Sport : Auf den Spuren von Indios im Regenwald

CLAUS VETTER

Das in Brasilien häufig gespielte Indiaca bietet Anfängern sehr schnell ErfolgserlebnisseVON CLAUS VETTER BERLIN."Schon als Kinder haben wir Indiaca gespielt." Ende der vierziger Jahre sei das gewesen, erinnert sich Heinz Karl Kraus, Bundesbeauftragter für Indiaca im Deutschen Turnerbund (DTB).Ein Stück Stoff hätten sie damals genommen, mit Sägemehl gefüllt, zusammengebunden und schließlich Hühnerfedern reingesteckt.Ähnlich hatten das auch Indios in Brasilien, im Regenwald, schon viele Jahre zuvor gemacht, dort spielten besonders Kinder ein Spiel namens "Petaka".Das gefiel dem deutschen Sportlehrer Karl Krohn so gut, daß er das Spiel 1936 in Deutschland einführte, freilich unter einem anderen Namen. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach den Anfängen in Deutschland hat sich an der Ausführung der Indiaca - so heißt auch das Sportgerät - zwar einiges geändert, die Sportart fristet aber immer noch ein Schattendasein.Dabei hat der kleine 45 Gramm schwere Lederbeutel mit den insgesamt drei als Flugstabilisatoren dienenden Federn durchaus einen gewissen Bekanntheitsgrad und wurde 1972 sogar vom Deutschen Sportbund zum "Trimmgerät des Jahres" gekürt.Nicht ohne Grund, denn gerade in den Siebzigern war die Indiaca ein beliebtes Freizeitsportgerät.Zentrales Objekt einer Modewelle, die an Stränden, Freibädern und in Parks schwappte, aber schnell wieder abebbte. Nichtsdestotrotz, das Indiaca-Spiel überlebte als Mannschaftssport, und die Spieler zogen in die Sporthallen.1980 gründete Karl Kraus den 1.Indiaca Sport-Club Reichertshausen, inzwischen gibt es ein gutes Dutzend Indiaca-Sportvereine.In der Regel sind die inzwischen knapp 20 000 aktiven Indiaca-Spieler aber in Abteilungen von Sportvereinen zu finden.Doch Indiaca weist als einziges im DTB organisiertes Turnspiel Zuwachszahlen auf. Seit einigen Jahren gelten einheitliche Spielregeln, auch bei internationalen Turnieren.Indiaca wird inzwischen in 40 Ländern gespielt und ist besonders in Japan populär.Spielweise und Regelwerk sind eng dem Volleyball angelehnt: Die Indiaca muß über ein Netz in das Feld des Gegners geschlagen werden, so daß sie dort den Boden berührt oder den Kontrahenten zu Fehlschlägen zwingt.Punkten kann aber, anders als im Volleyball, nicht nur die aufschlagende Mannschaft.Gespielt wird entweder bis ein Team 25 Punkte erreicht hat oder nach Zeit (zwei Sätze zu je zehn Minuten, wobei jeder Satz einzeln gewertet wird).Serviert werden darf nur von unten, die Indiaca nur mit einer Hand geschlagen werden.Das Spielfeld ist etwas kleiner als das Volleyballfeld (18 mal 6,10 Meter), das Netz etwas tiefer (2 bis 2,35 Meter).Fünf Spieler bilden ein Team, wobei meist Mixed-Mannschaften antreten. Vereinsmeisterschaften gab es in Deutschland bislang noch nicht.Eine dreigeteilte Bundesliga sei aber geplant, erzählt Kraus.Zur Zeit messen sich die Mannschaften noch bei verschiedenen Turnieren.So zum Beispiel beim "Indiaca-Deutschlandpokal", der unlängst im brandenburgischen Mahlow stattfand.60 Mannschaften traten in verschiedenen Kategorien an, es dominierten Teams aus Bayern, Baden und Westfalen. Im Berliner Raum steht der SV Mahlow mit seinen 27 Indiacaspielern noch allein auf weiter Flur, was Abteilungsleiter Seidel bedauert.Zu hoch seien die Reisekosten.Daher gebe man in letzter Zeit öfter Demonstrationsspiele, zuletzt in Potsdam und in der Gropiusstadt, um so mehr Leute für diesen Sport zu gewinnen. Bemühungen, die nach Meinung Seidels Erfolg haben werden, schließlich sei Indiaca ein ideales Spiel für Sporteinsteiger.Anders als etwa beim Volleyball könne der Anfänger schnell ein gutes Niveau erreichen.Der Grund liegt auf der Hand: Die stabilisierenden Federn des Spielgerätes garantieren eine gradlinige Flugbahn, bremsen zudem den Flug ab.Womit sich die Indiaca wesentlich langsamer als ein Ball bewegt. Ähnliche Vorzüge seiner Sportart sieht auch Heinz Karl Kraus.Der Funktionär setzt seine Hoffnungen auch auf eine neue Variante, die ab nächsten Sommer einen Popularitätsschub bringen soll: "Beach-Indiaca" - so lautet 50 Jahre nach dem Sägemehl und den Hühnerfedern das vielleicht zukunftsträchtige Zauberwort. (Informationen zu dieser Sportart gibt es unter der Telefonnummer 03379/375405).

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