Sport : Auf der Suche nach der Leichtigkeit

Werder Bremen gehen die Kräfte aus

Steffen Hudemann[Bremen]

Thomas Schaaf musste weit zurück denken, ehe er ein Spiel fand, in dem seine Mannschaft ähnlich schwach gespielt hatte wie an diesem Samstag. An das 2:6 gegen Leverkusen erinnere ihn die Niederlage gegen Hertha BSC, sagte der Trainer von Werder Bremen. Nach jenem Spiel gegen Leverkusen im Mai 2004 hatten die Bremer die Meisterschale überreicht bekommen. Damals ließ sich die Niederlage damit erklären, dass Werder sich eine Woche zuvor in München den Titel gesichert hatte. Dass die Spieler am Samstag darauf mit Augenringen über den Platz schlichen, war nachvollziehbar.

Die Ausrede des übermäßigen Feierns griff dieses Mal nicht, denn danach war nach dem 1:2 in Turin wahrlich keinem Bremer zumute gewesen. „Was wir heute abgeliefert haben, war eine Unverschämtheit“, sagte Torsten Frings. Das war durchaus als Selbstkritik zu verstehen, denn Frings’ eigene Leistung erinnerte eher an das 1:4 in Florenz mit der Nationalelf als an das achtbare 1:2 in Turin. „Platt“, seien sie gewesen, sagte Frings, und „psychisch nicht stark genug“. Vielleicht lag es tatsächlich an der fehlenden Kraftzufuhr, dass die Bremer Maschinerie gegen die aggressiven Berliner gar nicht erst ins Rollen kam. Auch Werder ist kein Perpetuum Mobile, und nicht nur Patrick Owomoyela sehnte sich sichtlich nach dem heimischen Sofa, als er nach dem Spiel geduldig die Fragen der Reporter beantwortete: „Die letzten vier Wochen waren einfach zu viel.“

Das Spiel gegen Turin hatte schon in der Aufstellung Spuren hinterlassen. Frank Baumann saß mit einem Bänderanriss auf der Tribüne, während Johan Micoud sich noch vor der Halbzeit wegen einer Muskelverhärtung auswechseln ließ. Der Ausfall dieser Fixpunkte in der Mittelfeldraute legte ein grundsätzliches Defizit offen. Abgesehen vom Sturm ist die Mannschaft auf der Bank zu schwach besetzt. Die Ersatzleute Daniel Jensen und besonders Jurica Vranjes wirkten das gesamte Spiel über wie Fremdkörper.

Die Meisterschaft ist nun in unerreichbare Ferne gerückt. Stattdessen blieb die Sorge, dass die Form vom Samstag sich fortsetzen könnte. „Ich hoffe nicht, dass sich das wie ein roter Faden durch die nächsten Spiele zieht“, sagte Owomoyela. Schon im vergangenen Jahr waren die Bremer nach dem Aus gegen Lyon auch in der Bundesliga in eine Formkrise gestürzt und hatten nur mit viel Glück noch Platz drei erreicht. Frings wollte auch gar nicht bestreiten, dass „das Spiel in Turin noch in den Köpfen war“. Trainer Schaaf steht nun vor der schwierigen Aufgabe, jene Leichtigkeit wieder zu erwecken, die das Bremer Spiel bisher ausgezeichnet hat. Seine erste Maßnahme stellte sicher, dass die Ausrede der fehlenden Kraft kommende Woche in Nürnberg nicht mehr zählt. Schaaf gab der Mannschaft für Sonntag und Montag trainingsfrei.

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