Sport : Auf den Weg gemacht

Michael Ballack spricht erstmals von einem Wechsel zum FC Chelsea

Mathias Klappenbach[Hamburg]

Uli Hoeneß kennt sich aus in der großen weiten Welt. Der Manager des FC Bayern stand nach dem 3:0-Erfolg seiner Mannschaft im Halbfinale des DFB-Pokals am späten Mittwochabend mit einem Schal des FC St. Pauli am Millerntor und parlierte über internationale Wechselkurse. Auf Anhieb konnte er die britische Währung bis auf zwei Stellen hinter dem Komma umrechnen: „Ein Euro ist gleich 0,69 Pfund.“

Uli Hoeneß muss sich auskennen mit der großen weiten Welt. Denn den Star seines Vereins, Michael Ballack, zieht es hinaus aus der bayerischen Beschaulichkeit. Der Mittelfeldspieler selbst stellte am Abend nach dem Halbfinale die Biografie „Ballack – Sein Weg“ vor und sprach dabei erstmals öffentlich davon, wohin ihn dieser führen wird. Er stehe in „ernsthaften Verhandlungen“ mit Chelsea. „Es ist noch nichts unterschrieben, aber ich weiß, was ich will“, sagte Ballack. In Gesprächen mit Chelseas Trainer José Mourinho sei „ein gutes Gefühl“ entstanden. Hoeneß kann sich nun genau ausrechnen, wie viel Geld Ballack nach der Weltmeisterschaft beim FC Chelsea verdienen wird. Von sieben Millionen Pfund pro Jahr ist die Rede.

Seine Entscheidung will der umworbene Fußballstar noch vor Beginn der Weltmeisterschaft verkünden. Zu den Motiven, den FC Bayern zu verlassen, sagte Ballack, dass er schon immer einmal im Ausland spielen wollte. Dass er beim FC Chelsea mehr als beim FC Bayern verdienen könne, sei nicht allein entscheidend gewesen. Uli Hoeneß hatte in einem Interview mit dem „Kicker“ gesagt, dass „es Michael nicht darum ging, eine neue Sprache oder eine neue Kultur kennen zu lernen, sondern eine neue Währung“. Wegen dieser Äußerung war Hoeneß auch nach dem Wechselkurs des britischen Pfunds befragt worden. Dieser Satz ist laut Hoeneß aber nur „herausgepickt“ worden. Er habe „überhaupt keine Probleme“ mit dem anstehenden Wechsel von Ballack, meinte Hoeneß nun.

Vor dem Pokalspiel bei St. Pauli schien es fast so, als sollte es langsam zu einer Belastung für den FC Bayern werden, dass Ballack seinen neuen Verein immer noch nicht offiziell bekannt geben wollte. Die Münchner spielten in der Bundesliga unentschieden gegen Köln und verloren in Bremen. Der sichere Vorsprung gegenüber dem Hamburger SV ist auf vier Punkte zusammengeschmolzen. Ballack gab in den vergangenen Wochen auf dem Spielfeld nur durchschnittliche Vorstellungen. Seit fünf Bundesligaspielen hat er kein Tor mehr geschossen, so lange musste er in dieser Saison vorher nie auf einen Treffer warten. Beim rastlos kämpfenden FC St. Pauli überzeugte Ballack erneut nicht. Auch er konnte nicht verhindern, dass sich der FC Bayern in der zweiten Halbzeit über weite Strecken nur mit Befreiungsschlägen zu helfen wusste. Die Münchner zogen nach Treffern von Owen Hargreaves und Claudio Pizarro (2) trotzdem ins Finale ein. Michael Ballack kann besonders froh darüber sein. Denn bei einer Niederlage gegen St. Pauli wären seine Führungsqualitäten womöglich erstmals zu einem ernsten Thema geworden.

Dieser Diskussion ist Ballack nun entgangen, und mit den Äußerungen zu seinem Wechsel gilt auch der Vorwurf der Belastung durch die unklare Vertragssituation nicht mehr. Die Münchner können sich darauf konzentrieren, Pokalsieger und Meister zu werden. Und Ballack danach auf höhere Aufgaben. Seine Bilanz der vier Jahre in München klingt nicht gerade euphorisch: „National haben wir für Schlagzeilen gesorgt. Aber der ganz große Erfolg ist ausgeblieben.“ Diesen will Michael Ballack nun in der großen weiten Welt suchen.

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