Sport : Auf der Suche nach der Action

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Berlin (chh). Jetzt bleiben auch noch die Zuschauer weg. Für 120 000 wäre Platz, gerade einmal 17 500 Karten hatte der Veranstalter bis Mitte dieser Woche für den Lauf der Deutschen Tourenwagen-Masters auf dem Lausitzring am Sonntag (Beginn: 12 Uhr 55) abgesetzt. Dabei ist der neben dem noch immer nicht gesicherten Gastspiel der amerikanischen Champcar-Serie der Saisonhöhepunkt auf dem Eurospeedway. Sicher spielt das laufende Insolvenzverfahren eine Rolle, doch Gründe für den Zuschauerschwund findet man auch bei der Strecke. Bei ihrer Eröffnung war sie in ihrer Mischung aus einem in den USA üblichen Ovalkurs und europäischem Straßenkurs ein Novum. Und die Zuschauer konnten von fast allen Plätzen aus die komplette Strecke einsehen – ein Traum für jeden Fan.

Aber was nützt die beste Sicht, wenn kaum Überholmanöver zu beobachten sind? Selbst die überholfreudigen DTM-Autos haben mit Positionswechseln auf dem Lausitzring Probleme: Bei der Konzeption des Kurses hat man darauf zu wenig geachtet.

Nun versucht man, den Zuschauern mehr Action zu bieten. Am Montag, wenn die Fans schon abgereist sind, werden noch mal zwei Autos auf die Strecke gehen. „Wir testen, ob man mit einem DTM-Auto die Kurve 1 fahren kann“, sagt Opel-Pilot Manuel Reuter. Je ein Wagen von Mercedes und Opel wird dann die erste überhöhte Ovalkurve nach dem Start durchfahren, statt wie im Rennen nach links in das langsame Kurvengeschlängel abzubiegen. Zwar wird auf dem Lausitzring am Rundenende bereits eine Steilkurve befahren, jedoch in der Beschleunigungsphase, in der die Wagen noch längst nicht ihre volle Geschwindigkeit erreicht haben.

Beim Test wird die Kurve 1, die sonst nur die Champcars nutzen, dagegen mit der Höchstgeschwindigkeit von 260 km/h durchfahren. „Wir müssen schauen, ob die Reifen das aushalten“, meint Reuter, „denn die sind nicht für solche Belastungen konzipiert.“ Wenn sie halten, könnte die neue Streckenführung, von der man sich mehr Überholmanöver verspricht, nächstes Jahr eingesetzt werden. Diesmal hat man trotz Genehmigung des Deutschen Motorsport-Bundes aus Sicherheitsgründen noch darauf verzichtet.

Denn die Betonmauern stehen in der Steilkurve direkt an der Strecke, Auslaufzonen gibt es nicht. Auch das Ende der Boxengasse würde hinter den Linksknick verlegt. Zwar ist Reuter auch mit der jetzigen Lösung nicht zufrieden, „weil wir bei der Ausfahrt die Wagen auf der Strecke nicht sehen“. Doch der Unfall beim letzten Champcar-Rennen, bei dem Alex Zanardi nach einem Boxenstopp beide Beine verlor, hat gezeigt, dass auch die andere Ausfahrt ihre Tücken hat.

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