Sport : Auf Geisterfahrt

Dem Formel-1-Piloten Ralf Schumacher unterlaufen derzeit viele Fehler – vor allem neben der Rennstrecke

Karin Sturm

São Paulo. Ralf Schumacher ging es schon mal besser. Im vergangenen Jahr kam er als Sieger des Großen Preises von Malaysia nach Brasilien und wurde dort Zweiter, nur eine halbe Sekunde hinter seinem Bruder Michael. Doch in diesem Jahr läuft die Formel-1-Saison bisher schlecht für den jüngeren der beiden Schumacher-Brüder. Sein Teamkollege Juan-Pablo Montoya knöpfte ihm in den ersten beiden Qualifyings jedes Mal fast eine Sekunde ab und konnte in den Rennen deutlichere Glanzpunkte setzen.

Der Grand Prix in Brasilien soll für Schumacher unbedingt die Wende bringen. Im dritten Qualifikationstraining der Saison kam er jedenfalls auf Rang sechs, blieb damit überraschend sogar einen Rang vor seinem Bruder Michael und zwei vor Montoya. Das tat Ralf Schumacher erst einmal ausgesprochen gut. Während Montoya zuvor schon zeigen konnte, dass der BMW-Williams im Gegensatz zu vielen Prognosen offenbar doch Potenzial hat, durchlebte Schumacher zuvor zu viele Pleiten. Das erste Qualifying verpatzte er mit zwei groben Fehlern, das zweite mit einem Fehler und Platz neun. Im Rennen in Malaysia gab es einen verkorksten Boxenstopp, für den er nichts konnte, für den anschließenden Dreher aber schon. „Typisch Ralf, er ärgert sich über den Boxenstopp und macht dann prompt den Fehler hinterher“, sagen viele englische Experten. Das haben die Teamchefs Frank Williams und Patrick Head registriert, die immer allergisch auf Fehler ihrer Piloten reagieren.

Zu den Schwierigkeiten auf der Strecke kommt für Ralf Schumacher in letzter Zeit auch noch viel Ärger daneben. Es gibt Gerüchte über sein Privatleben, die in einigen Boulevard-Medien viele Spalten füllten. Es ging um einen angeblichen „Zickenkrieg“ zwischen seiner Frau Cora und Connie Montoya und um eine angebliche Abmahnung von Williams. Ralf Schumacher reagierte hektisch: mit einer Unterlassungsklage, einem unglücklichen Interview mit Dementis, die die ganze Story erst interessant machten.

Einige Beobachter und Mitarbeiter in der Boxengasse hatten in Malaysia das Gefühl, der Fahrer sei dem ganzen Theater nicht gewachsen – auch wenn er selbst immer sagt, er könne so etwas an einem Rennwochenende völlig verdrängen. „Ich bin viel zu sehr auf meine Arbeit konzentriert“, sagt Ralf Schumacher vorsichtig. Auch Frank Williams nimmt seinen Fahrer in Schutz: „Nach dem, was mir unser Chefingenieur Sam Michael sagt, arbeitet er genauso konzentriert wie immer." Wobei Williams anmerkte, „dass ich mich in der nächsten Zeit vielleicht etwas intensiver um Ralf kümmern muss“.

Schumacher versucht unterdessen, sich in die Arbeit zu stürzen. Und deshalb redet er öffentlich lieber vom Aufwärtstrend seines Teams. „Wenn wir in einem Rennen mal normale, reguläre Bedingungen haben, können wir sicher auch zeigen, dass die bisherigen Ergebnisse kein Zufall waren. Vielleicht klappt das ja schon in Brasilien.“ Schumacher jedenfalls sieht BMW-Williams auf dem richtigen Weg: „Es ist durchaus drin, dass wir in diesem Jahr sehr ernsthaft um die WM mitmischen können. Wir lernen, das Potenzial des Autos zu nutzen." Auch für sich selbst ist er zuversichtlich – wobei er zugibt, mit der neuen Qualifying-Form des Einzelzeitfahrens tatsächlich noch Probleme zu haben: „Das sieht man ja an den Ergebnissen – aber auch das wird sich im Laufe des Jahres noch ändern." So kann Ralf Schumacher lange reden. Wie ein normaler Fahrer eben. Einer, der keine großen Probleme hat.

Dass teamintern das Pendel im Moment eher zugunsten von Montoya ausschlägt, streitet Ralf Schumacher ab: „Montoya stand zwar oft auf der Poleposition, dafür habe ich eben mehr Siege. Ich weiß, was intern läuft – und da spüre ich keine Benachteiligung, eher das Gegenteil." Ob das in Zukunft so bleibt, ist allerdings fraglich. Niederlagen gegen den Teamkollegen wiegen in der Formel 1 immer besonders schwer – für Ralf Schumacher würde sich, wenn er diese Tendenz nicht ausgleichen kann, noch ein zusätzliches Problem stellen. Sein hoch dotierter Vertrag – er bekommt etwa zehn Millionen Dollar im Jahr – läuft Ende 2003 aus. Ob Williams dann noch einmal zu den gleichen Konditionen verlängert, ist offen.

Für den Fall des Falles hat Manager Willi Weber schon einmal das angeblich beidseitige Interesse von und an Toyota bekannt gemacht – zur angeblichen Überraschung von Toyota allerdings.

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