Sport : Auf eigener Matte

In Philipp Boy gewinnt erstmals seit 14 Jahren wieder ein Cottbuser beim Turnier der Meister.

Gut gegriffen. Elisabeth Seitz siegte in Cottbus am Stufenbarren. Foto: dpa
Gut gegriffen. Elisabeth Seitz siegte in Cottbus am Stufenbarren. Foto: dpaFoto: dpa

Cottbus - Philipp Boy genoss auf der Bodenmatte die Ovationen des Publikums mit geschlossenen Augen und vergaß für einen Augenblick seine quälenden Schmerzen. „Das habe ich mir immer gewünscht: Hier vor den Augen der Familie und vieler Freunde zu gewinnen. Aber den Dämpfer gibt es, wenn am Abend die Schmerzen wiederkommen“, offenbarte der doppelte WM-Zweite im Mehrkampf nach seinem Premieren-Sieg beim 36. Turnier der Meister in Cottbus seine gemischten Gefühle.

Der beste deutsche Mehrkämpfer der vergangenen Jahre plagt sich seit vier Monaten nicht nur mit einer Entzündung des Schlüsselbeins, die auch seinen Reck-Start verhinderte. Auch das linke Handgelenk, in dem die Verletzung abgeklungen schien, ist durch die heftigen Belastungen wieder aufgetreten. „Beide Schmerzen sind genauso schlimm. Es gibt viele Baustellen, aber wir bearbeiten sie“, meinte der Lausitzer, der das Gelenk sechsmal tapte, um das Risiko zu minimieren.

Zwar bot er am Boden wegen des Trainingsrückstands noch nicht die geplante Olympia-Übung an, kam aber dank perfekter Ausführung mit 15,20 Punkten auf den Höchstwert. Damit beendete er eine 14 Jahre währende Zeit ohne Cottbuser Sieg bei dem zum zweiten Mal als Challenge Cup ausgetragenen Traditionsturnier. Zuletzt hatte 1998 sein heutiger Trainer Karsten Oelsch am Reck gewonnen.

Obwohl er noch lange nicht das erhoffte Trainingsniveau anbieten kann, macht sich der Reck-Spezialist (noch) keine Sorgen um seinen Olympia-Start. „Ich fange jetzt nicht an zu zweifeln. Das würde mich im Kopf noch mehr verrückt machen“, sagte Boy, der am Montag zu Chef-Physiotherapeut Klaus Eder nach München reist.

Ein Überraschung war der erste Weltcup-Sieg für Elisabeth Seitz am Stufenbarren. „Das war ein toller Einstieg in die Saison, nachdem beim Einturnen noch alles schief ging“, meinte die EM-Zweite nach einer fast fehlerfreier Übung (14,825). Wegen einer Verletzung turnte sie nur an einem Gerät. „Ich muss gut auf meinen Körper hören und meinen Fuß langsam nach London bringen“, begründete die Mannheimerin.

Auch Kim Bui präsentierte sich bereits in guter Verfassung mit Blick auf Olympia. Die deutsche Vizemeisterin im Mehrkampf belegte am Boden Rang drei und kam am „Zitterbalken“ nach sauberer Darbietung auf den vierten Platz. „Es lief ganz gut, aber die Landungen müssen noch stabiler werde“, kommentierte die Stuttgarterin. Marcel Nguyen konnten in den Finals seine derzeit gute Form nicht unter Beweis stellen. Nach Platz sieben an den Ringen überdrehte er am Sonntag eine Felge am Barren und musste unfreiwillig sein Spezialgerät verlassen. dpa

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