Sport : Auf die Reifen wird es ankommen

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Von Karin Sturm

Wenn Michael Schumacher in zwei Wochen das Rennen von Magny Cours in Frankreich gewinnt, dann kann er zum fünften Mal Weltmeister werden. Aber: Ganz sicher ist der Champion nicht, dass es dort schon klappt: „Natürlich bin ich einerseits zuversichtlich. Mit dem Auto und dem Paket, das wir haben, kann ich das ja auch sein. Andererseits ist Magny Cours eine sehr spezielle Strecke, vor allem, was die Reifen angeht“, meint Schumacher. Seine Prophezeiung: „Es wird bestimmt enger werden in Magny Cours, vor allem, wenn es sehr heiß wird. Wir haben sicher die Chance, zu gewinnen. Aber abwarten – erst müssen wir es mal schaffen."

Steckt da vielleicht zu wenig Ehrgeiz dahinter? Nein. Vielleicht bloß der Wunsch, lieber in Deutschland Weltmeister zu werden: „Es wäre doch viel schöner, wenn wir es in Hockenheim hinter uns bringen würden“, hat er noch am Montag gesagt.

Egal, wo es nun um den Titel gehen wird – sein Ferrari zumindest wird Schumacher nicht im Stich lassen, der hat sich als bestechend zuverlässig erwiesen: seit Hockenheim 2001 kein einziger Ausfall mehr. Auch in diesem Jahr hat der Wagen von bisher insgesamt 651 zu fahrenden Rennrunden alle 651 auch absolvieren können. Und dann stand Schumacher am Ende auch noch jedes Mal auf dem Podest: siebenmal als Erster, zweimal als Zweiter und einmal als Dritter.

Dass er in Silverstone allein wegen seiner Reifen so leicht gewonnen habe, hat Schumacher mittlerweile zurückgewiesen – und im Übrigen sei der Reifenvorteil ja auch nicht vom Himmel gefallen: „Dafür haben wir mit Bridgestone zusammen sehr hart gearbeitet.“ Der Intermediate – ein Zwitter von Regen- und Trockenreifen – gilt auch bei der Konkurrenz als absolutes Wunderding. „Der geht einfach immer perfekt, ob bei viel Wasser oder bei schon fast trockener Strecke“, hat etwa der Schweizer Ex-GP-Pilot Marc Surer festgestellt.

Vor allem die Experten von Michelin müssen sich also jetzt die Frage stellen lassen, warum es ihnen in ihrem zweiten Formel-1-Jahr noch immer nicht gelungen ist, konkurrenzfähige Intermediates und auch gute Regenreifen zu produzieren. „Michelins Intermediates gehen überhaupt nicht, die Regenreifen nur in einem ganz schmalen Fenster von Temperatur und Regenmenge,“ urteilt McLaren-Testpilot Alexander Wurz. Wo das Problem genau liegt – man weiß es bei Michelin wohl selbst nicht.

Experten sagen: wohl eher bei der Reifenmischung als im Konstruktionsprinzip . „Mischungen sind eine unheimlich komplizierte Sache“, meint Alexander Wurz, der als der Technikkenner unter den Formel-1-Fahrern bekannt ist. „Da kommt es nicht nur auf die Anteile der Substanzen in der Gesamtmischung an, sondern manchmal sogar auf deren Herkunft. Schwefel, der in Südafrika abgebaut wurde, kann in Reifen ganz anders wirken als der aus Europa und den USA.“

Die Teams, allen voran natürlich BMW-Williams, aber auch McLaren-Mercedes, hoffen jetzt darauf, dass bei den kommenden Rennen in Magny Cours, Hockenheim und Ungarn wirklich Sommerwetter herrscht – Michelin-Wetter eben. Und noch eine Sorge plagt BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger: Schon wieder hatte am Sonntag eine defekte Tankanlage seinen Fahrer Ralf Schumacher um wichtige Punkte gebracht. „So kann das nicht weitergehen. Es wird Zeit, dass sich die FIA einmal damit beschäftigt,“ fordert Berger nachdrücklich. Denn es war die FIA, die die immer wieder beanstandete Anlage in Auftrag gegeben – und festgelegt hatte, dass die Teams daran keinerlei Veränderungen vornehmen dürfen. In den vergangenen Rennen hatten neben Williams und McLaren auch Sauber und Arrows Schwierigkeiten damit.

Schon merkwürdig: Nur bei Ferrari scheint die Anlage immer anstandslos zu funktionieren.

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