Sport : Auf Droge

Ein bisschen Philosophie zum Golfen

Armin Lehmann

Eines vorneweg: Der Mann ist entschuldigt, er schwebt eben irgendwo zwischen Loch 1 und Loch 18 über uns, auf der Suche nach dem perfekten Schlag. Der Mann würde gerne auch mal flirten, steht aber viel zu früh auf (dabei ist er verheiratet) und rennt um fünf Uhr morgens auf Golfplätzen herum. Stefan Maiwald ist ein Fixer, ein Junkie, total auf Droge. Und niemand, der sich nicht wenigstens einmal einen Schuss Golf gesetzt hat, wird den Autor verstehen. Aber Maiwalds ganz persönliche Philosophie des Golfens ist auch für die zahlreichen Hasser dieses Sports erhellend, für diejenigen, die sich seit Jahren schwören, niemals auch nur einen Fuß auf eine Driving Range zu setzen, weil dort nur langweilige Anwälte und Ärzte herumhopsen; erhellend deshalb, weil Maiwald so offen Einblick gibt in seine Sucht. Ihn spornen Vorurteile nur an, um seine Liebe zu besingen. Er legt auch wirklich gut los, und viele Anekdoten und Erlebnisse sind nett zu lesen. Aber 18 Loch sind lang, und Maiwald geht ein bisschen die Konzentration verloren – und die Kreativität. Die befreiendste Erkenntnis Maiwalds aber gilt für Golfer und bisherige Nicht-Golfer: „Erreicht man irgendwann den Punkt, an dem man ein zufriedener Golfer ist? Nein, nie.“

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