Sport : Auf sie mit Gebrüll

Friedrichshafen will den Berlin Volleys nicht erneut den Titel überlassen. Heute steht das erste Duell an.

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Die Jagd ist eröffnet. Nationalspieler Max Günthör ist der prominenteste der sieben Zugänge von Friedrichshafen. Foto: Reuters
Die Jagd ist eröffnet. Nationalspieler Max Günthör ist der prominenteste der sieben Zugänge von Friedrichshafen. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Berlin - Matthew Denmark brüllt am besten, so furchterregend wie kein anderer, daran gibt’s gar keinen Zweifel. Vermutlich hätte sich der Fotograf am liebsten die Ohren zugehalten, als er den brüllenden Denmark vor der Linse hatte. Aber so muss einer ja rüberkommen, wenn er eine wilde Jagd startet. „Titeljagd 2013“, so haben sie beim VfB Friedrichshafen ihre Kampagne getauft. Auf der Homepage des Volleyball-Bundesligisten brüllen die Spieler, jeder wird kurz eingeblendet und dann vom nächsten abgelöst. Aber Mittelblocker Denmark, der US-Amerikaner, brüllt definitiv am beeindruckendsten.

Am Bodensee meinen sie das ziemlich ernst mit der wilden Jagd. Dieses Gebrüll, die martialischen Gesten, dieser Kampfgeist, das alles ist nicht bloß Ritual. Sie haben etwas gutzumachen, die VfB-Spieler, sie müssen sich für eine empfindliche Niederlage revanchieren. Nach sieben Meistertiteln in Folge sind sie in der vergangenen Saison im Halbfinale ausgeschieden. Gescheitert, immerhin, an den BR Volleys. Die holten kurz darauf den Titel.

In der Stadt hängen Plakate mit den aggressiven Profis und dem Schriftzug „Titeljagd“. VfB-Plakate sind normal in der Stadt am Bodensee, Volleyball ist dort Kult, von 28 Titeln in Meisterschaft und Pokal hat der VfB in den vergangenen 14 Jahren 23 gewonnen.

Der VfB will in dieser Saison den Meistertitel, etwas anderes kommt für Trainer Stelian Moculescu gar nicht infrage. Und damit das auch die Volleys spüren, will der VfB gleich mal ein Zeichen setzen. Mit einem Sieg über den Meister, heute in der Schmeling-Halle (19.30 Uhr).

Sieben Spieler holten Moculescu und VfB-Geschäftsführer Jürgen Hauke. Der prominenteste Neue kennt in Friedrichshafen quasi jeden Stein. Max Günthör ist dort geboren worden und aufgewachsen, der Nationalspieler ist als Volleyballer beim VfB ausgebildet worden. Zuletzt stand der Mittelblocker bei Generali Haching unter Vertrag.

Neu ist auch Diagonalangreifer Ventzislav Simeonov. Der gebürtige Bulgare hatte 20 Jahre lang in Italien gespielt, mit Piacenca stand er mal im Final Four der Champions League. Das ist ganz interessant, aber das ist auch vier Jahre her. Bedeutsamer ist jetzt ein anderer Punkt: Simeonov ist 35 Jahre alt.

Er hat damit einen festen Platz in der teaminternen Oldierunde. Insgesamt fünf Spieler im 14-köpfigen Kader sind älter als 30. Außenangreifer Victor Batista aus der Dominikanischen Republik ist auch neu, er feierte am 2. Oktober seinen 33. Geburtstag. Ganz interessant, wie Moculescu jetzt die Schwerpunkte bei der Personalplanung setzt. Üblicherweise arbeitet er vor allem mit jungen, hungrigen Spielern, die er noch formen kann. Bei Simeonov spielte allerdings wohl auch Zeitnot eine Rolle. Der Diagonalangreifer wurde kurz vor Saisonbeginn kurzfristig geholt, weil Anastasios Aspiotis unerwartet für unbestimmte Zeit in seine Heimat Griechenland geflogen ist. Simeonov war wohl die beste Lösung, die so schnell möglich war.

Moculescu jedenfalls ist zufrieden. „Wir haben mit unseren Neuverpflichtungen die Chance, auf allen Positionen zu rotieren – und zwar ohne Qualitätsverlust“, sagte der Erfolgscoach bei der Saisoneröffnung des VfB. Meisterschaft, Pokalsieg, Erreichen der zweiten Runde in der Champions League, das seien die Ziele des VfB auch in diesem Jahr.

In Friedrichshafen gönnen sie den Volleys den Meistertitel. Denn der VfB bleibt ja immer noch erheblich erfolgreicher als die Berliner. Mit dem einen Titelverlust können die Friedrichshafener also leben, aber damit soll’s dann auch genug sein.

Aber für die Titeljagd hat Moculescu nicht bloß Oldies neu in seinem Kader, das muss man fairerweise sagen. Neu im Team ist auch Yannick Harms von den Volley Young Stars Friedrichshafen. Ein 18-Jähriger.Frank Bachner

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