Sport : Auf schiefer Bahn

Berliner Trabrennsportler sind erfolgreicher denn je – doch ihre wirtschaftliche Situation ist schwierig.

Heiko Lingk

Berlin - Wenn Thorsten Tietz über Traber spricht, dann gerät er schon mal schnell ins Schwärmen. „Es gibt nichts Schöneres, als die Entwicklung eines Pferdes zu beobachten und mitzuerleben, wie es mit jedem Tag athletischer und schneller wird“, sagt der 36-jährige Sulkyfahrer. Seine Pferde optimal auf ihre Aufgaben vorzubereiten – das war für den in Recklinghausen aufgewachsenen Sportler immer die besondere Herausforderung. Viel mehr noch, als selber Rennen zu fahren. Diese Grundeinstellung änderte sich erst im Jahr 2008, als Berlin seine neue Heimat wurde. Mit dem Umzug begann für Thorsten Tietz ein ungewöhnlich rasanter Karriereaufstieg. Aus dem Gelegenheitsfahrer wurde ein Taktikfachmann, der unumstrittene Champion Berlins im Sulky. Die statistischen Daten seiner beruflichen Karriere lassen alle Gegner vor Neid erblassen – in diesem Jahr beendete Thorsten Tietz jeden dritten Start mit einem Sieg. Eine unglaubliche Bilanz.

Wenn am Sonntag (13.30 Uhr) auf der Bahn in Mariendorf die letzte Veranstaltung der Berliner Trabrennsaison 2013 ausgetragen wird, dann ist Tietz zwar nicht dabei, weil er am selben Nachmittag drei Pferde auf der schwedischen Piste in Romme steuert. Doch wenn es um die Jahresbilanz geht, dann ist Tietz natürlich allgegegenwärtig. Noch nie zuvor waren die Sulkyfahrer aus Berlin so erfolgreich wie diesmal. Thorsten Tietz belegt mit 110 Saisonerfolgen bundesweit den zweiten Platz hinter Michael Nimczyk (156 Siege), der ebenfalls an nahezu jedem Mariendorfer Renntag teilnimmt. Tietz kann mit seiner Bilanz natürlich am meisten glänzen. Mit Maik Esper, Heinz Wewering und Daniel Wagner sind aber drei weitere in Berlin lebende Sulkyfahrer in der deutschen Top Ten – ein solch hervorragendes Saisonresultat hat es aus Berliner Sicht noch nie gegeben.

Damit ist eine Basis gelegt, die auch für 2014 auf gute sportliche Ergebnisse hoffen lässt. Doch der Jahreswechsel ist zugleich auch ein Start ins Ungewisse. Denn die Rahmenbedingungen werden für die Trabrennsportler immer schwieriger. Einige Bahnen werden in der neuen Saison zwar das in den Rennen ausgeschüttete Preisgeld deutlich erhöhen. Doch zwischen den Veranstaltern herrscht große Uneinigkeit und es geht ein tiefer Riss durch den Trabrennsport in Deutschland.

Die Erwartungen in eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage haben sich nicht erfüllt und die Rennvereine in Mariendorf, Berlin-Karlshorst und Mönchengladbach sind aus dem Bündnis mit ihrem bisherigen Vermarkter Win Race ausgetreten, der aber weiterhin für die restlichen Bahnen in Deutschland tätig ist. Statt an einem Strang zu ziehen, überhäufen sich beide Seiten seit Monaten mit Schuldzuweisungen. Selbst auf eine sinnvoll abgestimmte Vergabe der bundesweiten Veranstaltungstermine konnten sich die Verantwortlichen bisher nicht einigen.

Das organisatorische Chaos droht. Nur eines erscheint sicher: Die Zerstrittenheit unter den Funktionären ist einer der großen Makel des seit rund 150 Jahren in Deutschland ausgeübten Trabrennsports – und wird wohl auch im neuen Jahr fortbestehen. Heiko Lingk

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