Sport : Auf nach Berlin

Sven Goldmann

gratuliert den Eisbären und wünscht sich einen neuen Aufbruch Stirling Moss wurde nie Formel-1-Weltmeister, Ivan Lendl hat nie Wimbledon gewonnen, und die Berliner Eisbären können noch hundert Jahre spielen, ehe sie… halt, dieses Glied fehlt seit gestern in der Kette der Unvollendeten. Der EHC Eisbären ist Deutscher Eishockeymeister, und er ist ein würdiger Meister. Keine andere Mannschaft hat in den vergangenen Jahren den Titel ähnlich souverän eingespielt.

Es geht beim Gewinn einer Meisterschaft weniger darum, auf hohem Niveau Eishockey zu spielen. Das Kunststück ist es, im entscheidenden Augenblick die beste Leistung zu zeigen, alle Einflüsse links und rechts auszublenden und nur für das große Ziel zu denken, zu handeln und zu leben. Auch im Eishockey, dem körperlich härtesten Mannschaftssport der Welt, werden Spiele und Meisterschaften im Kopf entschieden. Wer zur bequemen Variante des Fatalismus neigt, wird den Misserfolg als willkürliches Naturgesetz interpretieren. Wenige begreifen das Scheitern als Herausforderung, aus Fehlern zu lernen. Doch diese Bereitschaft ist es, die aus Versagern Meister werden lässt. Die Eisbären haben es demonstriert.

So couragiert, wie die Mannschaft gegen das Image des ewigen Zweiten gespielt hat, muss die Vereinsführung nun die Marke EHC Eisbären weiterentwickeln. Weg vom Kultverein des Ostens, hin zum gesellschaftlichen Ereignis für ganz Berlin. Die Eisbären haben sich bequem eingerichtet in ihrer Ost-Nische mit DDR-Fahnen, Dynamo-Rufen und Puhdys-Songs. Eine Perspektive aber bietet diese Nische nicht. Die geplante Großarena am Ostbahnhof braucht ein größeres Zuschauerpotenzial, als es Marzahn, Hohenschönhausen und Hellersdorf bieten. Dieses neue Publikum will umworben werden. Wie es einem allein auf regionalen Zuspruch fixierten Verein ergehen kann, zeigt das Beispiel eines Fußballklubs, der vor drei Jahren noch im DFB-Pokalfinale stand. In der nächsten Saison kickt der 1. FC Union in Liga vier.

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