Sport : Auf Distanz

Favorit Martillo unter Jockey William Mongil gewinnt in Hoppegarten überlegen den Großen Porsche Preis von Deutschland

Hartmut Moheit

Hoppegarten. Auf der Zielgeraden hatte William Mongil genügend Zeit, mit Handküssen dem Publikum zu danken. Immer wieder aber zeigte der 34-jährige Franzose auch auf den dreijährigen braunen Hengst Martillo, der ihm letztlich den Jubel der 21000 in Hoppegarten einbrachte. „Natürlich war mein Pferd favorisiert“, sagte der Jockey, „aber dennoch freue ich mich riesig über diesen Sieg.“ Beim Höhepunkt der diesjährigen Galoppsaison vor den Toren Berlins, dem mit 105 000 Euro dotierten Großen Porsche Preis von Deutschland, setzte sich der ehemalige Stalljockey des Aga Khan gestern im sechsten Rennen des Tages letztlich mit zweieinhalb Längen Vorsprung in der Zeit von 1:36,8 Minuten vor der irischen Stute Mail the Desert mit Steven John Drowne und dem sechsjährigen Hengst Bear King mit Marc Timpelan durch. Seinem Endspurt, den er an der 300-Meter-Marke hinter dem Dahlwitzer Bogen anzog, konnte kein Pferd etwas entgegensetzen. Auch Vorjahressieger Sambaprinz nicht, der mit Eduardo Pedroza im Sattel bei der 13. Auflage des Rennens den vierten Platz belegte.

Erst am Freitag war die Entscheidung gefallen, dass Martillo in dem Europa-Gruppe-II- Rennen über 1600 Meter an den Start gehen würde. „Im Training davor lief Martillo nicht optimal“, erzählte sein Reisefuttermeister Mario Furchtmann. Aber der letzte Test verlief so, dass Trainer Ralf Suerland nichts mehr befürchten musste. „Ich wollte in Hoppegarten nicht von einem deutschen Pferd geschlagen werden“, hatte er vorher gesagt. Siebeneinhalb Stunden dauerte dann die Fahrt vom Gestüt Höny-Hof ins brandenburgische Hoppegarten. Als man schließlich angekommen war und der Hengst die Gästebox bezogen hatte, kam auch noch ein wenig Geheimniskrämerei hinzu: Die Stalltüren blieben verschlossen. „Das ist nun mal so“, sagte Mario Furchtmann, „da darf eben keiner rein.“

Ein Pferd für die Meile

Der ganze Aufwand hat sich letztlich gelohnt, aber nur für Besitzer, Trainer und Reiter. Für die Wetter gab es beim 20:10-Favoriten nicht viel zu holen. Um 63 000 Euro erhöhte sich die diesjährige Gewinnsumme von Martillo, der damit in sechs Rennen bereits 261 908 Euro erlaufen hat. Die Besitzer-Familie Hellwig, der auch der Höny-Hof gehört, hatte Martillo vor zwei Jahren auf der Jährlingsauktion in Baden-Baden für 90 000 Euro ersteigert. Nun plant Trainer Suerland, der einstige Derbysieg-Reiter, für Martillo einen Start beim begehrtesten Meilenrennen Europas, dem Prix Jacques le Marois im französischen Deauville. So wird man Martillo vorläufig nicht mehr auf einer deutschen Rennbahn sehen. Im Deutschen Derby vor einer Woche in Hamburg war der Hengst nicht am Start, da die dort geforderten 2400 Meter zu lang für ihn sind.

Nach dem Sieg im klassischen Mehl-Mülhens-Rennen und einem dritten Platz im englischen Royal Ascot war Martillo für das bedeutendste Meilenrennen in Deutschland vom veranstaltenden Union-Klub auch immer wieder als das große Zugpferd ausgegeben worden. Und es verfehlte seine Anziehungskraft nicht. „Es war ein Renntag, wie wir ihn uns erträumt hatten“, sagte Renntagsleiter Günther Gudert nach dem neunten Rennen. 113 Pferde waren bei idealen Bedingungen zu erleben, und „auch der Hauptsponsor war letztlich angetan vom gesamten Verlauf des Tages“.

Der sechste von elf Renntagen in dieser Saison brachte auch sehr gute Umsätze am Totalisator, sodass es gestern nur zufriedene Gesichter gab. Der Gesamtumsatz wurde mit 421 330,17 Euro errechnet. Kein Wunder, dass auch Union-Klub-Chef Peter Boenisch den ganzen Sonntag über mit strahlendem Gesicht über die Hoppegartener Anlage lief. „Dieser Erfolg hat uns gezeigt, dass wir mit Hoppegarten auf dem richtigen Weg sind“, lautete sein Fazit für den gesamten Renntag.

Selbst für Eingesessene wie Michael Schweigel, der seit Jahren an der Seite von Joachim Möller als Jockey-Diener fungiert, hatte dieser Renntag etwas ganz Besonderes. „Mit einigen Jockeys habe ich erstmals Kontakt“, sagte der arbeitslose Invalidenrentner. Für Steven John Drowne, den Chilenen David Sanchez und auch William Mongil hatte er noch nie die Startnummern hingelegt, für saubere Kleidung oder für kleine Annehmlichkeiten gesorgt.

Über solche neuen Bekanntschaften freut sich Michael Schweigel. Jockeys dieser Güte kommen eben nur bei ganz großen Rennen nach Hoppegarten, und die gab es in den letzten Jahren recht wenig. In dieser Saison wird es noch zwei Gruppe-III-Rennen geben, darunter den Preis der Deutschen Einheit am 3. Oktober. „Ich mache das absolut nur aus Spaß“, sagt Michael Schweigel, „höchstens, dass mir mal ein Reiter ein kleines Trinkgeld zusteckt oder nach dem Sieg ein Glas Sekt ausgibt.“ Ihm reicht das. Joachim Möller aber, der beim Porsche-Renntag im Urlaub war, betreibt diesen Job als sein eigenständiges Gewerbe. Er ist der offizielle Jockey-Diener auf allen Bahnen in Ostdeutschland. Am 10. August, beim Großen Preis von Berlin, wird er wieder die Regie hinter den Kulissen führen, aber dann kaum neue Gesichter sehen. Der gestrige Tag war in Hoppegarten eben ein ganz besonderer.

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