Auf die Spitze getrieben : Polonia Dortmund

Borussia Dortmund hat seit 17 Spielen nicht mehr verloren – das liegt auch an den drei polnischen Nationalspielern im Team. Inzwischen ist der BVB zum beliebtesten deutschen Klub im Land des EM-Gastgebers geworden.

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Einer trifft immer. Robert Lewandowski, Dortmunds polnischer Torjäger.
Einer trifft immer. Robert Lewandowski, Dortmunds polnischer Torjäger.Foto: Reuters

Die Tradition polnischer Gastarbeiter im Ruhrgebiet reicht zurück bis ins Zeitalter der Industrialisierung. Das neueste Kapitel dieser Geschichte wird in Dortmund geschrieben. Gleich drei Nationalspieler aus dem Land des EM-Gastgebers wirbeln im Revier, in ihrer Heimat wird der Deutsche Meister inzwischen liebevoll als „Polonia Dortmund“ bezeichnet. Warum Nationaltrainer Franciszek Smuda die Borussia unlängst seine wichtigste Mannschaft nannte, verdeutlichten Lukasz Piszczek, Jakub Blaszczykowski und Robert Lewandowski beim 3:1 gegen Hannover 96 am Sonntagabend mit einer mitreißenden Vorstellung.

„Dass die drei in einer ordentlichen Verfassung sind, ist uns auch schon aufgefallen“, sagte Trainer Jürgen Klopp nach dem sechsten Erfolg im sechsten Rückrundenspiel: „Gegen Hannover haben sie das auf die Spitze getrieben. Das war nahe an 100 Prozent.“ Gestern flog das Trio nach Warschau, um am Mittwoch das Länderspiel gegen Portugal zu bestreiten. In der Heimat werden sie mit offenen Armen empfangen, dank ihrer ungemein populären Profis aus dem Ausland ist Borussia Dortmund in Polen mittlerweile der beliebteste deutsche Klub.

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist diese Entwicklung natürlich nicht entgangen, und deshalb bastelt er daran, den Höhenflug in bare Münze umzusetzen. Der BVB plant, während der EM Fanshops in den Austragungsstätten Warschau und Breslau zu eröffnen, die auch nach den Titelkämpfen in Betrieb bleiben sollen. Es ist eine glückliche Welt, in der sich die Dortmunder Fußballer befinden, seit in der Bundesliga die Rückrunde läuft.

Woche für Woche rückt ein anderer Spieler in den Blickpunkt. In den ersten Spielen setzte der Japaner Shinji Kagawa die Glanzpunkte, in Berlin sorgte Kevin Großkreutz mit einem spektakulären Fallrückzieher für das Highlight und nun hatte das polnische Dreigestirn seinen großen Auftritt. Diese Vielseitigkeit gehört zu den zahlreichen Pluspunkten des Meisterensembles, das derzeit eine beeindruckende Aura der Stärke ausstrahlt.

Erinnert sich überhaupt noch jemand an das 1:2 im Hinspiel gegen Hannover? Damals fiel die Borussia mit der dritten Niederlage im sechsten Saisonspiel auf Rang elf zurück und lag satte acht Punkte hinter den Bayern. Die Statistiker rechneten vor, niemals sei ein Meister schlechter in die Saison gestartet. Seitdem hat der BVB das Feld von hinten aufgerollt, mittlerweile sieht die Konkurrenz vom Dortmunder Express nur noch die Rücklichter. 17 Spiele in Folge – und somit eine komplette Halbserie – ist die Borussia ungeschlagen, und es deutet nicht viel darauf hin, als sollte die tolle Serie in Kürze reißen.

Wenn Jürgen Klopp über seine Belegschaft spricht, gerät er regelmäßig ins Schwärmen. Der Trainer lobt „Qualität und Einstellung“, wenn einer seiner Spieler das schwarz-gelbe Trikot überstreife, bedeute das: „Maschine anschmeißen und los geht es.“

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