Sport : Auf geborgten Brettern

Im letzten Rennen der WM holt Raphael Poirée erneut Gold

Helen Ruwald

Oberhof. Die Zuschauer versuchten, den Nebel über der Rennsteig-Arena mit ihren Fahnen wegzuwedeln und pusteten gegen ihn an. Tatsächlich wurde die Sicht wieder klar, das letzte Rennen der Biathlon-Weltmeisterschaften in Oberhof konnte stattfinden. Die Deutschen hatten gestern beim Massenstartrennen über 15 Kilometer, das der Franzose Raphael Poirée gewann, dennoch Probleme: Schon vor der ersten von vier Schießprüfungen stürzte der zweifache Weltmeister Ricco Groß. Er wechselte wenig später den rechten Ski, weil er Probleme mit der Bindung hatte. Groß verlor viel Zeit, die Konkurrenz zog davon. Doch die Aufholjagd glückte nicht: Der Ersatzski war schlecht gewachst, Groß kam nicht voran – und stieg auf einen dritten Ski um. Später stürzte der Ruhpoldinger erneut, wurde 29. und damit Vorletzter. „Nach dem ersten Sturz war es nur noch ein Schaulaufen“, sagte Groß.

Poirée siegte mit einer halben Minute Vorsprung vor dem Norweger Lars Berger, der Russe Sergej Konowalow gewann Bronze. Dabei benutzte der Franzose sogar die Ski seiner Frau Liv Grete. Als Dank für die geliehenen Bretter und nachträglich zum Valentinstag gab Poirée die bei der Siegerehrung überreichten Blumen an sie weiter.

Es war nicht der Tag der Deutschen: Sven Fischer wurde mit der drittbesten Laufzeit, aber vier Schießfehlern Elfter, Michael Greis 21., Peter Sendel 27. Greis und Sendel musste nur zwei Strafrunden laufen, waren aber zu erschöpft, um bessere Platzierungen zu erreichen. „Ich bin nicht der Allerfrischeste, ich bin läuferisch nicht in der Lage, ganz vorn dabei zu sein“, hatte Greis schon am Samstag angekündigt. Nach Staffel-Gold und all dem „Rummel konnten sie sich nicht mehr so konzentrieren. Aber ich verzeihe es ihnen“, sagte Bundestrainer Frank Ullrich.

Der Norweger Ole Einar Björndalen, der in Oberhof dreimal Bronze und einmal Silber gewann, wurde nur Siebenter. Nach Platz zwei in der Staffel hatte er erfahren, dass seine krebskranke Mutter gestorben war, sich aber dennoch zum Bleiben entschlossen. Er führte gestern bis nach dem zweiten Schießen, dann zog Poirée an ihm vorbei. Nachdem das Duell der Stars entschieden war, fiel Björndalen immer weiter zurück. Dafür gewann sein Landsmann Lars Berger Silber, obwohl er fünf Strafrunden drehen musste – so viele wie kein anderer der besten 18 Läufer. Doch Berger war in der Loipe am schnellsten, was eigentlich nicht erstaunt: Der 24-Jährige ist Norwegischer Meister im Langlauf.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben