Sport : Auf der Suche nach der alten Zeit

Helen Ruwald

Die Kampfansage folgte unmittelbar nach der Niederlage. Trotzig stand Marko Pesic auf dem Spielfeld in der Max-Schmeling-Halle und versprach den Fans über das Hallenmikrofon: "Wir werden Deutscher Meister." Im November war das, Pesic junior hatte gerade mit Alba Berlin gegen Rhein Energy Cologne und gegen Pesic senior 76:85 verloren. Alba, der fünfmalige Meister, war geschlagen. Geschlagen vom eigenen Lehrmeister, von Marko Pesics Vater Svetislav, der als Trainer die Marke Alba kreiert hatte. Und der nun als Kölner Trainer den Sturz seiner ehemaligen Mannschaft anstrebt.

Für Rhein Energy war der Sieg in Berlin der Durchbruch auf dem Weg an die Tabellenspitze, für Alba der Tiefpunkt nach einem völlig verkorksten Saisonstart. Nach dem Spiel schien es, als würde die Ära Alba im deutschen Basketball dem Ende entgegengehen - und eine andere Ära beginnen. Heute wird sich zeigen, ob sich die Hierarchie tatsächlich dauerhaft verschoben hat. Dann treten die Berliner zum Rückspiel in Köln an. Sie haben sich längst gefangen, sind Tabellendritter - und können bei einem Sieg fünf Spieltage vor Beginn der Play-offs bis auf zwei Punkte an Spitzenreiter Köln heranrücken. Sogar der erste Platz, der Heimrecht in den Play-offs garantiert, wäre wieder drin. "Wir müssen die Klasse haben, um so ein Spiel zu gewinnen, auch auswärts" sagt Marko Pesic. Die Chance sieht er nicht trotz, sondern wegen des mühsamen Sieges gegen Bamberg nach hoher Führung am vergangenen Wochenende. "Vor fünf Wochen hätten wir das Spiel noch verloren", sagt Pesic. Doch das in den Monaten zuvor abhanden gekommene Selbstbewusstsein war wieder da - Alba gewann nach Verlängerung.

Für Kapitän Henrik Rödl ist heute "nicht der Tag der Revanche, sondern der Tag der Wahrheit". Vielmehr ein Tag der Wahrheit. Nach fünf Pflichtsiegen in Folge in Oldenburg, Hagen, Trier, Braunschweig und gegen Bamberg trifft Alba in den kommenden drei Wochen neben Aufsteiger Tübingen ausschließlich auf Topteams: beim Ersten Köln spielen die Berliner, in Bonn (Vierter), gegen Frankfurt (Zweiter), Leverkusen (Fünfter) und Gießen (Sechster). Gegen Leverkusen kommt es sogar zu zwei Duellen, im Pokal-Viertelfinale und in der Bundesliga.

Eine wichtige Rolle wird heute Dejan Koturovic spielen, Albas genesener Center. Gegen Bamberg fehlte er wegen einer Grippe, George Zidek konnte ihn nach viermonatiger Verletzungspause nicht ersetzen. Koturovic war zu Saisonbeginn suspendiert worden, Alba hatte ihn zurückgeholt, um den drohenden Niedergang abzuwenden. Im November war das - nach der Niederlage gegen Köln.

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