Sport : Auf die vielen Duzfreunde ist Verlass

Rudolf Scharping siegt deutlich gegen Sylvia Schenk bei seiner Wiederwahl zum Präsidenten des Bundes Deutscher Radfahrer.

Bertram Job
Glückwunsch, Herr Präsident. Herausforderin Sylvia Schenk war bei der Abstimmung der Delegierten des BDR in Gelsenkirchen ohne Chance gegen Rudolf Scharping. Foto: dpa
Glückwunsch, Herr Präsident. Herausforderin Sylvia Schenk war bei der Abstimmung der Delegierten des BDR in Gelsenkirchen ohne...Foto: dpa

Gelsenkirchen - Samstagmittag um Viertel nach eins wusste Rudolf Scharping, dass sich der Weg nach Gelsenkirchen allemal gelohnt hat. Die Teilnehmer an der Jahreshauptversammlung des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) waren gerade aus der Mittagspause zurück, die sie wahlweise paktierend oder dinierend verbracht hatten. Da bekamen sie zum Dessert das Resultat der Auszählung serviert, die den Tagesordnungspunkt 12.1 – „Wahlen gemäß Satzung/Präsident“ – entscheiden sollte. Und das war eindeutig: 26 Stimmen ungültig oder enthalten, wurde vermeldet, sowie 156 für Silvia Schenk und 411 für Scharping.

Ein fast perfekter Samstag für den alten und neuen Präsidenten des BDR, der für vier weitere Jahre die Lizenz zum Vorstehen und Vordenken hat. Und ein Rückschlag für die Gegenkandidatin Sylvia Schenk, den sie zu dieser Zeit offenbar bereits ahnte. Schon in der Pause hatte die 60-jährige Anwältin, Vorstandsmitglied der Organisation „Transparency Deutschland“, den Medienvertretern signalisiert, dass sie selbst nicht recht an einen Sieg glaube – und „mit jedem Ergebnis leben“ könne. Der Mann, den sie in den vergangenen Wochen so deutlich angegriffen hatte, sitzt beim Großteil der 15 Landesverbände einfach zu fest im Sattel. Außerdem kann er sich, wenn es darauf ankommt, noch immer meisterlich inszenieren.

Die Zusammenkünfte von Sportverbänden folgen schon längst den Gesetzen der Politik, und darin macht dem früheren Kanzlerkandidaten, Verteidigungsminister sowie Landesfürsten so schnell niemand was vor. Als Versammlungsleiter gab Rudolf Scharping den weltgewandten Souverän, der den Kontakt mit der Basis nie verloren hat. Duzte bald hierhin und grüßte fix dort, was seine gute Vernetzung auf allen Ebenen nicht nur beiläufig unterstrich. Als Redner fand er zudem die rechte Dosis für beinahe alles: verhaltenen Optimismus ob steigender Mitgliederzahlen und eines Kassenbuchs des Verbandes, das nach einigen „sauharten Jahren“ (Scharping) inzwischen eine Viertelmillion Euro an Rücklagen aufweist.

Sicher nicht immer perfekt, aber auf dem richtigen Weg: So prägte sich der allzeit verbindliche Rudi der Zuhörerschaft im randvollen „Saal Maritim“ eines großen Gelsenkirchener Hotels unter Punkt 6 („Berichte“) ein. Unlängst hatte er in Schanghai auch den Vertrag mit einem Großsponsor klargemacht, der die Jahresbilanz des Verbandes ganz gut frisiert hat. Dazu fand Rudolf Scharping auch genug Anhaltspunkte, um den Vorwurf mangelnder Konsequenz bei der Dopingbekämpfung scheinbar zu erschüttern. Wer so etwas behaupte, sagte Scharping, kenne die Fakten nicht „oder will sie gar nicht sehen“.

Danach konnte Sylvia Schenk in den exakt zehn Minuten, die ihr vor der geheimen Wahl penibel zugestanden wurden, nur noch spröde wirken. Ihr Kampf um noch mehr Transparenz, „vor allem im Straßenradsport der Männer“, wirkte manch einem Funktionärsveteran entschieden zu monothematisch. „Es ist doch verflucht noch mal nicht alles Doping“, machte Hein-Detlef Ewald vom Berliner Landesverband seinem Unmut am Mikrofon Luft. Nein, der „Spaß“, den die ehemalige Leichtathletin künftig mit diesen Leuten haben wollte, kam nicht mal im Ansatz rüber.

Dass hehre Vorsätze allein noch nicht ausreichen, um sich in die Herzen der Radsport-Delegierten zu hieven, musste anschließend auch Robert Bartko erleben. Der 37-jährige Zweifachweltmeister und doppelte Olympiasieger trat in Gelsenkirchen als Gegenkandidat für das Amt des Vizepräsidenten Leistungssport an. Robert Bartkos sehr engagierter, wenn auch wenig konkreter Vortrag („Strukturen aufbauen ... Stützpunkte stärken ...“) war aller Ehren wert. Als es um die Abstimmung ging, hatte der bisherige Amtsinhaber Günter Schabel trotz dürftiger Bilanz („habe viele schöne Abende verlebt“) dennoch die Nase vorn: 325 Stimmberechtigte votierten erneut für ihn, 265 für den ehemaligen Bahnradstar aus Potsdam und Helden des Berliner Sechstagerennens bei vier Enthaltungen.

Auch hier bewies der alte und neue Präsident den richtigen Instinkt. Man werde sich intern zusammensetzen, so Scharping, und dann „sehen, wie wir Robert Bartko einbinden können“. Es lebe also der König, schon weil er keine Köpfe rollen lässt. Sondern Räder.Bertram Job

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