Auf Trainersuche : Hertha BSC ist zwischen allen Lösungen

Hertha verlängert den Vertrag mit Geschäftsführer Ingo Schiller – und sucht weiter nach einem neuen Trainer. Namen geistern weiter viele durch die Gegend, eine Entscheidung steht aber noch aus.

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Die Übergangsregelung. Rene Tretschok beim Training.
Die Übergangsregelung. Rene Tretschok beim Training.Foto: dapd

Donnerstag war es so weit. Es wurde ein Vertrag unterschrieben bei Hertha BSC – von Ingo Schiller. Der Kontrakt mit dem Finanzgeschäftsführer läuft nun bis 2015. Schiller ist seit 14 Jahren im Verein. Präsident Werner Gegenbauer sagte in einer Stellungnahme: „Gemeinsam mit Michael Preetz steht er für Kontinuität und Kompetenz in der Geschäftsführung von Hertha BSC.“

Kontinuität und Kompetenz brauchen sie in diesen rauen Tagen bei Berlins Fußball-Bundesligisten, in denen sie permanent auf der Suche nach Lösungen sind. Populärstes Wort bei Hertha BSC zurzeit? „Interimslösung“. Ein Unwort, denn wer bezeichnet sich schon gerne als Übergangsregelung? René Tretschok hat damit kein Problem. Der Zwischenchef sagt: „Es geht nicht um mich, ich bin eine Interimslösung.“ Der Jugendtrainer wird die Profis am Sonnabend gegen Borussia Dortmund betreuen. Wer kommt dann? Ist nicht sicher, sagt Manager Michael Preetz zur aktuellen Trainersuche: „Wir haben keinen aktuellen Stand.“

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Also kein Kommentar zur Findung eines Nachfolgers des nach Herthas 0:5 in Stuttgart entlassenen Michael Skibbe. Nichts zu Krassimir Balakow, obwohl Preetz mit dem zurzeit bei Hajduk Spilt unter Vertrag stehenden Bulgaren schon verhandelt haben soll. „Ich bitte um Verständnis, dass ich mich nicht an Spekulationen beteiligen werden“, sagt Preetz. Es ist ja nicht so, dass Balakow der einzige Kandidat wäre bei Hertha. Es ist aber ein wenig so, dass ob der erneuten Suche nach einem Cheftrainer in den Hintergrund gerät, dass sich Hertha im Bundesliga-Abstiegskampf befindet. Ist vielleicht noch nicht offensichtlich in der Tabelle, weil sich die drei letztplatzierten Freiburg, Augsburg und Kaiserslautern Woche für weigern, mal ein Spiel zu gewinnen. Kann aber irgendwann passieren, das weiß auch Herthas Interimstrainer.

Seit Anfang der Woche betreut Tretschok nun die Spieler, die er zuvor nur aus der Ferne gesehen hat. Er hat viele Gespräche geführt, auch mit der Fraktion der Südamerikaner, aus der ja zuletzt Adrian Ramos und Ronny auf dem Platz bei ihren kurzen Auftritten vor Spielfreude sprühten. Die Mannschaft habe sich zudem zusammengesetzt, berichtet der ehemalige Bundesligaprofi Tretschok. Es sei ein angenehmes Arbeiten. Aber lustig ist es wohl nicht. „Es ist nicht selbstverständlich, dass die Mannschaft das so wegsteckt.“ Wie auch?

Eine Negativserie von zehn Bundesligaspielen ohne Sieg und dann die Tatsache, dass sich die Profis nicht sicher sein können, von wem sie Woche beim Training die Kommandos zu hören bekommen. Hertha auf Dauertrainersuche, da müssen die Spieler durch, da muss Tretschok zu seinem Glück nicht durch. Er kann sich allein auf eine Aufgabe konzentrieren, bei der er nicht verlieren kann. Wer erwartet von Hertha schon, dass gegen den Deutschen Meister und Tabellenführer Borussia Dortmund in der aktuellen Situation etwas geht? René Tretschok.

„Wir haben schon ein bisschen was vor“, sagt der Interimstrainer. Was denn? Wie denn? Und mit wem? Andreas Ottl gesperrt, Christian Lell immer noch nicht einsatzbereit, Fabian Lustenberger angeschlagen. René Tretschok sagt, was die Taktik angeht, werde er nichts verraten. Er könne aber versprechen, dass die Mannschaft werde mit dem Herzen dabei sein werde: „Wir hoffen auf ein positives Ergebnis.“

Womöglich ist auch der Manager auf dem Weg zu einem positiven Ergebnis in der Trainersuche. Zwar schließt Preetz nicht aus, dass Tretschok auch eine Woche später beim Auswärtsspiel in Augsburg wieder auf der Berliner Trainerbank sitzen darf, aber zu viel mehr wird es wohl nicht kommen. Schließlich darf Tretschok aufgrund fehlender Fußballlehrerlizenz für den Profibereich das Team nur für zwei Pflichtspiele betreuen. Preetz sagt dann auch: „René ist bei uns als U-19-Trainer unter Vertrag.“ Bei den Profis sei Tretschok die – „Interimslösung“.

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