Sport : Auf eigene Tour

Die Schweizerin Patty Schnyder hält mehr von Freunden als von Trainern

Benedikt Voigt

Berlin. Für Patty Schnyder ist es zurzeit nicht einfach, jemanden zu finden, der mit ihr trainiert. „Man guckt vor einem Turnier auf den Spielplan und schaut, wer kein Spiel hat oder zur gleichen Zeit spielt“, sagt die Tennisspielerin aus der Schweiz. Die 24-Jährige hat keinen Trainer mehr, seitdem sie sich im April von Hubert Choudry getrennt hat. „In gegenseitigem Einvernehmen“, sagt Schnyder, „er war nicht ganz einverstanden mit dem, was ich mache.“ Seitdem muss sie sich selbst um Sparringspartner bemühen. Trotzdem scheint ihr das Leben ohne Trainer nicht viel auszumachen. „Mein Freund reist immer mit.“ Genau das könnte ihr Problem sein.

Patty Schnyder hat einen Hang zu schwierigen Lebenspartnern. Vor vier Jahren lebte sie mit dem 22 Jahre älteren Fitness- und Ernährungsberater Rainer Harnecker zusammen. Wunderheiler oder Sektenchef wurde der genannt, weil er glaubte, auch schwere Krankheiten wie Krebs mit Vitamin C therapieren zu können. Kiloweise schleppte Harnecker damals Orangen ins Spielerhotel. Patty Schnyder sollte bis zu drei Liter Orangensaft trinken und sich vegan ernähren. In der Folge verlor sie drei bis vier Kilogramm Gewicht und fiel in der Weltrangliste allmählich zurück. Mit ihren Freunden und Eltern brach sie den Kontakt ab. Als sie sich von Harnecker trennte, engagierte ihr Vater Wilhelm Schnyder den damals 31-jährigen Detektiv Rainer Hofmann, um Ermittlungen gegen den ehemaligen Freund seiner Tochter anzustellen. Bald darauf waren Patty Schnyder und der Detektiv ein Paar. Und sind es heute noch.

Bei ihrem ersten Match in Berlin, das Schnyder gegen die Belgierin Els Callens gewann, stand Hofmann in einem knallgelben T-Shirt in der dritten Reihe und bangte mit seiner Freundin. Ab und zu zündete er sich nervös eine Zigarette an. „Ich weiß immer, wo er bei einem Spiel ist“, sagt Schnyder. Ab und zu schickt sie einen Blick in seine Richtung.

Die Beziehung zu ihren Eltern hat sich mit dem neuen Freund nicht verbessert. Im Gegenteil. „Ich habe kein Verhältnis mehr zu meinen Eltern, es ist zu viel passiert“, sagt Patty Schnyder. Mehr als einmal stritten sich Rainer Hofmann und Wilhelm Schnyder gerichtlich. „Es gibt immer noch was“, sagt Patty Schnyder zum Thema Gerichtsverfahren, möchte aber nicht näher darauf eingehen. Die „Basler Zeitung“ berichtete, dass Rainer Hofmann wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Titelanmaßung in Deutschland rechtskräftig verurteilt sein soll, Rainer Hofmann bestreitet das.

Das enge Verhältnis zu ihrem Freund beeinflusst auch ihre sportliche Entwicklung. „Mein Freund reist immer mit“, sagt Schnyder. Ein Trainer hat es schwer, sich in diesem symbiotischen Verbund zu behaupten. Inzwischen glaubt die 24-Jährige, auch ohne Coach zurechtzukommen. „Ich habe sehr viel Erfahrung“, sagt sie, „ich weiß selbst, wo sich Fehler einschleichen können.“ Gegenwärtig führt die Weltrangliste die Schweizerin auf Rang 20, in Berlin hat sie Runde drei erreicht. Ihre beste Platzierung in der Weltrangliste, Rang acht, datiert allerdings aus dem Frühjahr 1999. Das war noch, bevor Harnecker und Hofmann als Partner in ihr Leben traten.

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