Sport : Aufbaugegner Bayern

1:0 in München – Hannover ist nicht mehr Letzter

Daniel Pontzen[München]

Für die grauen Flecken auf den Tribünen gab es eine plausible Erklärung. Der Gegner Hannover 96 hatte die zur Verfügung gestellten Tickets zum Teil zurückgesendet. Dass erstmals bei einem Bundesliga-Heimspiel von Bayern München in der Allianz-Arena eine größere Zahl an Sitzschalen unbesetzt blieb, hatte also keineswegs, wie sich die Pressestelle der Bayern festzustellen beeilte, an nachlassender Begeisterung der Münchner Fans gelegen. Nach dem gestrigen Abend ist die Boykott-Gefahr durch sie weiter gestiegen: Gegen den bis vor vor dem Spiel Tabellenletzten Hannover verlor der Meister nach phasenweise desolater Leistung 0:1, wodurch der Rückstand zur Tabellenspitze auf sechs Punkte angewachsen ist.

Der Anpfiff des Spiels markierte bereits ein Ende, ein vorübergehendes zumindest, denn von der Drei-Stürmer-Strategie, die bei den Bayern bereits vom Experiment zur stilbildenden Maßnahme fortentwickelt schien, rückte Trainer Felix Magath kurzerhand wieder ab. Grund: die chronische Formschwäche von Roque Santa Cruz und der Mangel an personellen Alternativen; Lukas Podolski fehlte weiterhin verletzt. Zudem musste kurzfristig Willy Sagnol wegen einer Knieblessur passen, Hasan Salihamidzic ersetzte ihn. Als zusätzliche Offensivkraft durfte sich Ali Karimi versuchen.

Doch auch die umformierte Elf konnte den zuletzt in spielästhetischer Hinsicht wenig verwöhnten Bayern-Fans wenig Anmutiges bieten. Engagement war den Münchnern nicht abzusprechen, der von Manager Uli Hoeneß so herzlich verabscheute Vergleich zum Spektakelfußball Werder Bremens fiel indes erneut wenig schmeichelhaft aus: Überraschende Momente fehlten nahezu gänzlich.

Die Niedersachsen, keineswegs mit überbordendem Selbstvertrauen angereist, verfolgten derweil konsequent die von Trainer Dieter Hecking ausgegebene Nadelstich-Taktik: Nach Balleroberung spielten sie meist direkt Richtung Spitze. Bis kurz vor der Pause erwuchs auch daraus wenig Gefahr, dann jedoch erhielt Hannovers Schmal-Offensive unerwartete Unterstützung: Martin Demichelis vertändelte nahe der Eckfahne den Ball, Nutznießer Jiri Stajner zog schnurstracks in den Strafraum und bediente Szablocs Huszti zum 1:0.

Dass der Rückstand für Magaths Elf mehr als ein leicht zu behebender Flüchtigkeitsfehler war, zeigte sich nach dem Wechsel: Von anhaltenden Pfiffen begleitet wirkten die Münchner zunehmend gehemmt, erst gut 20 Minuten vor dem Ende kamen sie durch einen Kopfball von Bastian Schweinsteiger zu ihrer ersten Ausgleichs-Chance. Auch die Hereinnahme von Mehmet Scholl bewirkte nichts mehr. Mit Feiern waren da längst nur noch die Hannover-Fans beschäftigt die wenigen, die mitgekommen waren.

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