Sport : Auf der Liste

Jan Ullrich und Ivan Basso werden im Dopingskandal verdächtigt – Ausschluss von der Tour möglich?

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Madrid/Strassburg - Der am Samstag beginnenden Tour de France droht der Verlust ihrer Superstars. Die 93. Auflage muss möglicherweise ohne die Favoriten Jan Ullrich und Ivan Basso gestartet werden. Nach Informationen des spanischen Radiosenders Cadena Ser vom Donnerstag tauchen die Namen des T-Mobile-Kapitäns und des Gewinners des Giro d’Italia im polizeilichen Ermittlungsbericht zur Doping-Affäre auf. „Ich beteure nochmals meine Unschuld. Ich habe damit nichts zu tun“, wiederholte Ullrich, der am Mittwoch gesagt hatte: „Ich habe noch nie in meiner Karriere betrogen“.

Auch die Vorwürfe der spanischen Zeitung „El País“, wies Ullrich nachdrücklich zurück: „Ich habe mit den Spekulationen einer spanischen Tageszeitung nichts zu tun. Ich habe einen Anwalt eingeschaltet.“ Unter Berufung auf den Bericht hatte „El País“ auch Ullrich und seinen Betreuer Rudy Pevenage in Zusammenhang mit der Doping-Affäre gebracht. Die beiden Ärzte Eufemiano Fuentes und José Luis Merino Batres sollen Sportler in großem Stil mit präparierten Blutkonserven und anderen verbotenen Mitteln versorgt haben. Auf sichergestellten Blutbeuteln war die Aufschrift „JAN“ und in Unterlagen der Code „Hijo Rudicio“ (Rudis Sohn) gefunden worden. Die Ermittler schließen laut „El País“ aber nicht aus, dass es sich bei „JAN“ auch „um einen anderen Jan“ handeln könnte.

Nachdem der Ermittlungsrichter die Informationssperre aufgehoben hatte, wurden gestern 12 Fahrernamen genannt. Davon stehen neben Ullrich und Basso folgende Profis in der Starterliste der Tour: Ullrichs Teamkollege Oscar Sevilla, Francesco Mancebo, Juan-Antonio Flecha, Joseba Beloki, Giovanni Lombardi und Denis Mentschow. Auch die Namen der derzeit wegen Dopingvergehen gesperrten Tyler Hamilton und Roberto Heras sind auf der Liste zu finden, ebenso der des von seinem Team Phonak suspendierten Santiago Botero.

„Wir haben nach diesen Informationen noch ein Mal mit Ullrich und Sevilla geredet, und sie haben uns erneut bestätigt, nicht in die Affäre verwickelt zu sein. Wir unternehmen alles, um in diese Sache Licht zu bringen“, sagte T-Mobile-Kommunikationschef Christian Frommert. In dem 500 Seiten starken Bericht der Guardia Civil sind laut „El País“ auch die gegen die Fahrer vorliegenden Indizien aufgelistet. T-Mobile hat die Liste am Donnerstag angefordert.

Kurz bevor bekannt wurde, dass auch sein Teamkapitän Basso verwickelt sei, sagte CSC-Fahrer Jens Voigt: „Zieht sie raus und werft sie auf den Scheiterhaufen. Anscheinend ist das eine größere Geschichte als der Festina-Skandal von 1998. Ich hätte nicht geglaubt, dass so eine große Sache jahrelang illegal funktioniert. Da kann was Schlimmes auf uns zukommen.“

Der Weltverband UCI verlangte inzwischen von allen Tourstartern eine Ehrenerklärung, nicht in den spanischen Doping-Skandal verwickelt zu sein. Fahrer, die diese Erklärung nicht unterschreiben, würden durch andere ersetzt. Sollten falsche Erklärungen abgegeben werden, drohen laut UCI Geldstrafen und Tour-Ausschluss.

Als erster Fahrer der am Samstag beginnenden Tour stellte sich bereits am Mittwoch der Kasache Alexander Winokurow vom Astana-Würth-Team in Straßburg einem Urin-Dopingtest. „Ich habe volles Vertrauen zum Schiedsgericht und hoffe, am Samstag beim Start der Tour dabei zu sein“, sagte er. „Es gibt keinen Beweis gegen unsere Mannschaft.“ Am Montag hatten die Organisatoren des Radrennens das Astana-Team wegen der spanischen Doping-Affäre von der Tour de France ausgeladen, weil gleich 15 Fahrer des Teams verwickelt sein sollen. Die Mannschaft bestand aber auf ihrem formellen Startrecht und hat gestern Abend vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas in Lausanne Recht bekommen, weil keine offiziellen Informationen spanischer Behörden zur Verwicklung des Teams vorlägen.

Gleiches gilt zum jetzigen Zeitpunkt auch für die verdächtigten Fahrer. Die Direktion der Tour könnte auch sie ausladen, ohne Beweise wird ihnen der Weltverband aber kaum das Startrecht entziehen. Allerdings gibt es in den Statuten einen Passus, der besagt, dass auch ohne Beweise ausgeschlossen werden kann, wer das Image beschädigt. dpa/Tsp

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