Sport : Auf die neue Tour

Der Profi-Radsport streitet um seine Zukunft

Mathias Klappenbach

Berlin - Heute wird es noch einmal richtig spannend. Nur dreizehn Punkte trennen die beiden italienischen Radprofis Paolo Bettini von der Mannschaft Quick-Step und Davide Rebellin vom Team Gerolsteiner vor der Lombardei-Rundfahrt in der Weltcup-Gesamtwertung. Die Lombardei-Rundfahrt ist das letzte Rennen der Saison, und es ist das letzte Weltcup-Rennen überhaupt. Denn ab dem kommenden Jahr wird es diesen Wettbewerb und die Weltrangliste nicht mehr geben. Und wenige werden sie vermissen.

„Es ist wichtig, dass sich etwas ändert. Die wenigsten Leute wissen überhaupt, was Weltcup und die Weltrangliste im Radsport sind. Da ist es ja beim Skifahren übersichtlicher“, sagt Olaf Ludwig, der beim T-Mobile Team in der kommenden Saison Teammanager wird. Ludwig, der den erst 1989 eingeführten und aus zehn Eintagesrennen bestehenden Weltcup 1992 selbst gewonnen hat, unterstützt die Reformpläne des Weltverbandes UCI, der ab 2005 die unter dem Titel „Pro Tour“ firmierende Rennserie einführt. Die Frage, ob diese zu einem Erfolg wird, ist derzeit aber noch spannender als die, wer den Weltcup gewinnt.

In der geplanten „Pro Tour“ müssen die 20 stärksten Teams (aus Deutschland T-Mobile und Gerolsteiner) die 28 wichtigsten Rennen bestreiten, zu denen auch die Rundfahrten Tour de France, Giro d’Italia und Vuelta zählen. Der Weltverband will durch die Verpflichtung der Teams für alle Rennen eine Art Champions League des Radsports schaffen, in der Stars wie Jan Ullrich oder Lance Armstrong auch außerhalb der Tour in einen transparenten Wettbewerb treten.

Doch die Organisatoren der großen Rennen weigern sich noch, ihre Zustimmung zu den tiefgreifenden Reformplänen zu geben. Am Donnerstag in Genf gingen beide Seiten ohne Ergebnis auseinander. Vor allem die Firma ASO, Veranstalter der alles überstrahlenden Tour de France, will nichts von ihrer Macht abgeben. „Die Organisatoren wollen weiter selbst Mannschaften einladen können“, sagt Olaf Ludwig. Die „Pro Tour“ ist aber eine geschlossene Veranstaltung. Die 20 Teams, die jetzt eine Lizenz erhalten haben, wären für vier Jahre fest dabei. Unabhängig davon, ob sie sich ein starkes Team leisten können. Die Veranstalter, die neben den Rundfahrten auch einige wichtige Eintagesrennen organisieren, fordern hier mehr Flexibilität. Die „Pro Tour“ hätte für sie aber auch Vorteile. Der Giro und die Vuelta, die in den vergangenen Jahren nur nationale Veranstaltungen waren, würden durch mehr Topfahrer aufgewertet.

Die Verlierer der Reform wären eher kleine nationale Rennen. „Die Pro Tour hat 160 Renntage, davon nur acht in Deutschland“, sagt Olaf Ludwig. Nur die HEW-Cyclassics in Hamburg und die Deutschland-Tour sollen zur „Pro Tour“ gehören. „Bisher sind wir an 50 Tagen in Deutschland gestartet, das geht dann nicht mehr“, sagt Ludwig, der nicht daran glaubt, dass Ullrich und Armstrong wegen der „Pro Tour“ ihren Saisonablauf ändern würden. „Die Stars starten heute schon bei vielen Tagesrennen. Ich rechne mit einer Einigung zwischen dem Verband und den Veranstaltern.“

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