Sport : Auf Wiedersehen, Stürmer

Hertha BSC hat mehrmals Strafen für die Spieler angekündigt – nun ist Fredi Bobic nicht mehr im Kader

Klaus Rocca

Berlin. Dieter Hoeneß war wütend. „Das Maß ist voll. Notfalls schmeiße ich einen raus. Und wenn es sein muss, auch drei“, schrie er. Das war im September nach dem 0:0 im Uefa-Cup-Spiel gegen Grodzisk. Am Sonntag, nach der 1:3-Blamage gegen Schalke, war des Managers Stirn wieder von Zornesfalten durchfurcht. „Ich bin stinksauer. Mir läuft die Galle über. Es werden Opfer gebracht werden müssen“, sagte Hoeneß erbost, sicher auch populistisch. Nun wartet die Öffentlichkeit auf Konsequenzen. Die werden wohl ausbleiben. „Da habe ich nicht an kurzfristige Reaktionen gedacht“, wiegelte Hoeneß am Dienstag ab. Immerhin, beim Abflug der Mannschaft zum Pokalspiel in Bremen gab es eine Überraschung: Stürmer Fredi Bobic war nicht dabei. Eine Maßnahme des Managers war das aber nicht. „Das ist die Entscheidung von Trainer Stevens“, sagte Pressesprecher Felder.

Hoeneß weiß natürlich, dass er die Spieler von Hertha BSC nur begrenzt für die Misserfolge zur Rechenschaft ziehen kann. Rausschmisse, wie angedroht, würden vor dem Arbeitsgericht keinen Bestand haben. Es sei denn, man würde einem Spieler grob vereinsschädigendes Verhalten vorwerfen können. Hoeneß spricht manchem Spieler zwar unbedingten Siegeswillen ab, doch dem widersprechen die Spieler nicht nur energisch, es wäre auch schwer nachweisbar. Der Manager könnte höchstens auf Trainer Huub Stevens Einfluss nehmen, einige Spieler nicht aufzustellen. Doch er bestreitet, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen: „Das habe ich in meinem Leben noch nie gemacht und werde es auch nie tun.“

Wirksamer kann Stevens auf die Krise reagieren. Er nahm dann auch gestern Bobic nicht mit nach Bremen. Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher diagnostizierte bei Bobic zwar eine leichte Grippe, doch soll er fieberfrei sein. Nahe liegt, dass Stevens auf die schwachen Leistungen des Stürmers reagiert und ihn deshalb aus dem Kader strich.

Hoeneß sagte, er trage die Entscheidung des Trainers „voll mit“. Wahrscheinlich ist es ihm sogar sehr recht, dass auf diese Art eben doch Konsequenzen gezogen werden. Er selbst wird sich damit schwer tun. An Kürzungen oder Einfrieren der Grundgehälter oder Prämien denkt der Manager jedenfalls nicht. Dies wäre nur im Einverständnis mit den Betroffenen möglich, wie zuletzt bei Borussia Dortmund. Beim Berliner Fußball- Bundesligisten wurden die meisten Grundgehälter ohnehin gesenkt. So soll Marko Rehmer beim Verlängern seines Vertrages bis 2005 auf die Hälfte seiner angeblich 2,2 Millionen Euro pro Saison verzichtet haben. Andere Spieler wie Michael Hartmann und Christian Fiedler bekommen ebenfalls gekürztes Grundgehalt. Auch Bobic musste gegenüber seinem Grundsalär in Hannover beträchtliche Abstriche machen.

Im Rahmen der leistungsbezogenen Verträge wurden dagegen die Siegprämien erhöht. Angeblich erhält Rehmer für einen Sieg 40000 Euro. In dieser Saison wurde nicht viel ausgeschüttet: In 14 Saisonspielen brachten es die Herthaner gerade auf zwei Erfolge, gegen Rostock und Mönchengladbach. Mit ihren sportlichen Misserfolgen haben sich die Spieler also selbst bestraft.

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