer hatte in 90 Minuten nur einen lichten Moment: Eine Viertelstunde vor Schluss landete sein Freistoß auf dem Kopf von Niko Kovac. Der Kroate hatte ohne Gegenspieler am Fünfmeterraum keine Schwierigkeit, den Ball zum 2:2 ins Tor zu lenken. „Die Mannschaft hat sich mit einem Punkt noch belohnt“, sagte Falko Götz.

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