Sport : Auf zu neuen Pisten

Viktoria Rebensburg will sich in Super G und Abfahrt verbessern – Fernziel ist der Gesamtweltcup.

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Gut in Schuss. Riesenslalom-Spezialistin Viktoria Rebensburg wurde in der Abfahrt von Lake Louise Vierte. Foto: AFP
Gut in Schuss. Riesenslalom-Spezialistin Viktoria Rebensburg wurde in der Abfahrt von Lake Louise Vierte. Foto: AFPFoto: AFP

Man könnte es auf die eiskalten Temperaturen im Zielraum von Lake Louise schieben: Minus 16 Grad Celsius zeigt das Thermometer bei wunderschönem Winterwetter in den kanadischen Rocky Mountains an. Doch das ist nicht der Grund, warum Viktoria Rebensburg beim alpinen Ski-Weltcup nach dem Super G in Lake Louise so schnell aus dem Zielraum verschwunden ist. Die Zahl, die kurz zuvor auf der kleinen Anzeigetafel aufleuchtete, hat sie von der Piste getrieben: 2,22 Sekunden Rückstand nach einigen Fahrfehlern auf Siegerin Lindsey Vonn, Platz 25 am Ende. Ein Ergebnis, das so überhaupt nicht zu ihrer bisherigen Saison passt.

Eigentlich ist Viktoria Rebensburg zurzeit die zweitbeste Skifahrerin der Welt. Im Gesamtweltcup liegt vor ihr nur die US-Amerikanerin Vonn, Dreifachsiegerin von Lake Louise. Doch diese Wertung ist nach sechs Weltcup-Rennen nur bedingt aussagekräftig – und sie interessiert die 22 Jahre alte Riesenslalom-Olympiasiegerin von Vancouver auch nicht. „Der Gesamtweltcup spielt momentan gar keine Rolle, für mich zählen Riesenslalom und Super G“, sagt Rebensburg, „doch langfristig ist es schon mein Ziel, auch im Gesamtweltcup vorne mitzufahren.“

Auch dass sie gegenwärtig im eigenen Team vor der Gesamtweltcupsiegerin Maria Höfl-Riesch liegt, will sie nicht überbewerten. „Ich freue mich über meine gute Platzierung“, sagt sie, „aber wenn man langfristig die Nummer eins im Gesamtweltcup werden will, dann kommt es automatisch, dass man auch in seinem Land die Nummer eins ist.“ Eine Konkurrenz zwischen den beiden besten deutschen Fahrerinnen gibt es trotz des Gesamtweltcupstandes nicht, dazu sind die Ziele zu unterschiedlich: Höfl-Riesch will den Gesamtweltcup verteidigen, Rebensburg will ihre Riesenslalom-Ergebnisse bestätigen und sich in den Speed-Disziplinen Super G und Abfahrt verbessern. „Es gibt keine Rivalität zwischen den beiden“, sagt Frauen-Bundestrainer Thomas Stauffer, „Maria ist zwar momentan Fünfte im Gesamtweltcup, aber sie wird zurückkommen und die Resultate bringen.“

Viktoria Rebensburg hat ihre Resultate im Riesenslalom schon gebracht: In Aspen feierte sie ihren vierten Weltcupsieg, beim Saisonauftakt in Sölden fuhr sie auf Rang zwei. „Ich bin jetzt auch in der Abfahrt stärker geworden“, sagt Rebensburg nach ihren zwei vierten Plätzen in der Abfahrt, „das zeigt, dass es in die richtige Richtung geht.“ Erstmals hatte sie im September eine Abfahrts- und Super-G-Trainingswoche in Südamerika eingelegt. „Der Riesenslalom funktioniert“, sagt Stauffer, „jetzt ist es das Ziel, dass wir zwei oder drei Disziplinen haben, in denen sie auf das Podest fährt.“ Beinahe wäre ihr das in Lake Louise gelungen, als richtige Abfahrerin sieht sie sich trotzdem noch nicht. Mit dieser Disziplin musste sie sich erst anfreunden. „Für mich war die Abfahrt lange ein gutes Training für den Super G, irgendwann ist es so gekommen, dass ich mich dabei auch wohl fühle.“

Viktoria Rebensburg geht die Dinge gerne langsam und planvoll an. „Step by Step“ ist ein Ausdruck, den sie oft benutzt. Deshalb freut sie sich besonders, dass sie in der vergangenen Saison mit dem Gewinn der Riesenslalom-Gesamtwertung ihre Konstanz bestätigen konnte. „Das ist sportlich wertvoller als ein Titel bei der WM“, findet sie. Am 25. Februar 2010 hat sie allerdings auch einmal einen riesigen Karrieresprung gemacht, als sie ihren ersten Sieg über die Weltspitze bei den Olympischen Winterspielen feierte. Seitdem ist aus dem zurückhaltenden Teenager eine gereifte Frau geworden. „Der Olympiasieg hat mich geprägt, ich bin seitdem menschlich reifer geworden“, sagt sie.

Seit dem Olympiasieg mehren sich auch die Sponsoren. „So etwas kommt mit den Erfolgen“, hat sie festgestellt, „da kommt schon noch einiges.“ Es ist nicht ganz klar, ob sie damit Sponsoren oder Erfolge meint. Wahrscheinlich beides.

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