Sport : Auf die unfeine Art

BAR-Honda will Jenson Buttons Wechsel zu BMW nicht gelten lassen

Karin Sturm

Dieser Transfer konnte wohl nur zu nächtlicher Stunde verkündet werden: Jenson Button wechselt von BAR-Honda zu BMW-Williams. Das ist schließlich eine Sensation für die Formel 1. Denn Button ist der Shooting-Star des Jahres. Er ist derjenige, der den überlegenen Ferrari-Piloten Michael Schumacher und auch Rubens Barrichello zurzeit noch am nächsten kommt. Und das Team BMW-Williams bereichert er nicht nur mit seiner Fahrkunst, sondern auch mit seinem Glamour. Button ist groß, blond gelockt, sieht gut aus und ist mit der bildhübschen englischen Pop-Sängerin Louise Griffith verlobt. Doch es ist kein harmonischer Wechsel: Bei BAR-Honda ist man über den Abgang seines Starfahrers stinksauer.

Teamchef David Richards tobt. Seine gesamte Planung war um Button aufgebaut: „Ich habe hier 400 Leute, die arbeiten wie die Wilden, und der Kerl haut einfach ab. Dabei hat er einen gültigen Vertrag mit uns.“ In der Tat war bisher der Wissensstand in der Formel 1, dass BAR eine Option auf Buttons Weiterbeschäftigung habe, wenn das Team unter die besten fünf in der Konstrukteurs-WM kommt. Im Moment ist BAR-Honda sogar Dritter.

Aber das Button-Management habe sich, wie zu hören ist, auf eine Ausstiegsklausel berufen, die greife, „wenn die Versorgung mit Top-Motoren“ nicht gesichert ist. Der Knackpunkt ist nun: Honda hat zwar gerade erst den Vertrag mit BAR bis 2007 verlängert, das japanische Management habe sich jedoch eine vorzeitige Ausstiegsmöglichkeit offen gehalten, „wenn sich die politische Richtung in der Formel 1 völlig entgegen unseren Vorstellungen entwickelt.“

Teamchef Richards hält dies für „viel zu vage, um daran anzusetzen“. Er überlegt deshalb, ob er eine Klage auf Schadenersatz in Millionenhöhe einreichen soll. Dass er Button kaum halten kann, weiß Richards sicher – auch wenn er offiziell noch sagt, er werde alles versuchen, um die Vertragserfüllung für 2005 gerichtlich durchzusetzen. Das Verhältnis zwischen dem Piloten und seinem Team ist nun ohnehin gestört. Aber der Versuch von BAR-Honda, sich für den Wechsel wenigstens noch finanziell entschädigen zu lassen, liegt nahe.

Obwohl Richards jegliche Verhandlungen mit Mika Häkkinen über eine Rückkehr des zweimaligen Weltmeisters in die Formel 1 dementiert, auch wenn er sich an diesem Wochenende bei der Finnland-Rallye mit ihm trifft, gibt es schon neue Spekulationen. Verärgert über Button, könnte Richards den Briten für den Rest der Saison kaltstellen, und vom Grand Prix in Ungarn an den Testpiloten Anthony Davidson zum Stammfahrer machen sowie Häkkinen als dritten Fahrer einstellen. Die Rückendeckung seiner eigenen Mitarbeiter hätte Richards jedenfalls. Die sind ebenfalls sauer auf Button.

Auf der anderen Seite gibt sich BMW-Teamchef Frank Williams unwissend: „Das Button-Management hat mir gesagt, dass die Option nicht mehr gültig sei.“ Mit Richards hat er offenbar keine Rücksprache gehalten, und auch Button, der öffentlich bis zuletzt immer betont hatte, wie wohl er sich bei BAR fühle, hatte seinen Teamchef nie von seinen Wechselplänen informiert. Das legt den Verdacht nahe, dass Button bewusst ist, kein ganz sauberes Geschäft gemacht zu haben. Insider vermuten, dass es eher das Management war, das Button zum Wechsel überredete. Button wird genauso um Aufklärung bemüht sein müssen wie BMW-Williams. Auch sonst stellt sich BMW schließlich in der Formel 1 als besonders korrektes Team dar.

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