Sport : Auf der eigenen Welle

Duisburgs Frauen besiegen Jena vor 26 000 Fans beim Pokalfinale in Köln

von

Für die Verkündung der krönenden Zahl wartet der Stadionsprecher einen ruhigen Moment ab. Der Ball kullert gerade in sicherer Entfernung zum Tor des USV Jena von einem Duisburger Fußballerinnenbein zum nächsten, als die Nummer zum Fest offiziell ausgerufen wird. „26 282 Zuschauer – Europarekord“, gibt der Mann am Mikrofon bekannt. Das muntere Volk auf den Rängen applaudiert sich selbst – und mit der frischen Bestmarke für Vereinsspiele auf nationaler Ebene startet das optimistische Publikum in der halbvollen Kölner WM-Arena kurz darauf gar die La Ola.

Zehn Minuten lang wandert die Welle mit erstaunlicher Geschwindigkeit durch das Stadion – und spätestens da war sich Martina Voss-Tecklenburg sicher: „Das war eine Riesenstimmung.“ Dass ihre Duisburgerinnen das Pokalendspiel gegen den krassen Außenseiter aus Thüringen durch ein Kopfballtor von Nationalverteidigerin Annike Krahn kurz nach der Halbzeitpause knapp, aber verdient 1:0 (0:0) gewannen, rundete den Nachmittag für die FCR-Trainerin fein ab.

Am ersten warmen Tag im Rheinland hatten die Kölner schon am Vormittag eines ihrer Volksfeste gestartet. Als aufmerksame Beobachterin mit dabei war auch Hannelore Ratzeburg – und wenn es allein nach der DFB-Vizepräsidentin ginge, wäre Köln das Pokalfinale der Frauen für die nächsten Jahrzehnte sicher. „Wir wussten ja, dass Köln eine fußballverrückte Stadt ist. Aber das hätten wir nicht für möglich gehalten“, jubelte die Verbandsfunktionärin, nachdem die Konfettikanonen ihren glitzernden Inhalt über den Duisburger Fußballerinnen abgefeuert hatten und der neue, elf Kilo schwere Pokal lange genug durch die Reihen der Siegerinnen gewandert war.

Das erste eigenständige DFB-FrauenFinale seit 1983 war zumindest emotional ein Erfolg. Für das nächste Jahr, wenn das Frauen-Endspiel wegen der WM im Sommer schon im März ausgetragen wird, steht Köln bereits wieder als Austragungsort fest. Aber auch für ihren unverhohlenen Plan, dauerhaft zum Berlin für die Frau zu werden, hat die Stadt Köln nun beste Chancen.

Dafür dürfte nicht zuletzt Jenas Torhüterin Jana Burmeister plädieren. Mit einem halben Dutzend Glanzparaden trieb die Keeperin der deutschen U 23 die Duisburger Offensive zur Verzweiflung – und das vor den Augen von Bundestrainerin Silvia Neid. „Jana hatte heute tausend Hände“, fand nicht nur USV-Trainerin Heidi Vater. Burmeister selbst wippte derweil vor einer kleinen Medienschar unaufhörlich auf den Füßen („Ich genieße das, mit so vielen Männern um mich herum“) und lobte sich: „Das war das Spiel meines Lebens.“ Die vielen Zuschauer, sagte sie noch, habe sie „gar nicht bemerkt“. Da war sie eine von wenigen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar