Sport : Auf Wiedersehen, Feinde!

Lance Armstrong will doch nicht mehr bei der Tour de France starten – er fühlt sich vom Weltverband verraten

Guillaume Decamme[New],Paris[New],Matthias B. Krause[New]

Mit dem Rücktritt vom Rücktritt wurde im Umfeld von Lance Armstrong zuletzt recht locker umgegangen. Am Dienstag noch sagte Sheryl Crow, Lebensgefährtin des amerikanischen Radprofis, in einer deutschen Fernsehshow, dass sie glaube, dass ihr Verlobter noch mal bei der Tour de France antreten werde. „Obwohl das schlecht für Jan Ullrich wäre.“ Zwei Tage später aber erklärte der siebenmalige Tour-Sieger: „Unter keinen Umständen gehe ich noch mal nach Frankreich.“ Den Sinneswandel begründet Armstrong damit, dass er angesichts neuer Entwicklungen bei den Dopingvorwürfen gegen ihn „keine faire Behandlung“ bei der größten Radrundfahrt der Welt mehr erwarte. Denn nun ist bekannt geworden, dass die Armstrong belastenden Dokumente von Hein Verbruggen, dem Präsidenten des Radsport-Weltverbandes UCI, an die Medien weitergeleitet wurden.

Die französische Sportzeitung „L’Equipe“ hatte am 23. August veröffentlicht, dass eine 1999 von Armstrong genommene Urinprobe das Blutdopingmittel Epo enthielt. Zu diesem Ergebnis war das Anti-Doping-Labor in Chatenay-Malabry nach einer nachträglichen Analyse der Probe Armstrongs gekommen. Der Weltverband bestritt, das Ergebnis an die Medien weitergeleitet zu haben. Das aber stellt Richard Pound, Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), infrage: „Herr Verbruggen hat mir gesagt, dass er Journalisten die Dokumente gezeigt und ihnen Kopien ausgehändigt hat, und dies geschah vor der Veröffentlichung in der L’Equipe.“ Der Weltverband weist die Vorwürfe zurück. „Die UCI bestätigt, dass die Kopie eines Kontrolldokuments an einen Journalisten gegangen ist. Wie aber die anderen fünf Kopien in die Hände des Journalisten kamen, weiß der Verband nicht“, erklärte UCI-Sprecher Enrico Carpani am Freitag. „Pound behauptet, dass diese Dokumente von der UCI gekommen sind. Er hat ständig die UCI im Fokus.“

Trotzdem scheint Verbandspräsident Verbruggen nun in der Bredouille. In einer Woche will sich der Niederländer zur Wiederwahl stellen; er führt den Verband seit 13 Jahren, ist aber umstritten. Seine Gegner werfen ihm Selbstherrlichkeit vor. Bei der Wahl in Madrid hat Verbruggen drei Gegenkandidaten.

Lance Armstrong wittert eine Kampagne gegen seine Person. Ein erneuter Test der Urinprobe von 1999 ist unmöglich, da sie aufgebraucht ist. Armstrong greift nun Wada-Chef Pound an. „Das System hat ernsthaft versagt. Und wenn das System versagt, dann muss man sich den Kopf des Systems anschauen“, sagte er der „New York Times“. Trotzdem scheint es Armstrong mit dem Comeback bei der Tour nicht ganz so ernst gemeint zu haben. In der amerikanischen Öffentlichkeit wurden seine angeblichen Pläne ohnehin kaum beachtet. Armstrong hatte dafür nur in einer texanischen Provinzzeitung in Form eines Interviews ein größeres Forum gefunden. Der Ruf des Radprofis hat trotz der Dopingvorwürfe in den USA nicht gelitten. Man witterte vielmehr eine aus Frankreich gesteuerte Kampagne gegen den eigenen Landsmann.

In Frankreich war Lance Armstrong nie besonders beliebt, mit einigen Journalisten von L’Equipe hatte er sich überworfen. Und da die Affäre um ihn mit Pounds Vorwürfen gegen UCI-Präsident Verbruggen noch einen Nebenschauplatz bekommen hat, hat Armstrong nun genug, wie er sagt. Er müsse sich mit falschen Vorwürfen auseinandersetzen, während seine drei Kinder im Pool spielen und seinen Namen rufen würden, zitiert ihn die „New York Times“. „Und das macht mich krank.“

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