Auf der Bank : Kapitän am Rand

Beim 4:1-Sieg in Aachen stand Marco Gebhardt erstmals nicht in der Startformation des 1. FC Union. In der Mannschaft wurde die Zurücksetzung der zuletzt wenig überzeugenden Routiniers unterschiedlich aufgenommen.

Matthias Koch
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Später Start. In Aachen kam Gebhardt (Mitte) erst 13 Minuten vor Schluss aufs Feld.Foto: Koch

Die Alte Försterei zeigte sich von ihrer schönsten herbstlichen Seite. Immer wieder segelten gelbbraune Blätter sanft auf den Trainingsplatz des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union herab, als die Mannschaft sich am Montagvormittag den 4:1-Erfolg bei Alemannia Aachen aus den Beinen lief. Unions Sportdirektor Christian Beeck beobachte mit Genugtuung das Training der Reservisten. „Was doch ein Sieg so alles ausmacht. Die Jungs könnten noch zwei Stunden weiter machen“, sagte Beeck.

Zur Gruppe der sieben Ersatzkicker, die im Gegensatz zu den Stammspielern eine volle Einheit absolvierten, gehörten auch Mittelfeldspieler Marco Gebhardt und Verteidiger Michael Bemben. Erstmals in dieser Saison hatte das Duo in Aachen nicht zur Startformation gezählt. Für sie waren am Sonntag Bernd Rauw und Michael Parensen aufgelaufen. „Der Trainer hat mir am Freitag gesagt, dass er beim Spiel gegen Fürth mit meiner Leistung nicht zufrieden war“, sagte Gebhardt nach seiner Extraschicht. „Da wir in einer Leistungsgesellschaft leben, ist das völlig in Ordnung. Ob du nun Kapitän bist oder nicht.“ Mit seinen 37 Jahren hat Gebhardt schon viel erlebt. Sein Auftreten und seine Aussagen wirken sehr professionell, auch wenn ihm die Bankrolle überhaupt nicht passt. „Es wäre schlimm, wenn es nicht so wäre“, sagte Gebhardt. „Aber wir haben gewonnen. Der Trainer hat alles richtig gemacht. Jetzt geht es Freitag gegen den FSV Frankfurt weiter.“

In der Mannschaft wurde die Zurücksetzung der zuletzt wenig überzeugenden Routiniers unterschiedlich aufgenommen. „Ich war überrascht“, sagte Mittelfeldspieler Hüzeyfe Dogan. „Aber der Trainer will das Beste für die Mannschaft. Dann kennt er keine Namen. Das zeigt, dass sich niemand Fehler erlauben kann.“ Torsten Mattuschka, der ebenfalls im Mittelfeld spielt, verweist auf den Fußball als Geschäft. „Marco und Micha werden sich nicht hängen lassen. Die wissen, dass sie besser spielen können. Außerdem helfen sie uns durch ihre Erfahrung, auch wenn sie nicht spielen.“

Trainer Uwe Neuhaus hatte zuletzt meist ein gutes Händchen bei seinen Aufstellungen oder Einwechslungen. Die Kapitänswahl in dieser Saison verlief bislang aber weniger glücklich. Daniel Schulz setzte Neuhaus wenige Tage vor dem Saisonstart ab, weil ein Stammplatz für den lange verletzten Verteidiger unerreichbar schien. Nachfolger Marco Gebhardt wurde in dieser Saison neun Mal aus- und nun in Aachen eingewechselt, bislang konnte er noch nicht an seine starke Drittligasaison anknüpfen.

Gebhardts Vertreter Macchambes Younga-Mouhani kassierte in Aachen jedoch seine fünfte Verwarnung wegen Meckerns. Falls Gebhardt gegen den FSV Frankfurt trotzdem nicht wieder in die Startelf zurückkehrt, könnte es gemäß der Altersreihenfolge im Mannschaftsrat mit Daniel Göhlert Spielführer Nummer vier geben. Solange die Köpenicker weiter punkten, dürfte Uwe Neuhaus mit diesem Problem aber sicher leben können.

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