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Hertha BSC gewinnt mit starkem Fredi Bobic 3:0 gegen Kaiserslautern und verlässt die Abstiegsplätze

Klaus Rocca

Berlin. Es war einer jener Erfolgsmomente, die Stürmer in der Regel nicht haben. Fredi Bobic hatte gerade zum zweiten Male in höchster Not den Ball von der Linie des eigenen Tores geschlagen. Ein breites Grinsen erschien auf seinem Gesicht. Diese Rettungstat, von seinen Mitspielern gebührend gelobt, passte ins Bild. Bobic, der viel Geschmähte, der zuletzt von seinem Trainer höchstens eingewechselt und dem zuletzt in Gladbach nicht einmal das vergönnt war, hatte endlich wieder einen großen Fußballnachmittag. An zwei Toren hatte er Anteil, das dritte erzielte er selbst – Fredi Bobic erlebte gewissermaßen eine Renaissance. „Er hat sehr gut gespielt und ein wunderschönes Tor gemacht“, lobte Hans Meyer, dem mancher Beobachter schon vorgeworfen hatte, er habe etwas gegen Bobic. Nun gewann Hertha BSC das Abstiegsduell mit dem 1. FC Kaiserslautern 3:0 (3:0) und verließ erstmals seit Februar wieder die Abstiegsränge – dank Fredi Bobic.

Wohltuend zurückhaltend verhielten sich die Verantwortlichen nach diesem für sie so erfreulichen Spiel. „Das war ein wichtiger Sieg, aber fürs Zurücklehnen besteht kein Grund“, sagte Meyer. Manager Dieter Hoeneß gab sich ähnlich bescheiden: „Wir haben nur einen Punkt mehr als die Lauterer – und die haben in den letzten vier Spielen noch dreimal Heimrecht.“ Und ein wenig dämpfte die Freude auch der Blick auf den kommenden Sonntag: Da muss Hertha beim FC Schalke auf seine Nationalspieler Bobic und Arne Friedrich verzichten. Sie sahen gestern beide ihre fünfte Gelbe Karte.

Vielleicht holte sie sich Bobic gestern absichtlich ab, denn für seinen Griff ans Trikot von Nenad Bjelica gab es keine Notwendigkeit. Bobic nahm die Verwarnung gelassen. Seine gute Laune konnte sie nicht trüben. Dass Herthas Hauptsponsor seinen Werbespruch „Hier bin ich richtig“ auf die Trikots hatte flocken lassen, passte besonders zu Bobics Auftritt. Von Anfang an dabei, rechtfertigte er seinen Einsatz höchst eindrucksvoll. Erst holte er den Freistoß heraus, den Marcelinho in seiner unnachahmlichen Art schon in der zweiten Minute direkt verwandeln konnte. Dann legte er, allerdings wohl eher unfreiwillig, Artur Wichniarek den Ball aus dem Gewühl heraus zum 2:0 vor. Und schließlich köpfte er nach präziser Flanke von Arne Friedrich den Ball wuchtig zum Endstand ins Netz.

Für Marcelinho war es das sechste Saisontor, für Bobic das fünfte, für Wichniarek das erste. Der Pole war neben Bobic der Gewinner des Nachmittags. Lange hatte es das bei Hertha nicht mehr gegeben: Beide Stürmer trafen. „Ich werde den polnischen Nationaltrainer anrufen“, frotzelte Meyer. Er könnte auch den brasilianischen anrufen. Marcelinho bot, nicht nur seines sehenswerten Tores wegen, endlich einmal wieder eine starke Partie.

Von einem Spieler der Lauterer konnte man das nicht behaupten. „Das war brotlose Fußballkunst“, sagte Trainer Kurt Jara. „Nach dem 3:0 waren meine Spieler nur noch auf Schadensbegrenzung aus. Vielleicht brauchen sie immer das Messer am Hals.“ Sollte er gemeint haben, sie brauchten Druck, dann müsste der gestern eigentlich reichlich vorhanden gewesen sein. Vielleicht war der Druck zu groß. Vor der Pause sprang lediglich ein irreguläres Tor heraus, das Mannschaftskapitän Aleksander Knavs per Hand erzielt hatte. Später überboten sich die Pfälzer an Unvermögen beim Torschuss. Bezeichnend war, wie der von Hertha angeblich mit einem Blumenstrauß umworbene Vratislav Lokvenc aus guter Position den Ball hoch übers Tor schoss. „Ich hatte nie Sorgen, dass da noch was anbrennen könnte“, sagte Meyer und durfte sich damit in guter Gesellschaft befunden haben.

Für die Hertha-Fans unter den 45 000 Zuschauern war ohnehin schon früh alles gelaufen. „Nie mehr Zweite Liga“, sangen sie, höhnten fast im selben Atemzug „Zweite Liga – Lautern ist dabei.“ Und nach langer Zeit schwappte mal wieder die La Ola durchs Olympiastadion. Die Freude war angesichts des souveränen Siegs auch ohne Stammspieler wie Reina, van Burik und Rafael verständlich. Allerdings präsentierten sich die von rund 500 bemitleidenswerten Fans begleiteten Lauterer auch wie Absteiger. Immerhin, gegen ähnlich schwache Teams hat sich Hertha in Heimspielen schon wesentlich ungeschickter angestellt. Nicht nur deshalb war es für Arne Friedrich „ein Sieg für die Moral“.

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