Sport : Aufbau Ost

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Von Karsten Doneck

Cottbus. Idyllisch liegt der Altmarkt da mit seinen barocken Bürgerhäusern. Auch das Stadtmuseum lohnt einen Besuch. Und keine halbe Stunde Autofahrt entfernt beginnt der Spreewald. Doch Cottbus hat derzeit eine andere Attraktion: eine Baustelle. Im Branitzer Park, wo einst die Bundesgartenschau Millionen Menschen anlockte, wird das Stadion des Fußball-Bundesligisten FC Energie Cottbus umgebaut. 12,6 Millionen Euro kostet der Aufbau einer neuen Tribüne auf der Gegengeraden, unten mit 4400 Stehplätzen, oben mit 2400 Sitzplätzen. Das ehrgeizige Bauvorhaben übt auf die Einwohner eine solche Anziehungskraft aus, dass „sich die Arbeiter dort schon beschwert haben über die vielen Leute, die nur zum Gucken vorbeikommen“, wie Christine Barthel sagt. Deswegen gibt das Hochbauamt Cottbus, das Barthel leitet, jetzt Passierscheine aus zum Betreten der Baustelle.

Behinderungen aller Art können sich die Handwerker nicht leisten. Schließlich beginnt die neue Bundesligasaison schon am 10. August, der FC Energie empfängt gleich den Vizemeister Bayer Leverkusen. „Wir wollen auf keinen Fall in der stillen Stube spielen“, sagt Energie-Präsident Dieter Krein, der zum Auftakt eine zuschauerfreie Gegengerade fürchtet. Diese Gefahr besteht durchaus. Die Osttribüne des Stadions der Freundschaft ist mittlerweile komplett abgetragen, aus der ebenen Fläche ragen nur zwei gelbe Kräne und zwei Rammen in den Himmel. Wo sollen da die Zuschauer hin? „Wir gehen davon aus, dass bis Saisonbeginn 1400 Stehplätze auf der Osttribüne fertig sind und das Stadion 15 000 Plätze hat“, rechnet Barthel vor. Vor Baubeginn war Platz für 20 500 Zuschauer. Nach der Fertigstellung im August 2003 - also zur übernächsten Saison - werden 22 400 Zuschauer Platz finden. Großer Aufwand also für eine kleine Erweiterung der Kapazitäten. „Uns reicht das“, sagt Krein. Für den FC Energie ist Qualität wichtiger: Durch die Erhöhung der Sitzplatzzahl um 2400 kann der Klub auf höhere Einnahmen aus den Eintrittspreisen hoffen.

Bei allem Wohlwollen, dessen sich der FC Energie bei der Bevölkerung in der Lausitz sicher sein kann, gab es im Vorfeld doch manches Hindernis zu überwinden. Die Finanzierung wurde erst durch die EU, die 80 Prozent der Kosten trägt, sichergestellt (siehe Kasten). Nun gilt das Projekt „als maßgeblicher Impuls zum Zusammenwachsen der deutsch-polnischen Grenzregion im Gebiet der Euroregion Spree-Neiße-Bober“, wie es in einer Werbebroschüre heißt. Die Völkerverständigung wird darauf hinauslaufen, dass im Stadion auch mal polnische Folkloregruppen ihre Künste zum Besten geben. Und zur Pflege der deutsch-polnischen Freundschaft wird im Stadion extra ein Büroraum eingerichtet.

Besänftigt wurden auch die Umweltschützer. „Man musste ja wirklich aufpassen, dass da nicht plötzlich ein herumfliegender Maikäfer den ganzen Bau gefährdet“, sagt Dieter Krein. De facto mussten im Branitzer Park, wie Anita Sommer, die Projektleiterin des Hochbauamtes, berichtet, „etwas mehr als 30 Bäume, die teilweise über 90 Jahre alt waren, gefällt werden“. Als Ausgleich werden neue Bäume gepflanzt. Über die Baumaßnahmen wird der FC Energie stets auf dem Laufenden gehalten. Krein hat sich sogar Detailkenntnisse angeeignet. „Wir sind jetzt in der Phase“, referiert er, „in der 143 Bohrpfähle von sechs bis acht Metern Länge und 40 bis 50 Zentimetern Durchmesser in den Boden gerammt werden. Darauf steht der Hauptteil der Tribüne.“

Mit der neuen Tribüne wachsen in Cottbus die Träume. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir an den Nord- und Südseiten unseres Stadions auch mal Tribünen bekommen und das am Ende ähnlich aussieht wie das Dortmunder Westfalenstadion“, sagt Dieter Krein. Experten schätzen, dass ein solches Vorhaben noch einmal das Doppelte der jetzigen Bausumme verschlingen würde. Aber: „Warum nicht?“ erwidert Christine Barthel, „wenn die Finanzierung steht, beginnen wir sofort mit den konkreten Planungen."

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