Sport : Auf der Suche nach der gewonnenen Zeit

Die Eisbären haben vor dem Play-off-Halbfinale neun Tage Pause – nun dürfen sie die Konzentration nicht verlieren

Claus Vetter

Düsseldorf. An der Brehmstraße war Großreinemachen angesagt. In jeder Hinsicht. Vor dem betagten Düsseldorfer Eisstadion wurde am späten Dienstagabend ausgiebig gefegt, galt es doch nicht nur die Spuren eines Spieles, sondern einer ganzen Saison zu beseitigen. Im Inneren der Halle feierten derweil die Fans der DEG ihre Lieblinge nach ihrem letzten Viertelfinalspiel gegen die Eisbären. Und ein paar Meter weiter geriet ein Trainer in Erklärungsnot. Vier Spiele gegen Berlin, vier Niederlagen – das war wenig, erst recht in der Eishockey-Stadt Düsseldorf. Michael Komma suchte im Moment der Niederlage Verbündete und der Trainer glaubte, sie in den Anhängern gefunden zu haben. „Die Fans feiern die Mannschaft, sie haben gemerkt, dass wir nie aufgegeben haben, unsere Fans verstehen etwas vom Eishockey. Wir haben uns teuer verkauft, so wie ich es versprochen hatte.“

Komma hatte vielleicht doch den ein oder anderen Erfolg gegen die Eisbären in Aussicht gestellt, vorsichtig zwar, aber auch voreilig: Die Berliner waren ihrem Gegner in allen vier Spielen der nach dem Modus „Best of seven“ ausgetragenen Viertelfinal-Serie in spielerischer, taktischer und läuferischer Hinsicht überlegen – und stehen nun zurecht im Halbfinale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft. So sieht es auch Pierre Pagé. „Wir spielen viel, viel besser als noch im Januar oder Februar“, sagt der Trainer der Eisbären. Die Gründe dafür seien einfach. „Endlich haben wir mal fast keine verletzten Spieler und endlich stimmt bei uns die Konzentration.“ Vor allem in dieser Hinsicht wirken die Eisbären derzeit gefestigter als vor einem Jahr, als für den Favoriten im Halbfinale gegen Außenseiter Krefeld die Saison beendet war. Die Berliner konnten sich in der Serie gegen Düsseldorf stets aus kritischen Situationen befreien. Und davon gab es einige, auch noch beim schließlich letzten Spiel. Fast hätten die Eisbären noch ihre Führung verspielt, allerdings nur fast: Die DEG kam in einem hektischen Schlussdrittel nur noch zu einem Tor, die Berliner retteten ihr 3:2 über die Zeit. Und das war, so fand ihr gut aufgelegter Torhüter, nicht so kompliziert wie es aussah. „Ich hatte nie das Gefühl, dass Düsseldorf noch den Ausgleich schießt“, sagte Rich Parent. Ähnlicher Ansicht war sein Kollege David Roberts. „Niemand hat von uns in irgendeiner Situation Angst vor dem Gegner gehabt“, sagte der Stürmer. „Wenn du als Spieler anfängst so zu denken, dann hast du verloren.“ Und dann fügte Roberts lächelnd hinzu: „Es ist natürlich möglich, dass auf der Auswechselbank jemand nervös geworden ist.“

Damit meinte Roberts natürlich seinen Trainer. Dass sich Pagé hier und da mal ein wenig um die Verfassung seiner Spieler sorgt, ist nachvollziehbar. Die Berliner haben bislang als einzige Mannschaft das Halbfinale erreicht. Ein Gegner wird noch gesucht (siehe Kasten rechts oben), nur der Termin steht schon fest: Freitag kommender Woche starten die Eisbären mit einem Heimspiel in die nach dem Modus „Best of five“ gespielte Halbfinalserie. Bleibt viel Zeit bis dahin: Zum Trainieren und vielleicht auch zum Ausspannen? Von letzterem nicht zu viel, findet Pagé. Drei freie Tage müssen reichen. Einer davon war gestern, der andere ist heute, der letzte ist am Montag. So ganz wohl ist dem Trainer angesichts der unverhofft langen Auszeit nicht: „Neun Tage Pause, das ist vielleicht ein wenig zu viel.“ Seine Spieler sind anderer Meinung. „Alle können nun ihre Blessuren auskurieren“, sagt Roberts. „ Keiner wird die Sache in der freien Zeit zu leicht nehmen.“ Einen Wunschgegner für das Halbfinale habe man auch nicht, sagt der US-Amerikaner. „Wir müssen uns mit uns selbst beschäftigen, die Konzentration hoch halten.“

Vom eigentlichen Ziel der Eisbären sprach Roberts am Dienstagabend nicht. Schließlich soll das Halbfinale diesmal nur Durchgangsstation sein. So sahen es auch einige unter den Zuschauern an der Düsseldorfer Brehmstraße. Zum Beispiel der ehemalige Nationalspieler Dieter Hegen. „Ich lege mich fest“, sagte Hegen, „die Berliner erreichen das Endspiel.“ Und vielleicht ja sogar noch etwas mehr. Die guten Auftritte der Eisbären gegen die Düsseldorfer EG lassen zumindest diese Hoffnung zu.

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