Sport : Auf Kufen nach Vancouver Monique Angermüller feiert ihr Comeback

Frank Bachner
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Foto: dpadpa-Zentralbild

Berlin - Eine Analyse? Von diesem Rennen? „War nicht nötig“, sagt Thomas Schubert. Hat er auch nicht gemacht mit Monique Angermüller. Was soll er groß sagen zu einem fast perfekten Rennen? Klar, „die Startphase hätte noch ein Tick schneller sein können“. Aber dann schüttelt Schubert den Kopf, Kritik an der Startphase, das wäre kleinkariert. „Das war für sie ein fast perfekter Lauf, da gibt’s nichts zu kritisieren“, sagt er.

Thomas Schubert steht auf Schlittschuhen an der Bande der Berliner Eishalle, es ist Trainingszeit, und irgendwo in der Halle macht sich Monique Angermüller warm. Seine Athletin. Sie startet noch über 1500 Meter. Eine Stunde später belegt sie Platz 17.

Aber Schubert interessiert ein anderes Ergebnis. Ihr Platz sieben über 1000 Meter. Das fast perfekte Rennen aus Angermüllers Sicht. Sie hat sich damit den Start bei den Olympischen Spielen gesichert. Angermüller weinte danach, es waren Freudentränen.

Platz sieben hört sich nicht aufregend an. Aber man muss die Geschichte von Monique Angermüller kennen. Und man muss Markus Eicher hören. Eicher, der Frauen-Bundestrainer, sagt: „Sie hat sich enorm entwickelt. Sie kann bei Olympia eine Medaille holen.“ Monique Angermüller sagt: „Ich habe die übelste Saisonvorbereitung meines Lebens hinter mir.“

Von April bis Juli hatte die 25-Jährige drei Monate lang Probleme im Rücken. Dann eine Infektion. Dann eine Stirnhöhlenentzündung. Ausgerechnet jetzt. Der Aufstieg schien gestoppt. 2008 ist die Berlinerin nach vorne gekommen, aber sie war eine der unauffälligen Läuferinnen hinter den Stars Friesinger und Pechstein. Sie hatte Erfolge in ihrer kleinen Welt, die keiner beachtete. Aber nun schien sie gestoppt, die Kurve nach oben.

Die 25-Jährige bildet mit ihrer Teamkollegin Gabriele Hirschbichler eine WG. Aber es gab Tage, da flüchtete sie zu ihrem Freund nach Potsdam. Wenn Hirschbichler zum Training ging, wenn sie vom Training kam, wenn sie vom Training erzählte, dann konnte Angermüller das irgendwann nicht mehr ertragen. Sie hatte gehofft, dass sie sich auf Studium, Wirtschaftsingenieurwesen, konzentrieren könnte während der Zwangspause, aber das klappte nicht.

Doch die Zwangspausen waren offenbar ein Erfolgsgeheimnis. Ihr Körper regenerierte sich in einem unerwarteten Ausmaß. Im Kraftraum erzielte sie danach Werte, die sie noch nie erreicht hatte. Gleichzeitig nahm sie vier Kilogramm ab. Der wirklich große Schritt nach vorne, der kommt jetzt erst. Sie läuft technisch besser, sie kann durch den Kraftzuwachs länger eine gute Körperposition halten. Vor einer Woche wurde sie Deutsche Meisterin über 1000 Meter, ihr größer Erfolg. Aber die Kraft reicht noch nicht für ein sehr gutes 1500-Meter-Rennen. Das war Schubert klar.

Und eine Medaille in Vancouver? Da ist der Coach vorsichtig. Seine Athletin stört das nicht. Sie ist jetzt schon zufrieden. „Bei Olympia zu starten, das ist doch kolossal.“

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