Sport : Auf ein Bier oder zwei oder drei

KARIN STURM

SUZUKA .Auf Wiedersehen, Suzuka.Michael Schumacher ließ sich durch seine Niederlage im WM-Endkampf der Formel 1 die gute Laute nicht verderben.Abends um elf tauchte er auf der Abschieds-Fete in der zum Streckenhotel gehörenden Log-Cabin-Karaokebar auf und brachte gleich die entsprechende Stimmung mit.Locker, gelöst, tanzend."Wir haben ein hartes Jahr hinter uns, da darf man sich dann schon mal eine Verschnaufpause gönnen.Und auch ein Bier oder zwei oder drei ..."

Schumacher ist überzeugt davon, wirklich Grund zum Feiern zu haben, auch wenn es mit dem Titel nicht geklappt hat: "Wir haben eine gute Saison geliefert, haben hart dafür gearbeitet.Ich glaube, es gibt keinen Grund dazu, extrem enttäuscht zu sein und in ein tiefes Loch zu fallen.Wir werden auch voll motiviert ins nächste Jahr gehen und es aufs neue probieren."

Mika Häkkinen stieß kurz nach Mitternacht zu der feiernden Meute.McLaren-Mercedes hatte zuvor im italienischen Restaurant Campanella, ebenfalls auf dem Streckengelände, den Titel bereits feucht-fröhlich begossen."We are the Champions", das Lieblingslied von Mercedes-Sportchef Norbert Haug, wurde zum Motto des Abends.Auch Schumacher erkannte Häkkinens Champion-Qualitäten an: "Er hat den Titel verdient, er hat eine gute Saison hingelegt, hat im Prinzip keine Fehler gemacht.Gut, er hat ein Auto gefahren, das es ihm etwas erleichtert hat, keine Fehler zu machen - aber trotzdem muß man das auch erstmal fahren und dem Druck standhalten wie am Nürburgring.Das hat er gemacht und deshalb ist es völlig in Ordnung, daß er den Titel gewonnen hat."

Mika Häkkinen, der vor dem Rennen auf einer vom finnischen Fernsehen eingerichteten Internet-Seite Tausende von Botschaften erhielt, die ihm alles Gute für das Rennen wünschten, dachte in seiner Freude auch an seine Landsleute zu Hause: "Ich glaube, Finnland wird schon ziemlich kopfstehen." Der finnische Verkehrsminister Matti Aura verfolgte das Rennen als Gast in der McLaren-Box und vermittelte dann nach dem Triumph ein Telefongespräch mit dem finnischen Präsidenten Martti Athisari.Immerhin 25 Prozent der fünf Millionen Finnen sollen in der Nacht das Rennen live im Fernsehen verfolgt haben.Häkkinen freut sich schon auf dem Empfang zu Hause: "Nur wird das leider noch eine Weile dauern, denn im Moment steht erst einmal ein Termin nach dem anderen an.Aber ich freue mich sehr, nach Hause zu kommen und Freunde wieder zu treffen.In den Jahren, in denen ich nur wenig Erfolg hatte, haben viele dieser persönlichen Beziehungen doch sehr gelitten.Aber jetzt normalisiert sich das alles allmählich wieder."

Zunächst einmal muß er, wie alle anderen, in Japan bleiben.Denn kaum ist die eine WM vorbei, denken alle in der Formel 1 ja schon wieder an die nächste und testen ab Dienstag die neuen Reifen 1999 mit den vier statt bisher nur drei Querrillen in den Vorderreifen.Interessant ist allerdings, daß Ferrari bis zum Sonntag den Vertrag für 1999 mit Bridgestone immer noch nicht unterschrieben hatte - offiziell, weil Ferrari gern die gleichen Konditionen bei Bridgestone wie früher bei Goodyear möchte.Goodyear hatte Ferrari gern stets Millionensummen für die Testarbeit bezahlt, was Bridgestone strikt ablehnt: "Das ist nicht unsere Firmenpolitik." Die Gerüchteküche brodelt jetzt schon.Ob Ferrari wohl darauf baut, Goodyear unter anderem Namen doch, oder weniger exklusiv für sich, zum Weitermachen bewegen kann?

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