Sport : Auf Messis Spuren

Sergio Aguero lässt Bayerns Champions-League-Gegner Manchester City von Titeln träumen

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Auf der Insel angekommen. Sergio Aguero (rechts) hat nach sechs Spieltagen in der englischen Premier League bereits acht Tore erzielt. Der Argentinier war im Sommer für 45 Millionen Euro von Atletico Madrid zu Manchester City gewechselt. Foto: dpa
Auf der Insel angekommen. Sergio Aguero (rechts) hat nach sechs Spieltagen in der englischen Premier League bereits acht Tore...Foto: dpa

Das Premier-League-Transferfenster dieses Sommers hätte nicht teurer sein können, wenn es aus purem Gold und Diamanten gemacht gewesen wäre. 213 Millionen Euro gaben die englischen Topklubs für Spieler aus, beinahe ein Viertel davon ließ sich Manchester City allein die Unterschrift von Sergio Aguero (45 Millionen Euro, Atletico Madrid) kosten. Gemessen an der Kaufsumme wurde auf der Insel jedoch erstaunlich wenig Wirbel um den 23-jährigen Argentinier gemacht. Das lag zu einem Teil an der britischen Ignoranz gegenüber Ausländern, die nicht regelmäßig in der Champions League glänzen, noch vielmehr aber an dem traurigen Schicksal vieler stürmender Vorgänger. Seit City im Jahr 2008 von der Herrscherfamilie aus Abu Dhabi übernommen wurde und eine knappe Milliarde Euro in den Klub pumpte, hat man mehr prominente Angreifer verschlissen, als andere Vereine in dreißig Jahren beschäftigen. Emmanuel Adebayor, Jo, Robinho, Roque Santa Cruz, Craig Bellamy und Robinho scheiterten an den zum Teil absurd hohen Ansprüchen. Carlos Tevez überzeugte zwar auf dem Platz, entnervt Kollegen und Fans jedoch mit ständigen Anti-Manchester-Tiraden – die Stadt ist ihm zu weit von Argentinien entfernt und in kulinarischer Hinsicht nicht nach seinem Gusto. Selbst der als „langsam und tölpelig“ („Mirror“) verspottete Edin Dzeko schien nach seinem Wechsel von Wolfsburg im Januar durchzufallen.

Das mit dem Wirbel wird nun aber nachgeholt. Aguero gilt nach acht Toren in sechs Ligaspielen schon als „wichtigster City-Einkauf“ („Times“) und als ernsthafter Kandidat für den „Spieler des Jahres“-Titel in England, und das nicht nur auf Grund seiner Treffer. Seine Fantasie hat die Statik der ganzen Mannschaft verändert, die Truppe wirkt regelrecht befreit. Im Vorjahr war City ein Team, das Siege mitunter zynisch ermauerte, die vielen Stars wurden vom italienischen Trainer Roberto Mancini wie anonyme Durchschnittskräfte in strengen Reihen verschoben. Kreativität oder Spaß kam beim neutralen Betrachter selten auf. Mancini ging es allein um das Resultat.

Seit sich jedoch „Kun“ Aguero als hängende Spitze hinter Dzeko mehr oder weniger nach Belieben bewegen darf und die Verteidiger vor unlösbare Rätsel stellt, spielen die Hellblauen fast wie im Rausch. Fünf von sechs Ligaspielen wurden gewonnen, der Erzrivale Manchester United steht nur dank der besseren Tordifferenz an der Tabellenspitze. Träumen haben sie in der hellblauen Hälfte der Stadt in 35 titellosen Jahren zur Genüge gelernt, doch diesen Herbst wirken die Ziele greifbar nahe, auch dank ihm. „Es herrscht eine ganz besondere Atmosphäre in Manchester“, sagt Aguero. „Ich spüre, wie viel es den Anhängern bedeutet, in der Liga ganz oben zu stehen und erstmals in der Champions League dabei zu sein.“ Das Team sei gut genug, den Europapokal sogar zu gewinnen, behauptet er. Doch dazu muss man erst die Gruppenphase überstehen. Der Auftakt, ein 1:1 gegen Neapel, verlief nicht nach Maß, dürfte Aguero aber zumindest das Familienleben erleichtert haben. Sein Schwiegervater, ein gewisser Diego Maradona, hätte ihm einen Sieg gegen seinen geliebten Ex-Klub wohl kaum verziehen.

Maradonas Tochter Giannina und der drei Monate alte Sohn Benjamin machten den Umzug von Madrid im Sommer mit, für Aguero ist das der Schlüssel seines schnellen Erfolgs. „Meine Frau versteht, wie Fußball funktioniert“, sagt er, „und sie versteht, dass ich bei einem wichtigen Klub spiele, der für sein neues Projekt viel Geld auf mich gesetzt hat. Es ist wichtig, wenn man sich gut aufgehoben fühlt – Zuhause sowie im Beruf.“

Schwieriger als die Umstellung auf das sprichwörtlich graue Wetter in Manchester sei für ihn der Wechsel von Independiente in Buenos Aires zu Atletico gewesen. Der damals 17-Jährige war erst vor relativ kurzer Zeit sehr ärmlichen Umständen entflohen und fand sich plötzlich in einer fremden Stadt in Europa wieder. „Der Fußball war viel körperbetonter und härter, es fiel mir schwer“, erinnert er sich.

Davon ist heute nichts mehr zu spüren. Es wirkt nicht anmaßend, wenn Aguero davon spricht, Landsmann Lionel Messi demnächst als den besten Spieler der Welt ablösen zu wollen. „Ich träume davon, dieses Niveau zu erreichen, dafür arbeite ich jeden Tag“, sagt er. So schnell dürfte Messis Thron nicht wackeln, dafür bekommt Aguero demnächst ja ein paar silberne Trophäen in die Hände. Was Gold und Diamanten angeht, braucht man sich angesichts der Reichtümer der Vereinsbesitzer sowieso keine Sorgen um ihn machen.

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