Sport : „Auf mich ist alles mit voller Breitseite zugekommen“

Jungmanager Andreas Müller über den Dauerwirbel auf Schalke, seine Arbeit mit Mirko Slomka und den Weggang von Frank Rost

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Ihre bisherige Amtszeit als Manager des FC Schalke 04 wurde überschattet von teaminternen Querelen und Misserfolgen in den Pokalwettbewerben. Hatten Sie den Winterurlaub über die Feiertage diesmal besonders nötig?

Da wir in der Bundesliga in den letzten Monaten sehr erfolgreich gewesen sind, bin ich letztlich ziemlich entspannt gegangen. Aber ich habe damit gerechnet, dass es ungemütlich werden kann. Schalke ist so ein großer Klub und dann ist da einer in der Verantwortung wie ich, der erst am Anfang steht. Da ist Kritik schon fast programmiert.

Diese Erholungsphase war also dringend erforderlich?

Das war ein halbes Jahr, in dem fast alles, was man im Fußball erleben kann, mit voller Breitseite auf mich zugekommen ist. Deshalb hat mir der Urlaub gut getan, weil ich alles noch mal in Ruhe und mit Abstand überdenken konnte.

Welche Schlüsse haben Sie gezogen?

Ich habe ein paar Mal zu emotional reagiert. Das ist zwar kein Fehler, weil das manchmal raus muss. Ich werde mich künftig noch mehr an den Fakten orientieren und mich nicht von Dingen verrückt machen lassen, die von außen herein getragen werden. Aber an meiner Arbeit werde ich nichts ändern, denn ich habe einen sturen Schädel.

Der sechswöchige Presseboykott der Spieler hat dem Image des Vereins geschadet. Wie begegnen Sie dem Vorwurf, nicht eingegriffen zu haben?

Ich sehe nicht, dass das dem Image des Vereins geschadet hat. Wir haben schon überlegt, etwas gegen den Boykott zu machen. Aber dann stand wieder irgendetwas in den Medien, das die Spieler in ihrer Haltung bestärkt hat. Wir haben gesehen, dass durch das Schweigen gegenüber den Medien das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Mannschaft gestärkt wird. Das hat die Mannschaft in dieser Phase, in der heftige Kritik und auch viel Unwahres auf sie herabgeprasselt ist, gebraucht. Dadurch hat sich das Team auch sportlich in die richtige Richtung entwickelt. Deshalb haben wir uns ganz klar entschieden, nicht einzugreifen.

Wann verlängern Sie den Vertrag mit Trainer Mirko Slomka?

Mirko wird mit jedem Tag besser und souveräner. Er entwickelt sich in die richtige Richtung. Man hat ihm ja von Anfang an keine richtige Chance gegeben. Aber nun sieht man: Er ist ausgeglichen, konsequent und behält auch in kritischen Phasen kühlen Kopf. Aber wir haben ihm mitgeteilt, dass wir in der Winterpause noch nicht sprechen werden.

Das hört sich danach an, als wäre das Vertrauen zu ihm nicht sonderlich groß.

Mirko kann mit dieser Aussage leben, weil er weiß, dass wir Vertrauen zu ihm haben. Wir reden mit ihm ja auch schon über den Spielerkader der kommenden Saison. Aber am wichtigsten für uns ist die Entwicklung der Mannschaft. Es geht um die Zukunft des Klubs. Management, Mannschaft und Trainer befinden sich momentan auf der richtigen Bahn und das muss weiter ausgebaut werden. Dann steht einer Verlängerung auch nichts im Wege.

Noch vor vier Wochen haben Sie gesagt, es sei kein Szenario möglich, in dem Frank Rost verkauft wird. Warum spielt er jetzt für den Hamburger SV?

Es ist klar, dass sich so ein guter Torhüter nicht damit zufrieden geben kann, auf der Reservebank zu sitzen. Seine Wahrnehmung war, dass er keine Chance mehr auf einen wirklichen Konkurrenzkampf haben kann. Daher wollte er weg. Ich habe eingesehen, dass es keinen Sinn hat, ihn länger hier zu halten.

Frank Rost sagt, dass diese Entscheidung am Ende nichts mehr mit sportlichen Argumenten zu tun hatte.

Auch das ist seine subjektive Wahrnehmung. Das Wichtige war, dass Frank diese Entscheidung, die einzig aus sportlichen Gründen gefällt wurde, professionell hingenommen hat. Natürlich treffen Trainer und Manager Entscheidungen, die nicht immer auf Gegenliebe bei den Spielern treffen. Aber so ist das halt.

Gab es auch Stimmen aus der Mannschaft, die diesen Transfer gefordert haben?

Nein, überhaupt nicht. Sicher ist Frank ein Spieler, der seine Kritik intern immer sehr direkt geäußert hat. Heute muss man vielleicht etwas sensibler sein. Da habe ich mit Frank oft drüber gesprochen. Als ich noch Spieler war, haben wir uns gegenseitig noch viel härtere Dinge an den Kopf geworfen. Das ist sicher auch eine Generationsfrage. Wir müssen dazu kommen, dass Kritik nicht persönlich genommen wird.

Mit Manuel Neuer, 20, Dennis Lamczyk, 19, und Ralf Fährmann, 18, stehen drei unerfahrene Talente im Kader. Besteht auf der Position des Torhüters noch Handlungsbedarf?

Die Tendenz geht dahin, dass wir mit diesen drei Torhütern in die Rückrunde gehen. Mutig waren wir doch schon die ganze Saison über. Welche Garantie gibt mir ein älterer Torhüter? Der kann auch daneben fassen. Oliver Reck als Torwart- Trainer spricht in dieser Frage aber noch ein gewichtiges Wort mit. Transferschluss ist ja auch erst Ende Januar.

Die Mannschaft liegt in der Bundesliga punktgleich mit Bremen auf Platz zwei. Wird es in diesem Jahr was mit der Meisterschaft?

Ich bleibe dabei, die Mannschaft hat das Zeug dazu Deutscher Meister zu werden. Die Spieler haben sich mittlerweile gefunden, wir spielen in nur einem Wettbewerb und haben noch neun Heimspiele. Aber wir müssen was dafür tun, das wissen wir alle.

Das Gespräch führte Jörg Strohschein.

Andreas Müller , 44, spielte 17 Jahre lang in der Bundesliga – beim VfB Stuttgart, für Hannover 96 und zuletzt bei Schalke 04. Dort löste er im Mai 2006 Rudi Assauer als Manager ab.

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