Sport : Auf Umwegen zur Schale

Vergessene Tabellenführer und Fastmeister: eine Chronik des Titelkampfes in der Bundesliga

Thomas Schöbel

1. Spieltag: Erstmals ertönt zur Saisoneröffnung die Nationalhymne. Nürnberg gewinnt 3:0 in Stuttgart und ist seit 38 Jahren wieder Tabellenführer.

3. Spieltag: Nürnberg ist nach dem 0:0 in München immer noch Erster, und Hans Meyer will den Trainingsbetrieb einstellen: „Wenn man dort steht, wo wir stehen, muss man nicht mehr trainieren.“

4. Spieltag: Unglaublich, aber wahr: Hertha BSC ist Tabellenführer. Auf Schalke liegen die Nerven blank. Halil Altintop gibt eine Trainerkritik von Kollege Asamoah an Journalisten weiter. Die Profis boykottieren daraufhin die Presse.

5. Spieltag: Die Bayern stehen endlich an der Spitze. Sie ahnen nicht, dass es das einzige Mal in dieser Saison sein wird.

7. Spieltag: „Was soll das?“ – Bochums Neumitglied Herbert Grönemeyer ist auf der Tribüne entsetzt. Bremen deklassiert den VfL mit 6:0 und ist Tabellenführer. Stuttgart gelingt mit einem 3:0 gegen Leverkusen der erste Heimsieg.

9. Spieltag: Werder zaubert auch in Mainz: 6:1. FSV-Trainer Jürgen Klopp ist sich sicher: „Die werden Meister, jede Wette.“

10. Spieltag: Das Spitzenspiel Schalke gegen Bayern. Schalkes Trainer Mirko Slomka verbannt Frank Rost und stellt Manuel Neuer ins Tor. Begründung: Rost sei „das Glück abhandengekommen“. Die Fans schweigen aus Unzufriedenheit 19:04 Minuten in Anlehnung an das Gründungsjahr. Als sie wieder laut werden, führt Schalke 2:0. Zu früh gejubelt: Am Ende steht es 2:2.

11. Spieltag: Schlusslicht Hannover gewinnt in München. Es ist der schlechteste Saisonstart der Bayern seit 15 Jahren.

12. Spieltag: Stuttgart gewinnt 2:1 in Hannover und ist Tabellenführer. Manager Heldt sagt: „Wir wissen doch alle, dass das eher eine Momentaufnahme ist.“

17. Spieltag: Bremen ist Herbstmeister. Stuttgart ist Vierter und will sich ganz auf einen Uefa-Cup-Platz konzentrieren. Trainer Veh sagt: „Wir schauen, wie Hertha BSC spielt, nicht nach den Ergebnissen von Bremen oder Bayern.“ Bloß gut, dass der VfB nicht zu genau hingeguckt hat.

18. Spieltag: Für den VfB Stuttgart beginnt die Rückrunde mit einer 1:4-Niederlage in Nürnberg. Die Franken sind das einzige Team, dass den Meister zweimal schlagen kann. Die Bayern verlieren in Dortmund 2:3. „Bis die Meisterschaft vergeben ist, ist noch eine lange Wegstrecke zu gehen“, sagt Trainer Felix Magath. Er ahnt noch nicht, dass dieser Weg für ihn am nächsten Spieltag schon zu Ende ist.

19. Spieltag: Ottmar Hitzfeld übernimmt in München, nachdem Oliver Kahn noch gesagt hatte: „Man muss das alles auch ein bisschen realistisch sehen und nicht immer gleich den Trainer infrage stellen.“

20. Spieltag: Schalke gewinnt gegen Bremen und erobert die Tabellenführung. Hitzfeld ist auch kein Messias. Die Bayern verlieren 0:3 in Nürnberg, und der ist ernüchtert: „Ich habe erwartet, dass es schwierig würde. Dass es so schwierig wird, hat auch mich überrascht.“

21. Spieltag : Schalke ist seit zwölf Spielen ungeschlagen und führt mit sechs Punkten Vorsprung. So etwas gab es für die Gelsenkirchener in der Bundesliga noch nie.

22. Spieltag: Nach der Niederlage in Aachen liegen die Bayern zwölf Punkte hinter der Spitze. Bremen verliert das dritte Spiel in Folge. Aber Sportdirektor Klaus Allofs weiß: „Auch Schalke und Stuttgart können drei Niederlagen passieren.“

24. Spieltag: Schalke zittert. Das 0:2 gegen Ex-Keeper Rost und den Hamburger SV ist die zweite Heimpleite in Folge. „Bremen, Bayern und Schalke kämpfen um die Meisterschaft“, sagt Stuttgarts Trainer Veh.

26. Spieltag: Stuttgart scheint nach dem 0:1 in Schalke aus dem Titelrennen zu sein. Manager Heldt bleibt trotzig: „Gar nix ist vorbei.“ Der FC Bayern verabschiedet sich mit einem 0:1 in Frankfurt selbst.

31. Spieltag: Schalke verliert freitags in Bochum, und Mirko Slomka sagt: „Ich kann jetzt nicht mehr zu 100 Prozent davon überzeugt sein, dass wir den Titel holen.“ Zwei Tage danach verliert aber auch Bremen in Bielefeld. Schalkes Manager Müller fällt die größere Konkurrenz auf: „Vergesst die Stuttgarter nicht, die sind in einer hervorragenden Verfassung.“

33. Spieltag: Dortmund feiert wie selten in dieser Saison. Der BVB siegt im Derby 2:0 und schickt Schalke in eine neue Titelfrustration. Bremen verliert überraschend gegen Frankfurt und kann nicht mehr Meister werden. Stuttgart siegt nach zweimaligem Rückstand in Bochum und hat die Hand an der Schale.

34. Spieltag : Der VfB macht alles klar. Der Deutsche Meister 2007 kommt aus Stuttgart. Überraschend, aber nach diesem Saisonverlauf irgendwie logisch.

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