Sport : Auf schmalem Grat

Ailton bewegt sich in Bremen zwischen Tadel und Ablehnung

Frank Hellmann

Bremen. Als der Helfer an der Linie die roten Leuchtziffern mit der Nummer 32 in die Luft reckte, wandelte das Publikum das optische Signal in ein akustisches um. Gellende Pfiffe hallten durch das prall gefüllte Weserstadion, während Ailton an die Seitenlinie lief. Die Auswechslung in der 68. Minute gegen Nachwuchstalent Nelson Heado-Valdes war folgerichtig, die Reaktion der Anhängerschaft auch. Weniger die unglückliche 1:3 (0:2)-Niederlage gegen einen im Stile eines Spitzenteams agierenden VfB Stuttgart vergrätzte Bremens Zuschauer als der hilflose Auftritt von Ailton. Ausgerechnet der Stürmerstar, der bisher mit sieben Treffern in der Torschützenliste registriert ist und sich zuletzt mit einem offenen Brief an die Fans gewandt hatte, könnte zur Belastung für Bremen werden.

„Wir wollen hier nicht von einem Problemfall reden“, sagt hingegen Thomas Schaaf, der Ailton weiter in Schutz nimmt. „Für sein Spiel braucht er Raum – den hatte er heute nicht. Und der Kopfball ist nicht seine Stärke.“ Auch Sportdirektor Klaus Allofs findet es normal, „wenn ein Stürmer einen schlechten Tag hat.“ Er habe alles versucht, „es war nicht sein Spiel“, sagt Mitspieler Krisztian Lisztes.

Dennoch: Der exzentrische Brasilianer, der bei seiner Auswechslung nur dem Talent aus Paraguay nicht aber dem Trainer mit dem Bremen-Pullover die Hand gab, bewegt sich auf einem schmalen Grat. Schon gegen die Schwaben setzte Schaaf alle fünf zur Verfügung stehenden Stürmer ein. Angelos Charisteas schaffte es als Erster, den zuvor in 884 Minuten unbezwungenen Stuttgarter Torhüter Timo Hildebrand zu überwinden. Ivan Klasnic und Nelson-Valdez erkämpften sich im Gegensatz zu Ailton wenigstens gute Chancen. Es scheint möglich, dass Ailton schneller verzichtbar ist, als viele in Bremen glauben. Und: Sitzt die Diva erst einmal missmutig auf der Bank, wird sie ihre Unzufriedenheit schnell äußern, ein Vereinswechsel schon zur Winterpause könnte dann realistisch werden. Inoffiziell schließt Werders Führungsetage das längst nicht mehr aus.

„Wir werden genau hinschauen, wer hier Leistung bringt und sich wie ein Profi verhält“, hatte der Fanbeauftragte Dieter Zeiffer zuvor gesagt. Deshalb gab es auch häufig Szenenapplaus für den aufmerksam verteidigenden Mladen Krstajic, während die unglücklichen, bisweilen allzu sorglosen Aktionen Ailtons Unmut produzierten. „Zwei Spiele ohne Tor, keine Einstellung, dann ist hier Ende", sagt Zeiffer über Ailton, der schon bei der Bekanntgabe seines Namens deutliche Pfiffe vernahm.

Der erste Auftritt der beiden Abtrünnigen nach der Bekanntgabe ihres Wechsels zum FC Schalke war mit Argusaugen beobachtet worden. „Ich habe mit meiner Leistung die Antwort gegeben“, erklärte Krstajic, „wir haben leider unglaubliche Tore bekommen.“ Professionell sei sein Engagement gewesen, lobte Allofs. Wenig professionell hingegen die Antwort Ailtons auf die Kritik an ihn: „Ich verstehe die Aufregung nicht. Es sind schon andere Spieler weggegangen. Ich verspreche, dass ich mich noch nicht mit Schalke beschäftige“, sagt der 30-Jährige. Aber noch zwei, drei Auftritte Ailtons wie gegen Stuttgart – und alle Beteiligten werden sich von selbst damit befassen müssen.

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