Sport : Auf deutschen Plätzen zu Hause

Herthas Rafael hat zwei Wochen nach seiner Einbürgerung für die U21 gespielt

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Nando Rafael hat einen festen Händedruck. Er lässt die Hand seines Gegenübers für ein paar Sekunden nicht los, er schaut ihm dabei in die Augen. Auch seine Aussagen sind deutlich. „Es ist eine Ehre, für Deutschland spielen zu dürfen“, sagt der 21-Jährige. Der Fußballprofi von Hertha BSC ist gerade von seinen ersten beiden Einsätzen für die deutsche U21-Nationalmannschaft zurückgekehrt. Besonders lange hat er gegen Aserbaidschan und England nicht gespielt, Rafael wurde jeweils in der zweiten Halbzeit eingewechselt. Doch das ist ihm egal. Der Stürmer sagt: „Das hat mir Kraft gegeben und Selbstvertrauen.“

Er versteht die Kurzeinsätze als einen weiteren Schritt in seiner Karriere. Nur zwei Wochen nach seiner Einbürgerung hat Rafael bereits die ersten Einsätze für sein neues fußballerisches Heimatland bestritten. Dabei hätte er auch für andere Länder spielen können, doch der Lauf des Lebens hat ihn nach Deutschland gebracht. „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“, sagt er. Und meint es anders als manche, die das sagen. Rafael ist stolz darauf, sich hier durchgesetzt zu haben. „Auf das, was ich erreicht habe.“

Als Rafael neun Jahre alt war, wurden seine Eltern in Angola bei einem Überfall getötet. Er flüchtete in die Niederlande, wurde in der Fußballschule von Ajax aufgenommen. Dort spielte er bis 2002. Als er einen Fünfjahresvertrag als Profi bekommen sollte, verweigerten ihm die holländischen Behörden die Arbeitserlaubnis. Er kam auf die Transferliste. Für Rafael war die Trennung von Ajax schmerzhaft: „Das war eine schlimme Zeit für mich mit ein paar Monaten Ungewissheit. Deshalb bin ich Berlin dankbar, dass ich hier aufgenommen wurde.“ Hertha gab Rafael einen Vierjahresvertrag. Diese Erfahrungen seien ausschlaggebend für ihn gewesen, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Dieter Eilts, der Trainer der U21, stellt ihm ein gutes Zeugnis aus: „Er lässt sich sehr einfach integrieren.“ Deshalb plant Eilts, Rafael erneut einzuladen. „Er hat den Vorteil, dass man ihn variabel einsetzen kann.“

Vielleicht aber hat sich der 21-Jährige zuletzt zu sehr auf alten Verdiensten ausgeruht. Herthas Manager Dieter Hoeneß kritisierte den Stürmer ebenso für seine zu lässige Einstellung im Training wie Trainer Falko Götz. Mit der Verpflichtung von Marko Pantelic vor einer Woche ist der Druck auf Rafael nun höher geworden. Hertha spielt oft nur mit einer Spitze und Pantelic ist erst einmal im Sturm gesetzt. „Ich muss wieder härter arbeiten“, sagt Rafael. Nach dem, was er erzählt, müsste seine Einstellung professionell sein, seine Motivation hoch, seine Disziplin hervorragend.

Doch Rafael ist nicht immer so. „Manchmal bin ich etwas zu unbeherrscht, das muss ich in den Griff bekommen“, sagt Rafael. Sein Vertrag läuft am Ende dieser Saison aus, Rafael wird in diesem Jahr den Durchbruch schaffen müssen, wenn er in Berlin bleiben will. Allerdings würde er sich wohl auch an vielen anderen Orten dieser Welt zurechtfinden. Rafael spricht sechs Sprachen: Englisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch, Kongolesisch und Holländisch.

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