Sport : Auf die Plätze, fertig, weg

Jörg Wenig

Berlin. Im nächsten Jahr feiert der SC Charlottenburg sein 100-jähriges Bestehen. Es sieht aber so aus, als ob die Spitzenathleten des Leichtathletik-Traditionsklubs nur noch in sehr begrenztem Maße mitfeiern werden. Denn die finanziell angeschlagene Abteilung des Vereins muss die Ausgaben für Topathleten deutlich reduzieren. "Wir können uns Spitzensport nur noch leisten, wenn wir das mit eigenen Sponsoren auch bezahlen können", sagt der neue stellvertretende Vorsitzende der Leichtathletik-Abteilung des Klubs, Jörg Person. In der vergangenen Saison hatte der SCC gar keinen Sponsor, für 2002 soll es jedoch einen Kontrakt mit dem Sportartikelhersteller Asics geben. Mit dem Volumen dieser Vereinbarung, sagt Person, ließen sich vier Athleten finanzieren, sofern diese den Konditionen zustimmen. Zurzeit hat der Verein zwölf Athleten unter Vertrag. "Es wird beim SCC noch Spitzensport geben, aber in stark reduzierter Form", sagte Person. Konkretes über den Stand der Verbindlichkeiten konnte er nicht mitteilen. Das muss man verstehen: Er ist ja erst seit wenigen Tagen im Amt.

Für den SCC starten unter anderen der 3000-m-Hindernis-Europameister Damian Kallabis, die bereits für die EM 2002 qualifizierte Marathonläuferin Kathrin Weßel und der Olympia-Achte über 5000 m, Jirka Arndt. Die Wechselfrist für die Leichtathleten läuft Ende November ab.

Am vergangenen Montag wählten die Mitglieder der Leichtathletik-Abteilung des SCC einen neuen Vorstand. Der stark in der Kritik stehende bisherige Vorsitzende Bernd Kunze hatte sich nicht mehr zur Wahl gestellt. Sein Nachfolger wurde Jürgen Hacker, Zweite Vorsitzende sind Peter Mahlow und Jörg Person. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Verein seinen einzigen Sponsor, den Berliner Flugring (BFR), verloren. Der BFR hatte jedoch schon 2000 kein Geld mehr bezahlt, so dass ein Minus in der Vereinskasse entstand. Dennoch wurde die Zusammenarbeit mit den Topathleten auch in diesem Jahr fortgesetzt. Dies wäre unter dem neuen Vorstand, sagt Person, auf keinen Fall passiert. Bernd Kunze rechnete offenbar damit, dass für die Athleten benötigte Gelder über die Einnahmen durch den Berlin-Marathon abgedeckt werden, den der Klub über seine Veranstaltungs GmbH zusammen mit weiteren Laufveranstaltungen organisiert. Der Marathon hat jedoch selbst noch Steuerschulden aus früheren Jahren, so dass die Rückzahlungen an das Finanzamt Priorität haben müssen. Durch den Erfolg des Berlin-Marathons in diesem Jahr konnten diese Schulden deutlich reduziert werden. Der neue Vorstand macht sich nun generell für eine strikte Trennung der Finanzen zwischen der GmbH und der Leichtathletik-Abteilung stark.

Während Kathrin Weßel erklärte, sie habe bis jetzt alle vereinbarten Zahlungen vom SCC erhalten, sieht es bei Damian Kallabis anders aus. "Mir fehlen Gelder in fünfstelliger Höhe", sagte der Hindernisläufer, der inzwischen zu seinen Eltern in den Schwarzwald gezogen ist. "Ich habe bereits ein Gespräch mit einem anderen Verein geführt", sagte Kallabis, der zurzeit auf Mallorca im Trainingslager ist. Ganz so weit ist Kathrin Weßel noch nicht. "Ich hoffe, dass ich beim SCC bleiben kann."

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