Sport : Auf wundersame Weise

Albas Basketballer siegen beim 80:69 in Braunschweig im vierten Play-off- Spiel, das schon verloren schien

Benedikt Voigt

Braunschweig. Was er am Mittwoch machen werde, ist Carsten Kerner vor dem Spiel gefragt worden. Der Manager von Alba Berlin antwortete: „Irgendwann werde ich wohl ins Büro fahren.“ Und dann für die nächste Saison planen? „Daran denkt im Moment keiner“, sagte Kerner. Vielleicht hat er irgendwann in der zweiten Hälfte doch mal daran denken müssen, vielleicht als seine Mannschaft in der 23. Minute mit 15 Punkten zurücklag, und nach sechs deutschen Meistertiteln in Serie erstmals wieder zu scheitern schien. Am Ende aber sollte Carsten Kerner Recht behalten. 80:69 (27:37) gewann Alba Berlin gegen TXU Energie Braunschweig ein dramatisches Spiel und glich in der Serie „Best of five“ zum 2:2 aus. Wer nun ins Finale um die Deutsche Meisterschaft einzieht, wird sich erst am kommenden Donnerstag um 18 Uhr in der Max-Schmeling-Halle herausstellen.

Alba hatte zuvor alles getan, um das erste Ausscheiden im Halbfinale seit 1994 zu vermeiden. Das Team trat mit Marko Pesic an, obwohl dieser wegen einer Handverletzung sechs Wochen lang ausgefallen war und am Vortag erstmals wieder trainiert hatte. „Wir erwarten kein Wunder von ihm“, sagte Kerner, „aber mit seiner Erfahrung und Motivation kann er uns schon helfen.“ Auch Mithat Demirel musste mit einem Bluterguss in der Ferse zum vierten Mal gegen Braunschweig antreten.

Nach dem Erfolg im ersten Heimspiel hatten die Berliner zweimal in Folge gegen den Tabellendritten der Hauptrunde verloren. Nun ging Alba zwar 4:0 in Führung, dann kam Braunschweig in der Offensive immer besser ins Spiel. Alba kassierte eine 3:17-Serie. Trainer Emir Mutapcic wechselte Marko Pesic ein, der sein Team wenig später mit seinem ersten Wurf auf 12:19 heranbrachte. Nach zehn Minuten lag Alba aber wieder 14:22 zurück. Die Nervosität auf der Berliner Bank stieg zusehends.

Im zweiten Viertel konnten die Berliner noch einmal kurzzeitig bis auf vier Punkte verkürzen, doch dann hatten sie der Braunschweiger Offensive wenig entgegen zu setzten. Unter dem Jubel der Braunschweiger Zuschauer setzten sich die Gastgeber 35:22 ab. Alba wirkte geschockt. Berlins Centerspieler Jovo Stanojevic leistete es sich, in der Offensive einige leichte Korbleger daneben zu werfen. Hinzu kamen Ballverluste wie jener von Demirel, dem beim Dribbeln der Ball ins Aus sprang. Zur Halbzeit standen nur 27 Punkte für Alba auf der Anzeigetafel, Braunschweig hatte aber 37. Zehn Ballverluste hatte sich Alba geleistet und lediglich 32 Prozent der Würfe getroffen. DeJuan Collins und Mithat Demirel standen sogar bei null Prozent.

Es sah nicht gut aus für die Berliner. Zumal sich Braunschweig nach der Pause wieder mit 15 Punkten absetzen konnte. Jetzt erst kamen die Berliner in der Offensive in Schwung. Eine 13:0-Serie – darunter zwei Dreipunktewürfe von Vladimir Petrovic – führte Berlin wieder auf 40:42 heran. „Jetzt geht’s los“ sangen die 550 Berliner Fans. Doch Braunschweigs Dan Earl antwortete mit einem getroffenen Dreipunktewurf. Das Spiel aber war wieder offen, zumal Marko Pesic mit einem Korbleger die Berliner vor dem letzten Viertel auf 47:48 heranbrachte.

„Das werden die spannendsten zehn Minuten, die wir jemals in dieser Halle gesehen haben“, sagte der Hallensprecher. Er sollte Recht behalten. Earl eröffnete das letzte Viertel mit einem Dreipunktewurf für Braunschweig, doch Alba konnte in der 33. Minute durch Quadre Lollis erstmals seit dem Beginn des ersten Viertels ausgleichen: 51:51. Wenig später traf der überragende Vladimir Petrovic zwei Dreipunktewürfe zum 57:53 (36. Minute). Mit fünf Punkten Vorsprung ging Alba in die letzten zwei Minuten. Als Demirel dreißig Sekunden vor Schluss auf 73:67 erhöhte, war der Sieg für die Berliner sicher. Alba hatte ein Spiel, das bereits verloren schien, auf wundersame Weise gedreht.

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