Sport : Auf Distanz

Heute beginnt die Tischtennis-WM in Paris – und die Deutschen haben Angst vor Sars

Jörg Petrasch

Berlin. Die kleinen Bälle wecken großes Interesse . Es wird voll werden auf den Tribünen im Palais Omnisport. Das Bild in der berühmten Halle im Pariser Bezirk Bercy wird ungewohnt sein für die Tischtennis-Profis aus aller Welt, allerdings dafür um so schöner. Mit mehr als 10 000 verkauften Karten pro Tag ist die Arena von Paris bei der am Montag beginnenden Tischtennis-Weltmeisterschaft (19. bis 25. Mai) so gut wie ausverkauft. Was für ein Kontrast zur Europameisterschaft im italienischen Courmayeur. In Italien hatte sich im April auf den Rängen durchweg ein tristes Bild geboten. Nur 1416 Zuschauer sahen die Spiele der EM.

Allerdings bereitet die WM den Organisatoren gerade wegen des hohen Zuschauerzuspruchs Kopfzerbrechen. Denn die Mannschaft aus China wird teilnehmen, ein Umstand, der wegen der sich seit Wochen von Asien aus ausbreitenden Lungenkrankheit Sars nicht ganz unkritisch erscheint. Zumindest Jörg Roßkopf hat Angst vor einer Ansteckung. „Man hätte die WM absagen sollen, Sars ist viel zu gefährlich“, sagt der deutsche Rekordnationalspieler. Dabei sind nicht die Sportler aus China die Risikoträger, denn die Asiaten, die nach 1997 und 1999 zum dritten Mal in Folge als Favoriten für die Individual-Titel gelten, bereiten sich seit sechs Wochen in Paris vor und sind dort bereits untersucht worden. Gefahren sieht der EM-Dritte Roßkopf vor allem durch die „vielen Delegationsmitglieder, Fans und Journalisten, die nach Paris kommen“.

Ein WM-Boykott des deutschen Teams kommt aber nicht in Frage. „Man geht halt etwas auf Distanz“, sagt Cheftrainer Dirk Schimmelpfennig. Was bleibt, ist „ein mulmiges Gefühl“, wie Deutschlands große WM-Hoffnung Timo Boll sagt. Beim Weltranglisten-Ersten überwiegt die Vorfreude auf das sportliche Großereignis mit etwa 700 Aktiven aus 116 Ländern. Schließlich führt der Hesse als erster Deutscher in der 77-jährigen WM-Geschichte die Setzliste an, vor dem WM-Zweiten Ma Lin aus China.

Boll setzt sich aber nicht unter Druck. „15 oder 16 Spieler können Weltmeister werden. Zu diesem Kreis zähle ich mich auch“, sagt der 22-Jährige, der vor sechs Wochen seinen EM-Titel gegen den in Paris an dritter Stelle gesetzten Weißrussen Wladimir Samsonow verloren hat. Am Mittwoch greift er ins Geschehen ein. Neben Boll kämpfen auch Jörg Roßkopf und Vize-Europameister Torben Wosik um ein gutes Ergebnis. Brisanz erhält das indirekte Duell der beiden Freunde dadurch, dass derjenige, der nach der WM in der Weltrangliste besser platziert ist, den zweiten Direktplatz für die Olympischen Sommerspiele 2004 in Athen bekommt. Momentan liegt Wosik auf Position 25, zwei Plätze vor Roßkopf. „Olympia ist mein großes WM-Ziel“, sagt Roßkopf.

Bei den Damen um die ehemaligen Europameisterinnen Nicole Struse und Elke Wosik und der „Europe-Top-12“-Gewinnerin Jie Schöpp wird wohl für die deutschen Teilnehmerinnen nichts zu holen sein. Dort sind die Asiaten zu stark. Aber vielleicht ist es für das elfköpfige Team ja schon ein Erfolg, gesund nach Hause zu kommen. Schimmelpfennig warnt allerdings vor Panik. Der Cheftrainer der Deutschen sagt: „Wir werden wegen der Sars-Gefahr nicht mit dem Thermometer rumlaufen.“

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